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Waldreservate: wo die Natur den Wald "bewirtschaftet"

Waldreservate am Doubs

Nach Norden und Nordwesten exponierter Hang des Tariche Haute Côte im Nebel.
Foto: Markus Bolliger

 
Waldreservat am Doubs
Umgestürzte Buchen im Bois Banal. Die Tannen in der Unterschicht bekommen eine Chance, aufzuwachsen.
Foto: Peter Brang
 
Fiederbltättrige Zahnwurz

Die Fiederblättrige Zahnwurz liebt kalkhaltige Böden und gibt dem Zahnwurz-Buchenwald ihren Namen.
Foto: Markus Bolliger

Der Schweizer Wald wird seit Jahrhunderten intensiv genutzt. Doch immer mehr Wälder werden als Reservate geschützt. Hier entstehen wieder Naturwälder, in denen kein Holz genutzt wird und keine Pflegemassnahmen stattfinden. Zwei dieser Wälder liegen im Tal des Doubs bei St-Ursanne im Schweizer Jura. Die beiden urtümlichen Buchenwälder befinden sich an unterschiedlich stark besonnten Hängen. Ihre Zusammensetzung der Baum- und Pflanzenarten unterscheidet sich daher leicht.

Der Bund unterstützt seit 1991 die Schaffung von Naturwaldreservaten. Diese Flächen sollen im Laufe von Jahrzehnten wieder Urwäldern ähnlich werden. Hinzu kommen weitere Wälder mit strengem Schutz. Gegenwärtig umfasst die Fläche der vertraglich gesicherten Waldreservate über 44'000 ha, was rund 4 % der Schweizer Waldfläche entspricht.

Die beiden Buchenwälder im Clos du Doubs gehören zu einem Netz von 54 Naturwaldreservaten, in denen die Waldentwicklung seit Jahrzehnten erforscht wird. Hier suchen Wissenschaftler Antworten auf drängende Fragen: Wie entwickelt sich der Wald in diesen Reservaten? Gibt es tatsächlich Unterschiede zu bewirtschafteten Wäldern? Und worin bestehen diese?

Für die Forschenden der ETH Zürich und der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL sind die Naturwaldreservate einzigartige Freilandlaboratorien. Die bisherigen Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass sich Buchen auf Kosten anderer Baumarten langsam ausbreiten. Zudem sammeln sich rasch grosse Holzmengen von abgestorbenen Bäumen an. In diesem so genannten Totholz wimmelt es nur so von Leben, ein optimales Substrat für tausende von Insekten-, Pilz- und Bakterienarten. Es wird viele Jahrzehnte dauern, bis in einem vormals genutzten Wald wieder Baumriesen herangewachsen sind.

Langjährige Forschung notwendig

Wälder, die über Jahrhunderte bewirtschaftet wurden, brauchen lange, bis sie wieder einen urwaldähnlichen Charakter entwickeln. Das gilt auch für die Waldreservate Tariche Bois Banal und Tariche Haute Côte links und rechts des Wanderwegs entlang des Doubs, fünf Kilometer südwestlich von St-Ursanne.

Im etwas schattigeren, feuchteren Wald südlich des Flusses (Haute Côte) fallen dem aufmerksamen Wanderer im Frühjahr vor allem die Fiederblättrige Zahnwurz und die zahlreichen jungen Weisstannen auf. Im besser besonnten, etwas trockeneren Wald nördlich des Doubs (Tariche Bois Banal) hingegen wachsen nicht nur deutlich mehr Buchen als auf der gegenüberliegenden Talseite, sondern auch mehr Linden, Hagebuchen, Ulmen, Eschen und Eiben. Ein Besuch lohnt sich besonders im Frühjahr, wenn die Bäume austreiben und die Frühlingspflanzen blühen. Die Vielfalt beider Wälder ist beeindruckend.

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WSL

Im Hinblick auf das UNO-Jahr des Waldes haben Schweizer Wanderwege zusammen mit der WSL zehn Wald-Wanderungen ausgewählt.

wandern.ch

 

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