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Flachgründige Rutschungen und Hangmuren

Flühli
Flachgründige Rutschung in der Nähe von Flühli LU

Analyse von Unwetterereignissen

Bei Starkniederschlägen entstehen in den betroffenen Gebieten oft zahlreiche flachgründige Rutschungen und Hangmuren. Durch ihr plötzliches Auftreten, die limitierten Prognosemöglichkeiten und den oft raschen Materialabfluss stellen sie ein erhebliches Gefährdungspotential dar. Unwetter mit vielen flachgründigen Rutschungen bieten Gelegenheit, die Prozesskenntnisse und die Grundlagen hinsichtlich Gefahrenkartierung zu verbessern. In den betroffenen Regionen wird zu diesem Zweck jeweils ein Untersuchungsperimeter bestimmt. Innerhalb dieses Gebietes werden alle Rutschungen mit einem Volumen von mindestens 30 Kubikmetern dokumentiert mittels Erfassung von zahlreichen Parametern:

  • Ausmass der Rutschung
  • Topographie und Standortsverhältnisse
  • Vegetation und Nutzung
  • Rutschmechanismus und Ablauf der Hangmuren

Bislang wurden durch die WSL in folgenden Gebieten Erhebungen zu flachgründigen Rutschungen und Hangmuren durchgeführt:

  • Sachseln (Unwetter 1997)
  • Napfgebiet und Appenzell (Unwetter 2002)
  • Napfgebiet, Entlebuch und Prättigau (Unwetter 2005)
CAD-Zeichnung mit Ausgleich
CAD-Darstellung des Scherapparates

Quantifizierung von Vegetationswirkungen

Zum Schutz vor Erosion und flachgründigen Rutschungen kommen an steilen Hängen Pflanzen verbreitet zum Einsatz. Zur exakten Bewertung der Vegetationswirkungen bestehen jedoch immer noch erhebliche Wissenslücken. Deshalb wurde kürzlich ein neuer Scherapparat für die Prüfung von bepflanzten und unbepflanzten Böden entwickelt. Damit können grosse Bodenproben bis maximal 50 x 50 x 40 cm geprüft werden. Um die natürlichen Verhältnisse an Hängen optimal zu berücksichtigen, sind Scherversuche bei Neigungen bis 45° möglich. Durch die grossen Abmessungen der Prüfkörper werden einerseits präzisere Aussagen zum Beitrag der Pflanzen auf die Scherfestigkeit des Bodens möglich. Andererseits können mit dem Apparat auch grundlegende Fragen zur Extrapolation von Laborergebnissen auf natürliche Hänge bearbeitet werden.

Publikationen

  • Rickli, C.; Graf, F. (eds) 2009: Hillslope processes, eco-engineering and protective forests. For. Snow Landsc. Res. 82, 1: 1-106.
  • Rickli, C.; Raetzo, H.; McArdell, B.; Presler, J., 2008: Hanginstabilitäten. In: Bezzola, G.R.; Hegg, C. (eds) Ereignisanalyse Hochwasser 2005. Teil 2 - Analyse von Prozessen, Massnahmen und Gefahrengrundlagen. Bern, Bundesamt für Umwelt BAFU, Birmensdorf, Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, 97-116.
  • C. Rickli, S. Kamm und H.U. Bucher (2008): Ereignisanalyse Hochwasser 2005, Teilprojekt Flachgründige Rutschungen. Projektbericht zuhanden des Bundesamtes für Umwelt, BAFU. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, WSL. 112 S. (PDF)
  • Rickli, Ch. & Bucher, H., 2003: Oberflächennahe Rutschungen, ausgelöst durch die Unwetter vom 15.-16.7.2002 im Napfgebiet und vom 31.8.-1.9.2002 im Gebiet Appenzell - Projektbericht zuhanden des Bundesamtes für Wasser und Geologie BWG, 97 S.
  • Rickli, C., Zürcher, K., Frey, W., Lüscher, P., 2002: Wirkungen des Waldes auf oberflächennahe Rutschprozesse. Schweiz. Z. Forstwes. 153/11: 437-445.
  • Rickli, C. (Red.), 2001: Vegetationswirkungen und Rutschungen - Untersuchung zum Einfluss der Vegetation auf oberflächennahe Rutschprozesse anhand der Unwetterereignisse in Sachseln OW am 15. August 1997. Birmensdorf, Bern; Eidg. Forschungsanstalt WSL, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 97 S.

Beteiligte

  • Christian Rickli
  • Frank Graf

Konakt