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Projektdauer: 2009 - 2011

Der Kleine Rohrkolben - Genetische Grundlagen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung in revitalisierten Flussauen

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  Rohboden und ein ruhiger Seitenarm des Rheins bei Castrisch: Geeigneter Lebensraum für den Kleinen Rohrkolben. In der Bildmitte wächst ein einzelner Rohrkolben-Trieb, im Hintergrund eine ganze Population
Foto: Daniela Csencsics (WSL)
 
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 Verbreitung des Kleinen Rohrkolbens in der Schweiz. Graue Dreiecke: Erloschene Fundorte (auf Grund von Herbarbelegen oder Literaturhinweisen); grüne Kreise: aktuelle ursprüngliche Vorkommen; blaue Quadrate: Wiederansiedlungen (Quelle: ZDSF/CRSF 2007, www.zdsf.ch/www.crsf.ch).


Natürliche Flussauenlandschaften, also die von Hoch- und Niedrigwasser geprägten Gebiete entlang von Fliessgewässern, gehören heute weltweit zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen. Damit verbunden ist ein rascher Rückgang der an diesen Lebensraum angepassten Tier- und Pflanzenarten.
Auch in der Schweiz ist die Situation alarmierend. Zahlreiche Fliessgewässer wurden durch flussbauliche Massnahmen stark eingeschränkt, etwa aus Gründen des Hochwasserschutzes und zur Gewinnung von landwirtschaftlicher Nutzfläche. Dank der Auenverordnung werden heute die wichtigsten noch vorhandenen Auen in der Schweiz geschützt. Neben der Erhaltung und Förderung der auentypischen einheimischen Pflanzen- und Tierwelt soll auch die natürliche Dynamik des Gewässer- und Geschiebehaushalts erhalten oder wo möglich wiederhergestellt werden. Zum Erreichen dieser Ziele werden oft Zielarten definiert. Zielarten sind gefährdete Arten (gemäss Roter Liste), für deren Erhaltung die Auengebiete und/oder die Schweiz eine besondere Verantwortung tragen. Das Schutzziel ist die Erhaltung und Förderung der Art selbst, wodurch indirekt auch der Schutz der natürlichen Auen und ihrer Dynamik nötig ist. Kommt eine Zielart in einem Gebiet nicht mehr vor, kann man versuchen, sie aktiv anzusiedeln. Dafür werden grundlegende Kenntnisse zur Biologie, Ökologie, Genetik, Verbreitung und Gefährdung der Zielart benötigt.

Eine typische, bedrohte Auenpflanzenart, der Kleine Rohrkolben, wurde in der Schweiz in verschiedenen Kantonen versuchsweise wieder angesiedelt. Es ist allerdings aus verschiedenen Gründen nicht klar, ob diese Populationen auf längere Sicht überlebensfähig sind und sich eigenständig erhalten können. Die angesiedelten Pflanzen wachsen teilweise an Orten, die keine Flussdynamik aufweisen oder stammen aus relativ kleinen, isolierten Beständen. Es ist für das langfristige Überleben jedoch wichtig, dass für Wiederansiedlungen Material verwendet wird, das nicht genetisch verarmt und lokal angepasst ist. Dieses Projekt untersucht daher die folgenden naturschützerisch wichtigen Fragen in Zusammenarbeit mit der Praxis und formuliert anschliessend konkrete Handlungsempfehlungen.

  • Wo sollen Pflanzen für Wiederansiedlungen gesammelt werden?
  • Haben kleine, isolierte Populationen eine verminderte Fitness?
  • Welche Rolle spielt klonales Wachstum?

Weitere Informationen: Merkblatt_43_2008.pdf


Stichworte Typha minima, Kleiner Rohrkolben, Zwergrohrkolben, Praxis, Naturschutz, Wiederansiedlung, Genetik, Flussauen