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Schutzwirkung abgestorbener Bäume gegen Naturgefahren

Problemstellung

Der Gandberg bei Schwanden
Abb. 1 - In den Jahren 91 - 96 entstand am Gandberg bei Schwanden (Kt. Glarus) durch den Borkenkäfer eine grosse Schadenfläche. Auf Eingriffe oder Massnahmen wurde verzichtet. Der Bestand wurde der natürlichen Sukzession überlassen.
 
Stirzel am Gandberg
Abb. 2 - Rund 10 Jahre nach dem Absterben sind viele Bäume in einigen Metern Höhe bereits einmal abgebrochen. Diese so genannten Stirzel sind von entscheidender Bedeutung für die Schutzfunktion des verbleibenden Bestandes.

Gebirgswälder schützen den Lebensraum Alpen vor Naturgefahren. Die Fichte ist in vielen Gebirgswäldern die dominierende Baumart. Solche Fichtenwälder können jedoch durch Borkenkäfer (z.B. nach den Sturmereignissen Vivian 1990 oder Lothar 1999) grossflächig zum Absterben gebracht werden. Die Schutzwirkung dieser Wälder gegen Naturgefahren hängt von der Geschwindigkeit des Zerfalles des Altbestandes und dem Aufwachsen eines Folgebestandes ab.

Wie lange bieten aber solche Totholzbestände noch Schutz gegen Naturgefahren? Wie schnell nimmt die mechanische Stabilität der Stirzel (abgestorbene Bäume) ab? Brechen die Stirzel oberirdisch ab oder entwurzelt sich der ganze Stirzel bei entsprechender Belastung? Welche Pilzarten treten bei der Zersetzung des Holzes auf?

Zielsetzung

Das Projekt erarbeitet Grundlagen zur Beurteilung der Schutzwirkung von abgestorbenen (durch Borkenkäferbefall) Fichtengebirgswäldern gegen Naturgefahren. Die betrachteten Naturgefahren sind Lawinen (Modul 1), Steinschlag (Modul 2), Rutschungen und Erosion (Modul 3). Die Untersuchungen beschränken sich innerhalb des Totholzbestandes auf die oben beschriebenen Stirzel, welche das liegende Totholz am Abgleiten hindern und so direkt oder indirekt Naturgefahren verhindern.

Methodik

In vier Modulen wird mit Feld- und Laborexperimenten die Einwirkung der betrachteten Naturgefahr auf den Stirzel simuliert und der Einfluss der holzzersetzenden Fäuleerreger (Modul 4) dabei untersucht.

Bedeutung für die Praxis - Erwartete Ergebnisse

Als Folge des Sturmes Lothar sind in den letzten Jahren weitere Fichtenwälder durch den Borkenkäfer abgestorben. Während die Regeneration von Gebirgsfichtenwäldern an verschiedenen Orten untersucht wurde bzw. wird, ist über den Zerfall abgestorbener Altbestände und ihrer Schutzwirkung kaum etwas bekannt.

Obwohl das Projekt stark grundlagenorientierte Komponenten enthält und im Rahmen einer Dissertation bearbeitet wird, ist der Bezug zu wichtigen naturgefahren- und damit praxisrelevanten Fragen gegeben. Als Endprodukt werden Aussagen und Empfehlungen zu Handen der Forstpraxis in Bezug auf die Behandlung borkenkäfergeschädigter Bestände im Zusammenhang mit Naturgefahren erarbeitet.

Beteiligte

  • Martin Ammann (Dissertation)
  • Albert Böll
  • Frank Graf
  • Werner Gerber
  • Prof. Dr. O. Holdenrieder, ETH Zürich (wissenschaftliche Betreuung)
  • Prof. Dr. Th. Speck, Direktor Botanischer Garten Freiburg im Breisgau (wissenschaftliche Betreuung)
  • VELUX STIFTUNG (Finanzierung)
  • Kanton Glarus, Kantonsforstamt (Finanzierung)
  • Gemeinde Schwanden, Forstbetrieb (Finanzierung)

Kontakt

Stichworte WSL, Naturgefahren, Murgang, Murgänge, Geschiebe, Erdrutsch, Rutschungen, Erosion, Steinschlag, Hochwasser, Lawinen, Forstliche Hydrologie, Unwetter, Institut, Forschung, Schweiz, Birmensdorf, Zürich