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Alpenpflanzen im Tössbergland

Bei Goldigen SG

Blick vom Tössbergland in Richtung Glarner Alpen.

 
Silberdistel
Die in den Alpen heimische Silberdistel...

Photo: Rolf Holderegger
 
Weisszunge
...und die Weisszunge kommen im Tössbergland vor.

Photo: Reinhard Lässig

In den Hochlagen des Tössberglands kommen zahlreiche Pflanzenarten vor, die man auch aus entlegenen Alpentälern kennt. Vor gut 100 Jahren waren es sogar noch mehr als heute, denn 16 Prozent der Alpenpflanzen im Tösstal sind unterdessen ausgestorben. Dies liegt am Wandel der Landschaft und ihrer Nutzung. Forscher der Eidg. Forschungsanstalt WSL haben untersucht, wie sich die Flora im Tössbergland verändert hat, indem sie historische Daten mit neuen Aufnahmen verglichen.

Wer im oberen Tösstal unterwegs ist, trifft gelegentlich auf Pflanzen wie den Frühlingskrokus, die Alpenrose oder den Frühlingsenzian, die vor allem im Alpenraum verbreitet sind. Alpenpflanzen im Grenzbereich der Kantone Zürich, St. Gallen und Thurgau? Die beiden Schweizer Botaniker Gustav Hegi und Heinrich Kägi gingen diesen Alpenpflanzen, die hier weit ins Mittelland vordringen, schon vor rund 100 Jahren nach. Ein Jahrhundert später haben John H. Spillmann (Universität Zürich) und Rolf Holderegger (WSL) für 100 dieser Arten untersucht, wo diese heute noch vorkommen und wie sich der Wandel der Landnutzung auf ihre Vorkommen auswirkte (siehe Link zum Bristol-Band).

Landnutzung hat seltene Arten verdrängt

Die Wissenschafter stellten fest, dass von den 100 im Tössbergland untersuchten Pflanzenarten 16 ganz ausgestorben sind. Und zahlreiche der verbliebenen Arten kommen an immer weniger Orten und in geringerer Zahl vor. Besonders stark zurückgegangen sind Pflanzen wie die Mondraute und die beiden Orchideenarten Grüne Hohlzunge und Weisszunge, die lichtbedürftig und auf nährstoffarme Standorte angewiesen sind. Überrascht waren die Forscher, dass sie zahlreiche Alpenpflanzen sogar an neuen Standorten fanden. Die wichtigsten Gründe für den Rückgang der Alpenpflanzen im Tössbergland sind die immer selteneren lichten Wälder, die Aufgabe der traditionellen Landwirtschaft und die intensivere Nutzung und Düngung der Bergweiden und -wiesen im 20. Jahrhundert.

Landschaften und Lebensräume verändern sich

Die beiden Botaniker zeigen in Ihrer Studie, dass sich die Landschaft des Tössberglands unter der menschlichen Nutzung schon immer verändert hat. Dies liegt vor allem daran, dass die Bauern schon früh die relativ flachen Bergkuppen urbar machten und dort Getreide anpflanzten. Aufgrund von Nutzungsänderungen haben sich seitdem nicht nur einzelne Lebensräume verändert, sondern die gesamte Landschaft. Die Forscher empfehlen, in dieser Region vermehrt die natürliche Landschaftsdynamik zuzulassen, Bergweiden weniger zu düngen und die Viehbestände zu reduzieren, um die Alpenpflanzen zu erhalten oder zu fördern.

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Im Hinblick auf das UNO-Jahr des Waldes haben Schweizer Wanderwege zusammen mit der WSL zehn Wald-Wanderungen ausgewählt.

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