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Aufforstung mit Bermen an steilen GleitschneehängenDie Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat vor 30 Jahren auf fünf Versuchsflächen Aufforstungen mit Hilfe von Bermen durchgeführt. Bermen beeinflussen den längerfristigen Anwuchserfolg kaum, denn dieser hängt in erster Linie vom Kleinstandort und von der Baumartenwahl ab. Daher sind gezielte Gruppen- und Rottenpflanzungen regelmässigen Reihenpflanzungen vorzuziehen. Die Vor- und Nachteile von Aufforstungen auf Bermen werden hier abschliessend beurteilt.
An Steilen Hängen im Gebirge ist der Schutzwald an vielen Orten eine kostengünstige Alternative zu technischen Verbauungen gegen Naturgefahren. Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL (früher EAFV) beschäftigt sich bereits seit den 1960er Jahren mit der Aufforstung und Wiederbewaldung solcher Extremstandorte. Die jungen Bäume einer Aufforstung sind gefährdet durch klimatische Extreme, Schneebewegungen, Vegetationskonkurrenz, Pilze, Insekten und Wild. Oft sind technische Massnahmen gegen Schneebewegungen wie Bermen, Pfählung, Schwellen, Dreibeinböcke, oder Schneerechen nötig, um überhaupt den Anwuchs zu ermöglichen.1967 kam die Idee auf, den Kleinstandort von Pflanzungen im Gebirge durch so genannte Bermen zu verbessern. Drei Bermentypen an fünf Versuchsorten1976 wurde an fünf potenziellen Gleitschneehängen in den Voralpen Fichten und Lärchen gepflanzt und dabei verschiedene Bermentypen getestet. Gewählt wurde eine schematische Versuchsanordnung, bei welcher alle vorhandenen Kleinstandorte bepflanzt wurden. Für die Pflanzung wurden 2-, 4- und 6- jährige Fichten und Lärchen verwendet, mit jeweils Grössen von 10 bis 30 cm. Mit Hilfe des Versuchs wollten die Forscher herausfinden, wie Bermen die kleinstandörtlichen Bedingungen verändern, welche Vor- und Nachteile für die auf Bermen gepflanzten Bäume entstehen, wie ein intaktes Bodengefüge auf den Bermenbau reagiert, wie sich die Terrassierung auf den Wasserhaushalt auswirkt und ob Bermen die Gleitschneewirkung mindern können.
Kleinterrassen (mit Schreitbagger) Mit diesem vollmechanisierten Verfahren können 70 bis 120 cm breite Bermen
auf tiefgründigen Böden gebaut werden. Kleinterrassen (handgefertigt)Voraussetzung für die Handanfertigung ist eine Humusdecke von minimal 20 cm. Das Verfahren erfordert die Zusammenarbeit in einem Zweierteam. Mit einer Wiedehopfhaue und einem Spaten werden zwei möglichst zusammenhängende Rasenstreifen abgelöst und übereinander eingebaut. Je nach Tiefgründigkeit der Böden liegt die Breite solcher Bermen bei 50 bis 80 cm. TellerbermenTellerbermen sind kleine, 40 x 30 cm grosse Kleinterrassen im Abtrag gebaut. Mit einer Wiedehofphaue oder einem Spaten wird die Grasnarbe gekippt und als umgekehrter Rasenziegel wieder eingebaut. Tellerbermen können durchgehend in Reihen, oder für eine Gruppenpflanzung in Rotten angelegt werden. Versuchsorte
Berschis (SG)Die Versuchsfläche (0,6 ha.) oberhalb
Berschis war eine typische Waldweide mit vernässten Standorten. Im Jahr vor der
Pflanzung wurden 1550 Laufmeter Kleinterrassen mit einem Schreitbagger und 1980
Tellerbermen von Hand gebaut. Im Frühling 1977 wurden 3200 Fichten auf die
vorbereiteten Bermen gepflanzt (Lochpflanzung). Die Aufforstung liegt in einer
kleinen Talsenke (Schneeloch), in der Schneeablagerungen im April eine Höhe von
4 Meter erreichen können. Brienz (BE)Die Aufforstung mit Bermen oberhalb von
Brienz am Salenwang hat eine Fläche von 0.6 ha. Es wurden handgefertigte Bermen
(1500 Laufmeter) und Tellerbermen (600 Stk.) gebaut und im Frühjahr 1978 mit
3700 Fichten bepflanzt. Das Versuchsgelände am Südwest- Hang ist ein durch
Gleitschnee und Lawinen geprägter Standort mit Grünerlen. Der Boden ist
flachgründig, steinig und im unteren Teil durch Bergdruck stark vernässt. Giswil (OW)Die 1,34 ha grosse Versuchsfläche am
Alpoglerberg oberhalb Giswil befand sich auf einer stark kupierten Weide mit
vernässten, gering durchlässigen Böden. Ein Jahr vor der Pflanzung wurden 1650
Laufmeter maschinelle Bermen mit einem Schreitbagger und 1950 Meter
handgefertigte Bermen gebaut. Im Frühjahr 1977 erfolgte die Pflanzung mit 7000
Fichten auf diese beiden Bermentypen. Durch die gleichmässige Versuchsanordnung
sind auch kühle, schneereiche und vernässte Standorte mit Fichten bepflanzt
worden. Alpnach (OW)Die Versuchsfläche Matthorn befindet sich
oberhalb Alpnach an einem trockenen, steilen Gleitschneehang, der als Alpweide
regelmässig genutzt wurde. Im Frühjahr 1978 wurden in der 0.5 ha grossen Fläche
handgefertigten Bermen (1300 Laufmeter) und Tellerbermen (720 Stk.) angelegt.
Die Lochpflanzung mit Wiedehopfhaue eignete sich am besten, um die 4100 Lärchen
zu setzen. Oberurnen (GL)Auch die Aufforstung oberhalb Oberurnen
wurde auf einer früheren Alpweide angelegt. Auf der 0,5 ha grossen
Versuchsfläche wurden 1500 Meter handgefertigte Bermen (50 bis 80 cm breit)
gebaut. In dem leicht kupierten Gelände erhielten auch Mulden und Schneelöcher
eine Terrassierung. Die Bepflanzung (Lochpflanzung) mit 1750 Fichten erfolgte im
Frühling 1977, ein Jahr nach dem Bermenbau. Entwicklung der Aufforstungen
SchlussfolgerungenKleinstandort ist entscheidend Die Versuchsflächen Oberurnen, Giswil und Matthorn haben sich nach 30 Jahren
gut entwickelt. Es haben genügend Bäume überlebt, welche heute eine Höhe von 3
bis 10 Meter erreicht haben. Die Aufforstungen sind inzwischen zu Stangenhölzern
zusammen gewachsen und konnten zur Förderung der Stabilität bereits durchforstet
werden. Bermen im Herbst vor der Pflanzung anlegenDie Bermen erodierten im ersten Winter nach dem Bau am stärksten. Besonders betroffen waren breite Bermen (1 bis 1,5 Meter), welche mit einem Schreitbagger angelegt wurden. Es empfiehlt sich, die Bermen im Herbst vor der geplanten Pflanzung anzulegen. Es wurden Fichten und Lärchen auf der Berme vorne (talwärts), mitte und hinten
(bergwärts) gepflanzt. Bereits nach einem Winter wiesen die vorne (talwärts)
gepflanzten Bäume zu 76 % Stamm- und Astbrüchen auf. Im Vergleich dazu waren die
Bäume auf dem mittleren Pflanzort mit 17 % und hinten (bergwärts) mit 7 %
deutlich weniger geschädigt. Gegen Schneebewegung (Gleitschnee) sind die Bäume
hinten (bergwärts) am besten geschützt, benötigten aber einen grösseren
Pflegeaufwand. Während der Wintermonate und bei starken Regenfällen (Gewitter)
erodierten die Bermen und die bergwärts gepflanzten Bäume wurden dadurch oft
überdeckt. Nach 3 bis 4 Jahren überwucherte die Grasvegetation zuerst die
hinteren Bäume.
Tellerbermen auf verjüngungsfreundlichen Standorten empfehlenswertDer enorme zeitliche und finanzielle Aufwand für den Bau von durchgehenden Terrassen hat sich auf keiner der Testflächen gelohnt. Die Tellerbermen waren stets die günstigere Variante. In Aufforstungen mit Gleitschneeproblemen empfiehlt sich der Bau von Bermen nur auf verjüngungsfreundlichen Standorten. Gruppen- und Rottenpflanzungen sind regelmässigen Reihenpflanzungen vorzuziehen. Vor- und Nachteile von Terrassen
Weiterführende LiteraturBeda, G., 1967: Bermen für die Aufforstung am Hang. Schweiz. Z. Forstw. 118,
4, 215-233. |