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Themen

A) Pistenschnee

      Technischer Schnee

      Pistenpräparation

      Snow Farming

B) Ski-Schnee-Interaktion

      Gleiten

      Carven

C) Biomechanik des Schneesports

D) Evaluierung von Schneesportgeräten

A) PISTENSCHNEE

Technischer Schnee 

Technischer Schnee, umgangssprachlich Kunstschnee, hat während der letzen 20 Jahre enorm an Bedeutung gewonnen. Die im Wettbewerb stehenden Skigebietbetreiber sichern damit ihren Geschäftsbetrieb gegen Unsicherheiten des Wetters ab und erhöhen somit sowohl die Schneesichersicht als auch die Pistenqualität. Dadurch können Sie ihre Anlagen bereits im Frühwinter besser auslasten und der vorhandenen Nachfrage der Skitouristen gerecht werden. Des Weiteren wird die technische Beschneiung von den Skigebieten als die wichtigste Anpassungsstrategie auf die Klimaerwärmung betrachtet.

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Abb. 1: Feldtests mit Schneilanzen im Flüelatal, Davos.

In enger Zusammenarbeit mit der Industrie und universitären Partnern wurden in verschiedenen Projekten insbesondere die technisch-physikalischen Aspekte der Schneeproduktion untersucht. Zur Quantifizierung des Einflusses von internen (z.B. Wasserdruck, Druckluftmenge etc.) und externen Parametern (z.B. Luftfeuchtigkeit, Wassertemperatur etc.) auf die Schneeproduktion, konnten verschiedene wissenschaftliche Methoden sowie numerische Modelle entwickelt werden. Aktuelle Fragestellungen sind etwa die Grösse der Massenverluste beim Beschneien durch Verdunstung und Sublimation, die Machbarkeit energieeffizienter Schneisystemen oder die Wirksamkeit von Schneizusätzen.

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Abb. 2: Modelloutput Schneiwolkenmodell - die Abbildungen zeigen den Unterschied in der Massenverteilung in einer Schneiwolke bei unterschiedlichem Zerstäubungsdruck und Düsen. Die Wassermenge ist in beiden Fällen gleich gross. 


Über die technisch-physikalischen Aspekte hinaus wird die technische Beschneiung auch im sozioökonomischen und ökologischen Kontext betrachtet. Umweltverträglichkeit und Auswirkungen auf den Tourismus und damit verknüpfte regionalwirtschaftliche Branchen wurden von WSL-Forschern aus den Bereichen Gebirgsökosysteme sowie Wirtschafts- und Sozialsysteme durchgeführt.

Pistenpräparation

Skipisten sind im Breiten- und Rennsport eine wesentliche, wenn nicht entscheidende Grundlage für den Wintersport. Die Erstellung und Pflege erfordert einen grossen Einsatz an technischen Mitteln und ist mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. Unsere Ziele liegen in der Definition der Anforderungen an die Skipisten, sowie in der Optimierung und Weiterentwicklung der Präparations- und Pflegemethoden.

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Abb. 3.: Vergleich einer harten (li) und weichen (mitte) Piste mit den zugehörigen Kurvenverläufe einer Härtemessung (re).

Um die aktuellen Techniken und Methoden der Pistenpräparation zu optimieren, untersuchen wir die folgenden Themen:

  • Die physikalischen Eigenschaften des Schnees wie Metamorphose, Kohäsion und Sinterung, die bei der Pistenpräparation eine Hauptrolle spielen.
  • Der Einfluss der meteorologischen Verhältnisse auf die Schneeoberfläche.
  • Die Methoden zur Verhärtung des Schnees.

In enger Zusammenarbeit mit der Industrie, Skigebieten und mit der Forschungsgruppe Schneephysik werden viele Feld- und Labormessungen durchgeführt.

Eine unserer Aufgaben ist auch die Entwicklung von Messegeräten, mit deren Hilfe die Eigenschaften von Skipisten wie Dichte, Härte, Wassergehalt u.a. einfach bestimmt werden können.

Für die Analyse von Qualitätsveränderungen der Skipiste und der Optimierung bei Präparation und Pflege arbeiten wir eng mit der Forschungsgruppe Schneedecke und Mikrometeorologie zusammen. Ein Beispiel mit praktischem Nutzen ist die Möglichkeit, die Schneetemperatur an der Oberfläche einer Skipiste 24 Stunden vorher zu prognostizieren, was für den Pistendienst sehr hilfreich ist, um den Zeitpunkt der Pistenpräparation optimal zu bestimmen.


Wissenstransfer in die Praxis

Das Handbuch "Pistenpräparation und Pistenpflege - Handbuch für den Praktiker" liefert Informationen zu Schnee und Wetter, die für den Pistendienst wichtig sind. Es sind darin aber auch viele praktische Tipps zu finden, um die Präparation und Pflege der Skipisten mit den aktuellen Geräten und Maschinen ökonomisch und ökologisch zu optimieren. Das Handbuch ist in Deutsch, Französisch und Englisch erhältlich.

Snow Farming

Snow Farming ist ein Überbegriff für Schneemanagement und beinhaltet allgemein den Umgang mit Schnee. Dazu gehören Transport, Lagerung, Verarbeitung, Konservierung, Präparation und Pflege von Schneeanlagen, Schneedepots, usw.

Die Konservierung von Schnee über das Sommerhalbjahr wird immer häufiger von verschieden Wintersportdestinationen durchgeführt (z.B. Östersund, Ruhpolding, Davos, Sotschi), oft vor dem Hintergrund sportlicher Grossveranstaltung im Frühwinter. Der zu konservierende Schnee wird dabei meist technisch produziert, idealerweise während einer Kälteperiode im Hochwinter. Ein grosser Vorteil ist der nicht vorhandene Termindruck bei der Depotbeschneiung, welche in der Regel erst bei optimalen Wetterbedingungen durchgeführt wird. Schneevolumen von mehreren 1000 m3 können dann deutlich energieeffizienter produziert werden als im Grenztemperaturbereich von -2 bis -5°C. Demgegenüber steht der Aufwand und die Kosten für Abdeckung und der Verteilung des Schnees im Herbst.

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Abb. 4: li: Unterschiedlich abgedeckter Schneehaufen beim Feldversuch. re: Modellierung des Abschmelzens mit SNOWPACK.

Entscheidend für das Ausmass des Schneeverlusts während der Lagerung sind die mikroklimatischen Bedingungen des Lagerungsortes in Kombination mit der eingesetzten Abdeckungsmethode. Zudem spielt das Verhältnis von Schneeoberfläche zu Schneevolumen eine gewisse Rolle, welches mit zunehmender Haufengrösse abnimmt.

Anhand von Feld- und Laborversuchen und numerischen Simulationen des Abschmelzvorgangs konnten erste Erkenntnisse über Abdeckungsmethoden und den Einfluss der Wetterbedingungen gewonnen werden.

B) SKI-SCHNEE-INTERAKTION

Die Frage, ob sich ein Ski gut oder schlecht fährt und das Wissen welche Parameter der Skikonstruktion dafür verantwortlich sind, kann niemals pauschal beantwortet werden sondern muss immer situativ-individuell betrachtet werden. Entscheidend ist, dass die physikalischen Eigenschaften des Ski-Bindung Systems zum einen auf Können, Konstitution und Vorlieben des Fahrers abgestimmt sind und zum anderen den sehr variablen Schneeeigenschaften gerecht werden.

Das Zusammenspiel an der Schnittstelle Ski-Schnee (Ski-Schnee-Interaktion) war und ist Gegenstand verschiedener Forschungsprojekte der Gruppe Schneesport und Industrieprojekte am SLF. Die in Zusammenarbeit mit der Industrie durchgeführte und von der KTI (Kommission für Technik und Innovation) geförderte Projektarbeit versucht dabei anhand von Messungen und Simulationen die Prozesse beim Gleiten und Carven besser zu verstehen, um daraus Optimierungen des Materials abzuleiten. Konkret geht es beispielsweise um die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie wirken sich verschiedene Schneeeigenschaften (z.B. Temperatur, Dichte Korngröße) auf die Gleitfähigkeit eines Skis aus?
  • Wie wirken sich Skieigenschaften und Unterschiede der Präparation auf das Gleitergebnis aus (z.B. Skisteifigkeit, Wärmeleitfähigkeit der Skikonstruktion Belagspolymer, Belagstruktur, Wachsart und -methode)?
  • Inwiefern können empirische Zusammenhänge des Ski-Schnee-Gleitens durch mikroskopische Prozessparameter Wasserfilmdicke und Kontaktfläche erklärt werden?
  • Wie wirken sich beim Carven Schneehärte, Skikonstruktion (Steifigkeit und Geometrie), Körpergewicht und Aufkantwinkel auf die Druckverteilung entlang der Kante, den gefahren Kurvenradius sowie die Skiverformung aus?

Grundvoraussetzung für die Untersuchung des Zusammenspiels der beiden Komponenten Ski-Bindungs-System und Schnee ist die exakte Beschreibung der mechanischen, chemischen, morphologischen und thermischen Eigenschaften der Einzelkomponenten. Zu diesem Zweck sind verschiedene Prüfstände und Messgeräte zur Skivermessung und Schneecharakterisierung entwickelt, bzw. aus der Schnee- und Lawinenforschung, adaptiert worden.

Gleiten

Anhand einer Vielzahl von Gleittests bei genau erfassten Schnee- und Wetterbedingungen konnten in einem ersten Schritt empirische Zusammenhänge gefunden werden. So zeigte sich ein Optimum der Gleiteigenschaften bei einer Schneetemperatur von ca. -3°C.

Im weiteren wurden zur Untersuchung des Gleitens ein Eis- und Schneetribometer entwickelt anhand dessen Reibungskräfte - beispielsweise von verschiedenen Kunststoffen - unter einstellbaren Laborbedingungen (z.B. Schneetemperatur, Gleitgeschwindigkeit) gemessen werden können.

Experimentelle Untersuchungen zur Kontaktfläche zwischen Polyethylen und Schnee wurden mit Hilfe von hochauflösenden CT-Aufnahmen im SLF-Kältelabor realisiert. Es zeigte sich dabei, dass der Kontakt zwischen Ski und Schnee beim Gleiten nur an wenigen mikroskopisch kleinen Punkten auftritt (ca. 6% der Gesamtfläche). Diese so genannte wahre Kontaktfläche hängt allerdings stark von Schneehärte, -temperatur und dem Anpressdruck ab und vergrößert sich beim Gleiten aufgrund des fortlaufenden Abschmelzens der Kontaktpunkte an der Schneeoberfläche. Die Gleiteigenschaften verändern sich daher vom vorderen zum hinteren Teil der Lauffläche, insbesondere aufgrund der Zunahme der wichtigsten Prozessparameter Wasserfilmdicke und Kontaktfläche.

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Abb. 5: Wahre Kontaktfläche (li) zwischen einer flachen PE-Platte und verdichtetem Schnee (re) ermittelt anhand von Mikro-CT-Scans (Ausschnitt: 5 x 5 x 0.9 mm). Der Druck beträgt 40 kPa , die wahre Kontaktfläche beträgt nur 6.4% der Plattenfläche.

Aufbauend auf den experimentellen Erkenntnissen wurde zur Untersuchung des zwischen Skibelag und Schneeoberfläche entstehenden Wasserfilms ein Computermodell entwickelt, welches die wichtigsten physikalischen Prozesse der Ski-Schnee-Interaktion beim Gleiten numerisch beschreibt (trockene Reibung, Wärmeleitung, Phasenwechsel Eis - Wasser, Abscherung und Auspressung des Wasserfilms). Energiedissipation durch kapillare Anziehungskräfte und makroskopische Schneeverformung (Plowing Effekt) werden im Modell nicht berücksichtigt.

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Abb. 5: Wichtige Prozesse beim Gleiten auf Schnee.

Carven

Während die Prozesse des Gleitens insbesondere auf mikroskopischer Ebene stattfinden ist die Ski-Schnee-Interaktion beim Fahren geschnittener Schwünge (Carven) vor allem durch die makroskopischen Eigenschaften des Ski-Bindungs-Systems und des Schnees bestimmt. Der gefahrene Radius beim Carven ergibt sich aus der Seitengeometrie des Skis, dem Aufkantwinkel und aus der Durchbiegung des Skis, die sich wiederum aus den (vom Skifahrer) eingeleiteten Kräften und Momenten und dem Kraft-Verformungs-Verhalten der Skipiste ergibt.

Mit der Zielsetzung die (quasistatische) Wechselwirkung von Ski und Skipiste beim Carven am Computer zu simulieren wurden zunächst die vom Skifahrer eingeleiteten Kräfte und Momente (Randbedingung 1) sowie das Kraft-Verformungsverhalten von unterschiedlichen Skipisten in Abhängigkeit des Aufkantwinkels (Randbedingung 2) messtechnisch erfasst. Zusammen mit einer genauen Abbildung der Geometrie und des inneren Aufbaus des Skis am Computer konnte dann eine Finite-Element-Simulation programmiert werden. Anhand des Computermodells wurde gezeigt, dass die Pistenhärte sich auf den Kurvenradius auswirkt. Bei geringen Aufkantwinkel (< 40°) ergibt sich auf einer weichen Piste eine engerer Kurve als auf einer harten Piste - bei großen Aufkantwinkel (> 50°) verhält es sich umgekehrt.

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Abb. 6: FE-Simulation der Ski-Schnee Interaktion beim Carven (li). Laborprüfstand zur Messung der Kantendruckverteilung im aufgekanteten Zustand (re).


In Analogie zur Modellierung am Computer wurde im Weiteren ein Laborprüfstand entwickelt, der es ermöglicht die Kantendruckverteilung eines Skis bei verschiedenen Aufkantwinkeln und Pistenhärten zu messen. Der Ski wird dabei auf 15 linear bewegliche Kontaktzylinder entlang der Kante aufgedrückt. Die Kraft an den Kontakten wird gemessen; gemäß dem eingestellten Kraft-Verformungsverhalten der Skipiste und des gewählten Aufkantwinkels geben die einzelnen Kontaktpunkte nach bis sich eine konstante Durchbiegung des Skis einstellt, die der Durchbiegung während eines Carvingschwungs entspricht. Mithilfe des Prüfstands können somit Einflüsse von Konstruktionsparametern des Skis auf die Kantendruckverteilung beim Carven untersucht werden.


Um die gemessene Ski-Durchbiegung am Prüfstand und im Modell anhand der Realsituation auf der Piste zu validieren, wurde zudem ein Ski mit optischen Glasfasersensoren (Faser-Bragg-Gitter) ausgestattet, die die Messung der Biege- und Torsionsverformung ermöglichen. Der Einsatz moderner Glasfasersensorik ermöglicht den Einbau vieler Sensoren bei minimaler Verkabelung und mechanischer Rückwirkung auf die Skieigenschaften. Umfassende Untersuchungen bei verschiedenen Pisteneigenschaften stehen noch aus.

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Abb. 7: Messki, ausgestattet mit optischen Glasfasersensoren (FBG) zur Ermittlung der Skiverformung.

C) BIOMECHANIK DES SCHNEESPORTS

Der Athlet komplettiert die Ski-Schnee-Interaktion zum Gesamtsystem Schnee-Gleitsportgerät-Athlet. Die Erfassung, Analyse und Optimierung sportlicher Bewegungen war Inhalt verschiedener Forschungsprojekte, die in enger Zusammenarbeit mit Swiss Ski, Swiss Olympic und universitären Partnern aus dem Bereich der Sportwissenschaft durchgeführt wurden. 

Neben der Optimierung der Bewegungstechnik gilt der Fokus auch der Verletzungsproblematik im Skisport. Dabei wird die Frage nach dem Zusammenhang von Kinematik des Athleten, Umgebungsvariablen wie Geländetopographie und mechanischen Schnee- und Skieigenschaften gestellt.

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Abb. 8: Analyse der plantaren Fussdruckverteilung beim Durchfahren eines Riesenslalomkurses.

D) EVALUIERUNG VON SCHNEESPORTGERÄTEN

Bei der Evaluierung von Schneesportgeräten sollten sowohl objektive als auch subjektive Bewertungsmethoden eingesetzt werden. Zudem sollten die individuellen Eigenschaften des Sportlers sowie die zeitlich und räumlich wechselnden Schneebedingungen miteinbezogen werden.

Das SLF-Skilabor ermöglicht eine umfassende Charakterisierung der mechanischen Eigenschaften von Ski oder Snowboards. Die Entwicklung verschiedener, der Charakteristik des Schneesportgeräts angepassten, Testdesigns zur subjektiven Beurteilung der Fahreigenschaften werden in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftler vorangetrieben.

Des Weiteren werden Zusammnehänge zwischen dem subjektiven Fahrempfinden und denen im Labor messbaren physikalischen Skieigenschaften untersucht.

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Abb. 9: Prüfstand zur Messung der Biegesteifigkeit von Skiern oder Snowboards