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† Matthias Dobbertin

Matthias Dobbertin

Dr. Matthias Dobbertins plötzlicher und unerwarteter Tod ist für uns ein tiefer Schock. Matthias hat sich seit seiner Kindheit für die Wälder dieser Erde interessiert. Seit 1994 hat Matthias an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL gearbeitet wo er mit seiner ganzen Leidenschaft die Waldökosysteme untersucht und erforscht hat. >>>>

Aktuelle Sanasilva Inventur

Schon seit 1985 wird in der Schweiz der Zustand der Baumkronen beobachtet. Als internationaler Vergleichswert dient der Prozentanteil der Bäume, welche mehr als ein Viertel weniger dicht belaubt oder benadelt sind als ein voll belaubter Referenzbaum. Auch erfassen wir den Anteil der Bäume mit ungewöhnlich vielen gelben Nadeln oder Blättern und beobachten die zeitliche Entwicklung aller Merkmale. Natürlich wird auch erfasst, wie viele Bäume jährlich absterben oder genutzt werden und wie viele neu dazu kommen. Die Kronenverlichtung ist ein guter Indikator dafür, wie stark ein Baum unter Stress steht, aber generelle Aussagen über den Gesundheitszustand eines Waldes lassen sich allein gestützt auf diesen Indikator nicht machen.

Im ersten Jahrzehnt der Erhebung stieg der Anteil der Bäume mit mehr als 25 Prozent Verlichtung trotz jährlichen Schwankungen stetig an (siehe Grafik). Seit 1996 können wir keinen Trend mehr beobachten. Die Werte schwanken jedoch jährlich stark, ausserdem erfolgten drei der vier beobachteten grossen Sprünge in der Kronenverlichtung nach den Stürmen Vivian (1990), Lothar (1999) und dem Trockensommer 2003. Dabei führte der Trockensommer 2003 erst mit einem Jahr Verspätung zu erhöhter Kronenverlichtung und Absterberaten. Grund dafür ist, dass die Bäume nach den vorangegangenen feuchten Jahren eher dichter belaubt waren. Generell zeigen aber die Sterbe- und Nutzungsraten ebenfalls keinen Trend und halten sich mit der Rate der einwachsenden Bäume die Waage.

Ergebnisse 2011

Im Jahr 2011 ist die Kronenverlichtung stark angestiegen. So stieg der Anteil Bäume mit mehr als 25% unerklärter Kronenverlichtung von 22,2 % auf 30.8% und derer mit mehr als 25% Gesamtverlichtung von 32,0% auf 41.3%. Damit ist ein gleich hoher Stand erreicht wie 2004. Allerdings hat sich der Anteil stehend toter Bäume, welche in dem Anteil beinhaltet sind, von damals 7,6% auf knapp 10,00 % erhöht. Dies ist ein Folge veränderter Nutzung, und nicht erhöhter Absterberaten.

Mögliche Gründe für den Anstieg der Verlichtung sind die starke Fruktifikation 2011 von fast allen Baumarten, die extreme Frühjahrstrockenheit und bei der Buche der starke Befall durch Buchenspringrüssler. Mit Ausnahme der Föhre und Esche wurde bei allen Hauptbaumarten ein Rekordanteil der Bäume mit Samen registriert. Vor allem bei der Buche führte dies zu einem starken Anstieg der Kronenverlichtung der Bäume mit Samenbehang. Bei Tannen und Fichten konnte zwar ein ähnlicher Zusammenhang beobachtet werden, doch sind bei immergrünen Bäumen die Differenzen in der Regel geringer. Während im Jahr 2011 schon Buchen mit leichtem Samenbehang einen deutlichen Anstieg der Kronenverlichtungen verzeichneten, war dies beispielsweise im Jahr 2009 nur für die Bäume mit starkem Samenbehang beobachtet worden.

Zudem wurden in diesem Jahr mehr Buchen vom Buchenspringrüssler befallen als seit 1990 beobachtet. Der Buchenspringrüssler ist an sich zwar harmlos für den Baum, kann jedoch in Jahren mit starken Befall zu verfrühter Braunverfärbung der Blattspitzen oder ganzer Blätter führen. In diesem Jahr wurden fast die Hälfte aller Buche mit Befall klassifiziert. Auch im Jahr 2004 wurde ein hoher Befall gefunden und auch damals war die Verlichtung der Buchen sehr hoch. Bei den Eichen allerdings scheint das extrem frühe Austreiben 2011 einen Anstieg der Frassschäden durch Raupen verhindert zu haben. Ihre Kronenverlichtung stieg auch nicht an.

Bodenwasserhaushaltsmessung der langfristige Waldforschungsflächen (LWF-Flächen) zeigen, dass es im Mittelland, Jura und dem Wallis bis Ende Juni 2011, also kurz vor Beginn der Sanasilva-Erhebungen, seit Beginn der Messungen 1998 noch nie so trocken war. In den Voralpen, Alpen und im Tessin hingegen konnte keine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit gefunden werden. Beobachtungen von verfrühtem Nadelfall von Tannen und Fichten im Mittelland müssen noch durch die Auswertungen der Streusammlerdaten verifiziert werden.

Die Sterberaten waren mit Ausnahme einiger Kastanien auf einer Sanasilva-Fläche nicht erhöht, jedoch erhöhte sich die Nutzung dieses Jahr auf fast 3%, was vor allem an der vollständiger Nutzung der Bäume auf einer Sanasilva-Fläche lag. Die Anzahl Sanasilva-Flächen mit ansprechbaren Bäume auf dem 16x16 km Raster reduzierte sich daher auf 47.

Entwicklung der Kronenverlichtung seit 1985

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Abb1_small Abb2_smal Abb3_small
Fig. 1) Entwicklung des Anteils der Bäume mit Kronenverlichtung unbekannter Ursache (Quadrate) und Gesamtverlichtung über 25% (Kreise) seit 1985. Die Fehlerbalken geben den einfachen Standardfehler an. Fig. 2) Entwicklung des Anteils der Bäume mit Kronenverlichtung unbekannter Ursache über 25% seit 1985. (ohne Standardfehler) Fig. 3) Entwicklung des Anteils der Bäume mit Kronenverlichtung unbekannter Ursache über 25% seit 1985. Die Fehlerbalken geben den einfachen Standardfehler an.

Tabellarische Zusammenstellung der Kronenverlichtung seit 1985

    Kronenverlichtung unbekannter Ursache Gesamtverlichtung
  Netzdichte Anteil der Bäume >25% Verlichtung [%] Fehler Anteil der Bäume >25% Verlichtung [%] Fehler
1985 4 x 4 8.6 0.6    
1986 4 x 4 10.8 0.6    
1987 4 x 4 13.4 0.7    
1988 4 x 4 9.9 0.6    
1989 4 x 4 10.5 0.6    
1990 4 x 4 15.6 0.9 25.3 1.0
1991 4 x 4 16.2 0.8 28.1 1.0
1992 4 x 4 12.9 0.7 25.6 1.0
1993 8 x 8 15.3 1.3 27.7 2.1
1994 8 x 8 18.3 1.4 31.7 1.9
1995 16 x 16 24.7 3.2 38.4 3.4
1996 16 x 16 20.8 2.3 33.6 2.9
1997 8 x 8 16.9 1.3 26.9 1.6
1998 16 x 16 19.2 2.9 27.1 3.3
1999 16 x 16 19.0 2.7 26.2 3.1
2000 16 x 16 29.4 3.2 41.4 3.5
2001 16 x 16 18.2 2.8 26.2 3.5
2002 16 x 16 18.6 2.4 30.1 3.0
2003 16 x 16 14.9 2.1 24.4 3.1
2004 16 x 16 29.1 3.7 41.0 4.2
2005
16 x 16 28.1
3.2
39.2
4.2
2006
16 x 16 22.6
3.0
30.3
3.1
2007
16 x 16 22.4
3.0
30.7
3.5
2008 16 x 16 19.0 2.45 26.4 2.8
2009 16 x 16 18.3 2.5 24.6 2.8
2010 16 x 16 22.2 3.0 32 3.0
2011 16 x 16 30.8 3.3 41.3 3.4

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