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Projektdauer: 2002 - 2005

Alpscape: Simulationsmodell für die Raumentwicklung alpiner Regionen

Was passiert in einem Tourismusort, wenn sich das Klima ändert? Wie wirkt sich die nationale Agrarpolitik auf einen Lebensraum aus? Welchen langfristigen Effekt haben raumplanerische Massnahmen? Das Forschungsprojekt ALPSCAPE trägt zum besseren Verständnis der zukünftigen Entwicklung von alpinen Regionen bei.

1. Einführung

Alpine Regionen stellen bezüglich lokaler Ressourcen und sozioökonomischer Verhältnisse empfindliche, komplexe Systeme dar. Ein Entscheidungshilfeinstrument zur Beurteilung und Visualisierung potentieller zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten wäre aus diesem Grund sehr wertvoll.

Davos


Ziel des Projektes ALPSCAPE ist es, Zukunftsszenarien für Alpine Regionen zu entwickeln, um die Auswirkungen von politischen Entscheiden oder klimatischen Veränderungen auf die Alpine Region zu untersuchen. Mit Hilfe von ökonomischen-, Ressourcenfluss- und Landschaftsmodellen können die zukünftigen Veränderungen simuliert und bezüglich Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden. Die Modelle werden für die Landschaft Davos entwickelt, einem stark vom Wintertourismus beeinflussten Ort in den Schweizer Alpen. ALPSCAPE ist ein Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP48 ("Landschaften und Lebensräume der Alpen"), welches von 2002 bis 2005 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung der ETH Zürich, dem Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der HSG St. Gallen, dem Kanton Graubünden und der Landschaft Davos durchgeführt wurde.

2. Methoden

Für die Entwicklung der Zukunftsszenarien wurde das Wissen der lokalen Bevölkerung in Davos miteinbezogen. Mit Hilfe von verschiedenen numerischen Landnutzungs- und Ressourcenflussmodellen konnten die Einflüsse der beschriebenen Systemzusammenhänge- und zukünftigen Systemveränderungen in den Szenarien berechnet werden. 

2.1. Entwicklung von Zukunftsszenarien für die Landschaft Davos

In den Zukunftsszenarien wurde ein Zeitraum von 50 Jahren untersucht (2000 - 2050). Für die Landschaft Davos wurden Zukunftsszenarien für drei relevante Forschungsschwerpunkte entwickelt:

Szenarien
  • Agrarpolitik: Verminderung der öffentlichen Beiträge aufgrund einer
    zunehmenden Liberalisierung der Agrarmärkte
  • Klima und Tourismus: Einflüsse der Klimaveränderung
  • Durchführung von sportlichen Grossanlässen: sozioökonomische und
    ökologische Einflüsse auf die Region
2.2. Erarbeiten der Systemzusammenhänge im Untersuchungsgebiet mit Hilfe von lokalen Akteurgruppen

Die Szenarien basieren auf der Grundlage eines Wirkungsmodells, welches Wechselbeziehungen und Zusammenhänge der wichtigsten Elemente des Systems Davos aufzeigt. In Workshops wurden die Elemente von verschiedenen Akteurgruppen aus der Gemeinde Davos (allgemeine Bevölkerung, Baugewerbe, Gewerbe, Tourismusbranche, Jugend/Schule und Landwirtschaft) definiert und genau beschrieben.

Matrix
2.3. Numerische Modelle

Für die Berechnung der Zukunftsszenarien wurden verschiedene numerische Modelle entwickelt, welche auf zwei unterschiedlichen, aber stark in Wechselbeziehung stehenden Ansätzen beruhen und nicht automatisch miteinander verknüpft sind:

 
  • 2.3.1 Ein räumlich expliziter Ansatz, in dem relevante biophysikalische und sozioökonomische Faktoren in Form einer Landnutzungsmodellierung und der Berechnung von Umweltservices für zukünftige Entwicklungen abgebildet werden. Die beiden Modelle stützen sich auf historische Daten der vergangenen fünfzig Jahren, vorhandenes Systemwissen und Modelleingaben früherer Studien (MAB6) und anderen NFP48-Projekte (siehe Publikationen).
siedlungsentwicklung
Dissertation von Ariane Walz (2005): "Land use changes in Swiss mountain regions within the context of sustainable regional development"
 
Landschaftsveränderungen
Dissertation Adrienne Grêt-Regamey (2005) "Spatially explicit valuation of ecosystem services in the Alps as a support tool for regional decision makin
  • 2.3.2 Ein Ansatz mit Flussmodellen, in dem relevante Material- und Finanzflüsse innerhalb der Landschaft Davos sowie zwischen der Landschaft Davos und der übrigen Schweiz bestimmt und analysiert werden. Die Modelle stützen sich dabei auf eine Stoffflussanalyse und eine regionale ökonomische Input-Output-Tabelle (IOT). Die regionale IOT beschreibt direkte und indirekte Finanzflüsse zwischen verschiedenen Branchen und berechnet deren Bruttoproduktion und Wertschöpfung in Abhängigkeit der Nachfrage. Die Tabelle besteht aus einer Transaktionsmatrix, einer Matrix über das Gesamtaufkommen (Bruttoproduktion, Bruttowertschöpfung und Importe), sowie einer Matrix der Endverwendung (Touristischer Konsum, privater und öffentlicher Konsum, Subventionen, Bruttoanlageinvestitionen). Die IOT nimmt stark Bezug auf die regionale Wirtschaftsstruktur von Davos und eignet sich deshalb für die Wertschöpfungsanalyse im Zusammenhang mit zukünftigen Veränderungen gut. Sowohl die Stoffflussmodelle wie auch die IOT wurden anhand von Interviews, statistischen Daten und Literaturstudien für den Raum Davos entwickelt (s. Publikationen).
regionaler Kreislauf

3. Resultate (Kurzzusammenfassung)

Das System der Landschaft Davos ist im aktuellen Zustand stark abhängig von der touristischen Nachfrage und zeigt in verschiedener Sicht Entkoppelungen zwischen natürlicher Ressourcennutzung und dem Rest der Davoser Wirtschaft. Die prägenden Landschaftsveränderungen sind Siedlungs- und Waldzunahme. Beim Szenario „Abbau der Subventionen für die Landwirtschaft“ würde die Waldfläche um ca. 26% zunehmen. Die relativ geringen direkten ökonomischen Folgen (-2% Faktoreinkommen) müssen in Zusammenhang mit relativ grossen Veränderungen der Umweltleistungen und anderer Nachhaltigkeitsindikatoren beurteilt werden. Dazu gehört der Selbstversorgungsgrad für Nahrungsmittel, der abhängig von der Nachfrage nach regionalen Produkten von 27% auf 7% bzw. auf 0% sinkt. Beim Szenario „Klimaerwärmung“ wurde für Davos als einziges der betrachteten Langfristszenarien ein starker wirtschaftlicher Einbruch errechnet mit Einbussen von je 10% bei Faktoreinkommen und Beschäftigung. Dies gilt allerdings nur unter der Annahme, dass Davos bis ins Jahr 2050 nicht mehr schneesicher ist. Das Szenario „Sportlicher Grossanlass“ wirkt sich über einen Beobachtungszeitraum von 25 Jahren (inklusive Vorbereitungs- und Nachphase) nur wenig bzw. vor allem in einem Peak im Veranstaltungsjahr auf die Wirtschaft aus, wohingegen Auswirkungen auf die Umwelt beträchtlich sein könnten. Wie sich dieses Szenario auf die betrachteten Indikatoren auswirkt, hängt vor allem von der Imagewirkung in der Nachnutzung und vom sinnvollem Einsatz von Ressourcen bei notwendigen Investitionen ab. Der Vergleich von verschiedenen touristischen Entwicklungspfaden für die Landschaft Davos zeigt ausserdem ein grosses Potential durch eine saisonal ausgeglichenere Auslastung und eine schlechte Nachhaltigkeitsbilanz von weiteren Ferien- und Zweitwohnungen.

Durch das Projekt wurde aufgezeigt, wie mit einem integrativen, transdisziplinären Ansatz verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten einer Alpinen Region bewertet werden können. Damit kann das Modellsystem einen wichtigen Beitrag leisten zur frühzeitigen Steuerung der Lebensraumentwicklung im Sinn der Nachhaltigkeit und zum sinnvollen Einsatz von Ressourcen bei verschiedenen Planungsoptionen.

Ausführlicheres zu Methoden und  Resultaten im Alpscape Schlussbericht


Publikationen


Empfehlungen für die Landschaft Davos

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