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Projektdauer: 2001 - 2005

Wiederbewaldung und Schutzwirksamkeit von Windwurfflächen

Windwurf
Gegenhangaufnahme einer nicht geräumten Windwurffläche in Disentis GR.
 
Zugversuch
Zugversuch an einem seit 20 Jahren liegenden Stamm. Die fortschreitende Holzzersetzung vermindert den Lawinenschutz.

Im Februar 1990 wütete in der Schweiz der Sturm Vivian und zerstörte grosse Waldflächen, zum Teil auch im Schutzwald. Im Rahmenprojekt "Vivian" der WSL wurden Versuchsflächen eingerichtet, auf denen verschiedene Räumungs- und Wiederbewaldungsvarianten verglichen wurden. In der Folge wurden darauf Samenverbreitung, Vegetationsentwicklung, Baumverjüngung, Wildverbiss und Holzabbau untersucht (Schönenberger 2002). Darauf aufbauend konnten erste räumlich-zeitlich explizite Modelle zur Wiederbewaldung von Windwurfflächen entwickelt werden (Rammig et al. 2006, 2007a, 2007b).

Zwanzig Jahre nach Vivian wurden belassene Vivianflächen nochmals aufgesucht, um die Entwicklung der Schutzwirksamkeit auf belassenen Flächen nachzuvollziehen. Zugversuche an liegenden Stämmen haben gezeigt, dass die Stämme zwar erstaunlich lange eine gute Schutzwirksamkeit ausüben (Frey & Thee 2002), dass deren Stabilität in den letzten Jahren allerdings nochmals stark nachgelassen hat, so dass sie heute einem Extremereignis (30-60-jähriges Lawinenereignis) oft nicht mehr standhalten können (Putallaz 2010).

Wie Aufnahmen auf 26 Vivianflächen in potentiellen Lawinenanrissgebieten zeigen, weisen die meisten Flächen bereits mehr als 400 junge Stämme (> 1.30 m) pro Hektar auf. Dies reicht jedoch noch nicht für einen gesicherten Lawinenschutz (Fankhauser 2010). Auch die Moderholzverjüngung trägt zurzeit noch nicht zu einer verbesserten Schutzwirksamkeit bei, setzt aber jetzt ein und dürfte in 15-20 Jahren einen wichtigen Beitrag leisten (Netzer 2010).

Auf belassenen Windwurfflächen muss daher 20 Jahre nach dem Sturm mit einer vorübergehenden Phase gerechnet werden, in welcher der Lawinenschutz nicht zuverlässig gewährleistet ist. Es ist daher sinnvoll, das Liegenlassen von Holz nach einem Sturm an kritischen Stellen mit Aufforstungen zu kombinieren.

Referenzen

Fankhauser, M., 2010. Lawinenschutzwirksamkeit auf Vivian-Windwurfflächen. Stand der Verjüngung 20 Jahre nach dem Sturmereignis. Bachelor-Thesis am SLF und an der SHL. 47 S. PDF

Frey, W., Thee, P., 2002. Avalanche protection of windthrow areas: A ten year comparison of cleared and uncleared starting zones. For. Snow Landsc. Res. 77:89–107. PDF

Netzer, V., 2010. Langfristige Lawinenschutzwirksamkeit auf Windwurfflächen: Entwicklung der Verjüngung. Masterarbeit SLF Davos und ETH Zürich. PDF

Putallaz, J.M., 2010. Protection à long terme contre les avalanches sur les surfaces de chablis. Etude sur l’efficacité mécanique des arbres au sol. Travail de Master SLF Davos et ETH Zürich. 116 pp. PDF

Rammig, A., Fahse, L., Bebi, P. and H. Bugmann, 2006. Forest regeneration after disturbance: A modelling study for the Swiss Alps. Forest Ecology and Management. 222: 123-136. PDF

Rammig, A., Bebi, P., Fahse, L. and H. Bugmann, 2007a. Using a growth equation to model tree regeneration in Swiss mountain forests. European Journal of Forest Reseach 125:49-57. PDF

Rammig, A., Fahse, L., Bebi, P. and H. Bugmann, 2007b. Wind disturbance in mountain forests: Simulating the impactof management strategies, seed supply, and ungulate browsingon forest succession. Forest Ecology and Management. 242: 142-154. PDF

Schönenberger, W., 2002. Windthrow research after the 1990 storm Vivian in Switzerland: objectives, study sites, and projects. For. Snow Landsc. Res. 77, 1/2: 9–16. PDF

Beteiligte

Das Modellierungsprojekt wurde als Dissertation am SLF durch Dr. Anja Rammig (zurzeit Postdoc am Potsdam Institute for Climate Impact Research) und in Zusammenarbeit mit der Gruppe für Gebirgswaldökologie der ETH Zürich und der WSL durchgeführt. Es wurde finanziert durch das BAFU und das Programm Walddynamik der WSL. Die Wiederholungsaufnahmen zur Entwicklung der Schutzwirksamkeit auf Windwurfflächen wurden vom Programm Wald und Klima (WSL/ BAFU) finanziert.

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