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Projektdauer: 2005 - 2008

Physikalischer Bodenschutz im Wald

Problemstellung

starke Bodenbeeinträchtigung
Starke Beeinträchtigung des Bodens durch Holzernte.
Foto: Jean-Pierre Clément (BAFU)
 
starke Bodenbeeinträchtigung
Die kleinflächig wechselnden Bodenverhältnisse führen zu verschieden ausgeprägten Fahrspuren.
Foto: Bodenwissenschaften (WSL)

Das Befahren von natürlich gelagerten Waldböden mit Forstmaschinen verursacht auf einem Grossteil der im Schweizer Wald vorkommenden Böden im Bereich der Fahrspuren tief greifende und lang anhaltende Bodenveränderungen, die wichtige Bodenfunktionen beeinträchtigen. Eingeschränkte Porenvolumina und Porenvernetzung verringern die Transportleistung des Bodens für Wasser und Luft. Die Versorgung der Wurzeln mit Wasser und Luft ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Bodenfruchtbarkeit.

Durch den technischen Fortschritt gelangen bei der mechanisierten Waldarbeit immer grössere und schwerere Maschinen zum Einsatz. Die erste Überfahrt verursacht nicht nur im Oberboden sichtbare Verdichtungen und Verformungen, sondern die hohen Maschinengewichte und dynamischen Belastungsspitzen wirken sich auch bis in grössere Bodentiefen aus. Damit werden nicht nur im Keimbeet die Voraussetzungen für die Naturverjüngung drastisch vermindert, sondern das ungestörte Wurzelwachstum im gesamten Wurzelraum wird beeinträchtigt.

Zielsetzung

Zwischen den Bestrebungen nach effizienter Holznutzung und der Umsetzung von gesetzlich verankerten Vorgaben bezüglich Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit (Umweltschutzgesetz, USG 1983 und Verordnung über Belastungen des Bodens, VBBo 1998) ist ein zweckmässiges Vorgehen zu finden. Es sind einheitliche Entscheidungshilfen für die schonende Befahrung von Waldböden und für die Feinerschliessung von Waldbeständen zu erarbeiten.

Die Befahrungsrichtlinien und Regeln für den Technikeinsatz sind standortsspezifisch aufzubauen. Zusätzlich sind der Einsatz von modernen Hilfsmitteln sowie Kosten-Nutzenüberlegungen und die Möglichkeiten anreizgebender Organisationsformen zu prüfen. Es sind Vorsorgestrategien auf der Planungs- und Ausführungsebene zu entwickeln. Zudem werden mittelfristig Empfehlungen zur Förderung von Regenerationsmassnahmen erarbeitet.

Erwartete Resultate

Es sind Spurtypen zu definieren, die im Einklang mit Richt- und Prüfwerten (VBBo, 1998) stehen und dadurch das Ausmass der Beeinträchtigung bzw. Schädigung zum Ausdruck bringen. Diese Werte betreffen die effektive Lagerungsdichte des Bodens, das Grobporenvolumen, die gesättigte Wasserleitfähigkeit sowie den Eindringwiderstand (BGS, 2004). Es zeigt sich, dass die erkennbaren „Spuren“ an der Bodenoberfläche stets im Unterboden - z.T. mit den Augen kaum erkennbar - mit Daten eindeutig nachzuweisende Schädigungen hinterlassen.

Wenn man einige Grundsätze beachtet und bei erhöhtem standortsspezifischem Risiko rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden, ist eine Minimierung der Bodenschäden möglich. Vorsorge verlangt nebst Kenntnis von Bodeneigenschaften und Empfindlichkeiten auch ein Prozessverständnis, um die Zusammenhänge zwischen Beeinträchtigung und optimalem Technikeinsatz zu begreifen und in die Praxis umzusetzen. Bodenschutz beginnt mit der geeigneten Maschinenwahl (Gewicht, Anzahl Räder) und der entsprechenden Ausrüstung (Bereifung, Boogie-Bänder usw.). Der bodenschonende Maschineneinsatz erfordert ein sorgfältig geplantes Feinerschliessungssystem.

Je nach den Witterungsverhältnissen ist die Bodenfeuchte vor Ort als eine Grundlage für den Entscheid über einen möglichen Maschineneinsatz zu erheben. Je feuchter ein Boden ist, umso empfindlicher ist er bezüglich Belastung. Nach Möglichkeit sind deshalb Einsätze auf alternativen, weniger empfindliche Böden vorzusehen.

Moderne Standortskarten in den einzelnen Kantonen (mit Bodendaten von Leitprofilen) stellen vor allem bei Planungsarbeiten eine wichtige Grundlage dar. Damit ist eine standortsbezogene Risiko- und Empfindlichkeitsbeurteilung möglich. Die verschiedenen Hilfsmittel werden auf ihre Tauglichkeit bezüglich unserer Fragestellung in ausgewählten Testgebieten geprüft.
Für die spezifischen standörtlichen Voraussetzungen und die z.T. kleinparzellierten Besitzstrukturen in der Schweiz sind eigenständige Konzepte nötig, die sich jedoch eng an Bestehendes anlehnen. Eigenheiten sind u. a. das z.T. kleinflächige, heterogene Standortsmosaik, sowie der Wandel in der Waldbewirtschaftung und der Forstorganisation.

Kurse und Veranstaltungen

Nächste Kurse und Veranstaltungen zum Thema "Bodenschonende Holzernte":

  • 25.09.08 Kurs für Berufsschullehrer, WSL Birmensdorf, Ramerenwald
  • 09.04.08 sowie 01.10.08 Sitzungen mit der Begleitgruppe

Publikationen

  • Lüscher P., Thees O., Frutig F. und S. Sciacca. 2006. Physikalischer Bodenschutz im Wald als Teil der Arbeitsqualität. BGS-Bulletin 2006
  • Lüscher P., Thees O. und Frutig F. 2005. Physikalischer Bodenschutz im Wald ist kein Luxus. Zürcher Wald 6/2005 (PDF, 1 MB)

Link

Beteiligte Personen

  • Peter Lüscher (Projektleiter)
  • Oliver Thees
  • Fritz Frutig
  • Stéphane Sciacca (Übersetzungen)

Kontakt

Stichworte soil protection, forest soils, decision support, technology management