Link zu WSL Hauptseite Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
 
Projektdauer: 1999 - 2001

Kunstschnee und Umwelt: Die künstliche Schneedecke unter der Lupe

Schneemessungen auf einer Kunstschneepiste
Schneemessungen auf einer Kunstschneepiste. Im Sommer wurden am gleichen Ort Vegetationsuntersuchungen durchgeführt.
 
Ausaperung
Eine Kunstschneepiste apert bis zu drei Wochen später aus als Naturschnee, was den Beginn des Pflanzenwachstums verzögert. Die Vegetationszusammensetzung ändert sich dadurch ebenfalls.

Was sind die Auswirkungen von Kunstschnee und Schneezusätzen auf die alpine Vegetation? Das SLF führte von 1999 bis 2001 ein dreijähriges Forschungsprojekt durch, dessen Ziel es war, die Eigenschaften der Kunstschneedecke sowie verschiedener Schneezusätze zu charakterisieren und ihre Wirkung auf Vegetation und Boden zu analysieren.

In den nächsten 25 bis 50 Jahren wird laut Klimaprognosen die Untergrenze für schneesichere Skigebiete von 1200 auf 1500 m ü. M. ansteigen. In der Folge dürfte die Zahl der Beschneiungsanlagen und der Einsatz chemischer Zusätze bei der Beschneiung weiter zunehmen. Landwirtschaft und Naturschutz befürchten Veränderungen der Produktivität und der Zusammensetzung der Vegetation. In unserer Studie untersuchen wir die Auswirkungen von Kunstschnee auf die Umwelt. In 12 Skigebieten haben wir die Eigenschaften von Schnee, Vegetation und Boden analysiert. Zusätzlich wurden Experimente auf Versuchsfeldern, im Gewächshaus und in Klimakammern durchgeführt.

Resultate

  • Die Schneedecke auf Kunstschneepisten war im Mittel 70 cm mächtiger und enthielt doppelt so viel Wasser wie diejenige auf Naturschneepisten. Das Kunstschnee-Schmelzwasser enthielt zudem viermal mehr Mineralien und Nährstoffe als natürliches Schmelzwasser. Als Folge davon nahmen auf Kunstschneepisten Zeigerarten für höhere Nährstoff- und Wasserversorgung zu. Verholzte Pflanzen, die empfindlich auf die mechanische Störung auf Skipisten reagieren, waren, geschützt durch die extra Schneeauflage, häufiger auf Kunstschnee- als auf Naturschneepisten.
  • Der Boden unter Naturschneepisten erreichte Tiefsttemperaturen von unter -10° C, da die relativ dünne und dichte Schneedecke schlecht isoliert und deshalb schnell auskühlt. Die Temperaturen unter Kunstschneepisten hingegen lagen, wie unter ungestörtem Schnee, bei ca. 0° C. Durch die niedrigen Bodentemperaturen nahmen auf Naturschneepisten Arten zu, die an solche Bedingungen angepasst sind, und zwar sogenannte Windheidearten (Arten hochalpiner Grate und Gipfel mit geringer Schneebedeckung).
  • Auf Kunstschneepisten blieb der Schnee zwei bis drei Wochen länger liegen als daneben. Der Beginn des Pflanzenwachstums war dadurch verzögert. Als Folge der langen Schneebedeckung kamen Pflanzen, die typischerweise an Orten mit sehr später Ausaperung wachsen (sogenannte Schneetälchenarten), auf Kunstschneepisten häufiger vor.
  • Grundsätzlich war auf allen Pisten, also sowohl auf Natur- als auch auf Kunstschneepisten, die Diversität an Arten und Produktivität im Vergleich zu ungestörten Kontrollflächen verringert.
  • In Tests zu Auswirkungen von Schneezusätzen auf alpine Pflanzen stellten wir schwache Veränderungen im Wachstum (bei Verwendung von Kristallisationskeimen), z.T. aber auch eine erhebliche Düngewirkung (durch Schneehärter) fest.

Eine Zusammenfassung zum Thema "Kunstschnee" ist als PDF-Datei erhältlich.

Beteiligte

  • Christian Rixen
  • Veronika Stöckli
  • Sonja Wipf
  • Christine Huovinen
  • Kai Huovinen
  • BAFU, Kantone Graubünden und Wallis (Finanzierung)
  • Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich

Kontakt

Stichworte SLF, Schnee, Lawine, Lawinen, Abteilung