Link zu WSL Hauptseite Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
 

Vom Doppelleben eines Mykorrhiza-Pilzes

080307_Mykorrhiza.jpg
Fruchtkörper vom zweifarbigen Lacktrichterling (Laccaria bicolor). Foto: WSL

Ein internationales Forscherteam mit WSL-Beteiligung hat erstmals das Genom eines Mykorrhiza-Pilzes entziffert und zeigt in der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitung Nature, wie Pilze mit Bäumen in Symbiose zusammenleben können.

Ein internationales Team aus 19 Forschungsinstitutionen - darunter auch WSL-Forscherin Martina Peter - hat erstmals das Genom eines Mykorrhiza-Pilzes entziffert. Der Zweifarbige Lacktrichterling (Laccaria bicolor) ist in den Laub- und Nadelwäldern Europas und der Schweiz weit verbreitet und lebt in Symbiose mit verschiedenen Baumarten. Die Untersuchung seines Genoms trägt dazu bei, die Symbiose zwischen Mykorrhiza-Pilzen und Bäumen zu verstehen.

Die Forschenden haben eine Gruppe von Proteinen entdeckt, die bisher bei keiner anderen Pilzart gefunden wurde und deren genaue Funktion noch ungeklärt ist. Viele dieser neuen Proteine kommen in den Pilzfäden vor, welche die Wurzeln des Wirtsbaumes besiedeln, und werden an der Kontaktstelle zwischen Pilz und Baumwurzel ausgeschieden. Dies weist daraufhin, dass die neu entdeckten Proteine massgeblich an der Entstehung und Erhaltung der Symbiose zwischen Pilz und Baum beteiligt sind.

Die Analyse des Genoms hat auch gezeigt, wie der Mykorrhiza-Pilz das Doppelleben als Symbiont und Streu-Abbauer meistert: Er entwickelt keine Proteine, die Zellwände von Pflanzen abbauen; hingegen hat er Proteine, die tierisches Material und bereits verrottetes Pflanzenmaterial abbauen, das im Boden vorhanden ist. Mykorrhiza-Pilze können somit in den Pflanzenwurzeln leben ohne diese zu schädigen und gleichzeitig die Nährstoffe im Boden nutzen, indem sie das organische Material im Boden abbauen. Der Wirtsbaum wiederum wird vom Pilz mit Nähr- und Mineralstoffen versorgt.

Kontakt
Links
Weitere Informationen
Mykorrhizapilze 

Im Ökosystem Wald übernehmen Pilze verschiedene wichtige Funktionen; rund 1600 in unseren Wäldern vorkommende Pilzarten sind so genannte Mykorrhiza-Pilze. Diese leben in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit höheren Pflanzen: Einerseits ernähren sie sich von Kohlenhydraten, welche die Pflanzen produzieren und ihnen über die Wurzeln zur Verfügung stellen; andererseits verbessern sie die Nährstoff- und Wasserversorgung der Bäume, filtern gewisse Schadstoffe aus und schützen die Wurzeln vor Krankheitserregern. Mykorrhiza-Pilze und Waldbäume stehen in einem engen gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis: Störungen des einen Partners können sich somit auf den Zustand des andern Partners auswirken. Von den rund 500 bei uns vorkommenden Speisepilzarten sind zwei Drittel Mykorrhizapartner von Waldbäumen. Aus diesem Grund sucht man Speisepilze hauptsächlich im Wald. Viele Mykorrhiza-Pilze sind artspezifisch und auf ganz bestimmte Baumarten angewiesen, z.B. braucht der Goldröhrling (Suillus grevillei) die Lärche (Larix sp.) und der Zirbenröhrling (Suillus plorans) die Arve (Pinus cembra).