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Schneehydrologische Forschung in teilvergletscherten Einzugsgebieten

Der Alpenraum verändert sich ständig. Hautnah mitverfolgen kann man die Entstehung neuer Landschaften beim Rückzug der Gletscher. Da die Prozesse, welche derartige Veränderungen hervorrufen, vergleichsweise schnell ablaufen, sind Rückzugsflächen von Gletschern für die Forschung von grosser Bedeutung.

Wir untersuchen hydrologische Prozesse im Vorfeld des Dammagletschers im Kanton Uri im Rahmen zweier multidisziplinärer Forschungsprojekte über die Entstehung von Böden und Ökosystemen: BigLink und SoilTrec. Im Vordergrund steht für uns dabei die Kopplung zwischen klimatischen Faktoren, Schnee- und Eisschmelze auf der einen Seite, sowie Abfluss, Grundwasser und Bodenfeuchte auf der anderen Seite. Eine zentrale Frage ist, welche Konsequenzen die steigenden Temperaturen und die schmelzenden Gletscher mittelfristig auf den Wasserhaushalt haben werden (Abb. 1).

Dammagletscher

Abb. 1: Der Wasserhaushalt im Vorfeld des Dammagletschers im Kanton Uri wird von Schnee- und Gletscherschmelzprozessen dominiert. Das Wasser speist den Göschernalpsee, welcher für die Stromproduktion eingesetzt wird.

Schnee- und Eisschmelze im Gebirgsbach

Der Abfluss im Untersuchungsgebiet variiert im Verlauf der Saison stark (Abb. 2). Obwohl das Einzugsgebiet zu ca. 50% vergletschert ist, trägt die Schneeschmelze einen Grossteil zur Abflussbildung bei. Erst gegen August, wenn ein grösserer Teil der Gletscheroberfläche schneefrei geworden ist, dominiert Eisschmelze die Abflussdynamik. Unter den heutigen klimatischen Verhältnissen trägt Regen nur einen kleinen Teil zum Gesamtabfluss bei. Unsere Berechnungen zeigen jedoch, dass sich diese Abflussanteile unter den erwarteten Klimaveränderungen mittelfristig verschieben werden.

Abfluss    
Abb. 2: Der Abfluss im teilvergletscherten Untersuchungsgebiet variiert stark im Saisonverlauf (oben). Modellberechnungen zeigen, dass Schneeschmelze einen grossen Anteil zum Gesamtabfluss beisteuert. Erst später im Sommer dominiert Gletscherschmelzwasser den Abfluss (unten).    

Tageszeitliche Schwankungen ähnlich wie in Gezeitenzonen

Schneeschmelzprozesse
Abb. 3: Schneeschmelzprozesse weisen einen starken Tagesgang auf. Der Rückgang des Schnees zeigt ein treppenstufenähnliches Muster (oben). Die tagezeitlichen Schwankungen pflanzen sich fort und finden sich sowohl in der Bodenfeuchte (Mitte) wie auch im Abfluss (unten).

Aufgrund der meteorologischen Randbedingungen schmilzt Schnee und Eis vorwiegend tagsüber, so dass viele hydrologische Prozesse im Untersuchungsgebiet einen ausgesprochenen Tagesgang aufweisen. Die Schneehöhe zeigt während der Schneeschmelze beispielsweise einen treppenstufenähnlichen Rückgang (Abb. 3). Entsprechend finden wir auch deutliche tageszeitliche Muster in unseren Messdaten zur Bodenfeuchte und im Abfluss. Die Pegelschwankungen im Bach weisen ähnliche Charakteristika auf wie Flüsse in Küstenregionen, die von den Gezeiten beeinflusst werden. Deswegen konnten wir Grundwassermodelle, welche ursprünglich für Küstenregionen entwickelt wurden, erfolgreich für Anwendungen in unserem Untersuchungsgebiet anpassen.

Das Grundwasser beeinflusst die Entwicklung im Gletschervorfeld

Das Grundwasser im Gletschervorfeld transportiert chemische Stoffe, die bei der Verwitterung von Gestein entstehen. Diese Verwitterungsprodukte sind eine wichtige Randbedingung dafür, welche Pflanzen sich im entstehenden Oekosystem etablieren können. Deshalb hat die Bodenhydrologie einen entscheidenden Einfluss darauf, wie sich Landschaften in Rückzugsgebieten schmelzender Gletscher entwickeln. Allerdings weiss man bis jetzt noch relativ wenig über hydrologische Prozesse in hochalpiner Topografie. Mit unserer Forschung tragen wir zum besseren Verständnis gebirgshydrologischer Prozesse bei und entwickeln neue Methoden, mit denen derartige alpine Oekosysteme besser analysiert und modelliert werden können (Abb. 4).

Pegelschwankungen    
Abb. 4: Schnee- und Gletscherschmelze beeinflussen den Grundwasserpegel im Gletschervorfeld. Numerische Modelle erlauben, die Fortpflanzung der Pegelschwankungen vom Gebirgsbach in das Grundwasser zu modellieren.    

Weitere Informationen

Projektmitarbeitende

  • Florian Kobierska
  • Jan Magnusson
  • Tobias Jonas
  • Bruno Fritschi
  • Manfred Stähli

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