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Köhlerplätze im Val Morobbia

Koehlermeiler D
Einer von 40'000: Köhlermeiler im Südschweizer Wald (Nachbau).
 
Köhlerplatz 1
Köhlerplatz 2
Typisch für Köhlerplätze ist der absolut ebene Boden und evtl. ein Mäuerchen.
 
Alta Valle Morobbia: 347 piazze identificate
Im oberen Morobbiatal sind 347 Köhlerplätze verzeichnet
Fotos und Grafiken: WSL

In den rund hundert Jahren vor der Verabschiedung des Eidgenössischen Forstgesetzes 1876 wurde ein grosser Teil des Tessiner Waldes zu Holzkohle verarbeitet. In dem heute wieder bewaldeten Gelände des Morobbiatals finden aufmerksame Wanderer noch Spuren der Köhler.

Holzkohle wurde seit dem späten Mittelalter über Jahrhunderte nachhaltig gewonnen: Die Menschen verarbeiten nur das Holz, das für keine anderen Zwecke zu gebrauchen war, zu Holzkohle. Damit befeuerten sie vor allem Eisenhütten (Maglio) und Schmieden, von denen man auch im Val Morobbia noch Ruinen findet. Im 16. Jahrhundert begannen sie, die Kohle in die Lomabardei zu exportieren. Die Nachfrage aus dem Nachbarland nahm im Zuge der Industrialisierung stark zu. Neue Wasserwege machten den Tansport aus entlegenen Tälern lohnenswert. Dies führte zu einer starken Abholzung. Erst die Verabschiedung des Eidgenössichen Forstgesetzes 1876 bremste diese Entwicklung. Die Eröffnung des Gotthard-Bahntunnels erlaubte der Lombardei ab 1882, Braunkohle aus Deutschland zu importieren - danach war die Holzkohle nicht mehr gefragt.

WSL-Inventar der Köhlerplätze

WSL-Mitarbeitende haben die Köhlerplätze der Südschweiz auf sechs Stichprobenflächen systematisch kartographiert. Aufgrund ihrer Zählungen schätzt die Eidg. Forschungsanstalt, dass es im Tessin und im Moesatal gegen 40'000 dieser Plätze gab. Die Köhler lebten im Wald, denn sie mussten den Betrieb ihres Meilers ständig im Auge halten. Oft übernahmen die Frauen den Transport der Holzkohle ins Tal.

Was ist heute noch zu sehen?

Der Wald am Alpensüdhang hat sich dank Aufforstungen gut erholt, die weitgehende Aufgabe der Alpwirtschaft hat ihm zusätzlich Auftrieb gegeben. Während er 1870  wenig mehr als 15% der Südschweiz bedeckte, sind es heute rund 50%, Tendenz steigend. Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, findet die Spuren der Köhler im Wald. Im Gebiet dieser Wanderung sind 347 ihrer Plätze erfasst, verteilt auf 6.1 km2 . Der erste Hinweis auf einen Köhlerplatz ist die ovale Fläche von 7 bis 14 m Breite, unten aufgeschüttet, oben abgegraben. Unter dem Laub oder der Streu findet man oft noch Holzkohlestückchen. Die Erde ist schwarz oder zumindest viel dunkler als jene der Umgebung. Für eine genaue Identifikation hilft die Anleitung weiter.

Lohnende Abstecher

Ein Teil der Waldwanderung führt über die "Via del Ferro". Ihr entlang finden sich die Überreste einer Eisenhütte sowie einer Hammerschmiede. Auch findet sich rund 1 km nach dem Maglio di Carena der Nachbau eines Köhlermeilers. Über diesen Weg gelangt man in die Val Cavargna und schussendlich nach Porlezza am Luganersee. Die gesamte Strecke lässt sich in zwei Tagen bewältigen.

Links


WSL

Im Hinblick auf das UNO-Jahr des Waldes haben Schweizer Wanderwege zusammen mit der WSL zehn Wald-Wanderungen ausgewählt.

wandern.ch

 

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