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Wieviel Schnee sublimiert?

Neue Erkenntnisse dank Experimenten im Windkanal

Zusammenfassung
Wind

Eine ungelöste Frage in der Massenbilanz der Polargebiete und der alpinen Schneedecke ist, wie viel Schnee wieder in Form von Wasserdampf an die Atmosphäre zurückgegeben wird. Sowohl der Wasserhaushalt der Atmosphäre als auch die Entstehung und Erhaltung mächtiger Eisschilde und Gletscher hängen von dieser Verdunstung ab, die besonders intensiv während Schneeverfrachtungsperioden wirkt. Das SLF untersucht den Prozess mit Hilfe von Feldmessungen, Modellierungen und Experimenten im Windkanal. Ein Durchbruch wurde dabei zusammen mit japanischen Forschern erzielt, und der Effekt der Schneeverfrachtung auf die Verdunstung konnte erstmals quantitativ in einem Windkanalexperiment gezeigt werden. Dabei stellte sich heraus, dass der Einfluss der Schneeverfrachtung noch grösser ist, als bisher durch Modelle beschrieben. Insbesondere bei stark dendritischen (verästelten) Schneekristallen und hoher Sonneneinstrahlung wird sehr viel Verdunstung erzeugt. Erste Modellrechnungen ergeben, dass bereits bei mittleren Windgeschwindigkeiten (5 ms-1) und bei mittlerer relativer Feuchte (70 %) ca. 1 cm Schnee pro Tag verdunsten kann. Jetzt versuchen die Forscher, die Mechanismen der Verdunstung noch genauer zu verstehen und bessere Vorhersagen über die Rolle der Verdunstung insbesondere im Gebirge zu machen.

Experimenten im Windkanal; Sublimation von Schneeverfrachtung

In einem Windkanal wurden Experimenten durchgeführt, um Modelle zu validieren, welche die Sublimation von Schneeverfrachtung berechnen. Während den Versuchen bildet sich über der sinternden Schneedecke eine Luftschicht mit aufgewirbelten, hüpfenden Schneekörner (Saltationssschicht). Die Sublimation und den Schneetransport wurden in zwei vertikalen Profilen, die entlang der Strömung separiert sind, gemessen. Diese Messungen wurden mit einem einfachen, ein-dimensionalen Diffusionsmodell für Verfrachtung und Sublimation verglichen. Die Experimente zeigen eine Erhöhung der Luftfeuchte durch die Sublimation während der Schneeverfrachtung. Der gemessene Einfluss der Sublimation ist größer als modellierte Werte. Bei den Bedingungen des Windkanals ist die Teilchendichte der kontrollierende Faktor für die Sublimationsrate. In Experimenten mit zusätzlicher Energie durch Sonneneinstrahlung ist der Anstieg der Sublimierungsrate größer als der erwartete theoretische Wert. Die Experimente lassen vermuten, dass der Einfluss der unregelmäßigen Schneekristalle und der Sonneneinstrahlung deutlich grösser ist als wie in den meisten Schneeverfrachtungsmodellen beschrieben wird. Weitere Informationen finden Sie in Wever et al. (2009).

Pattern of snow sublimation    
Figure 1: Pattern of snow sublimation during drift over the Gaudergrat mountain ridge    

Wever, N., Lehning, M., Clifton, A., Rüedi, J.-D., Nishimura, K., Yamaguchi, S., Nemoto, M., Sato, A., 2009. Verification of moisture budgets during drifting snow conditions in a cold wind tunnel, Water Resources Res., 45, doi:10.1029/2008WR007522.

Entwicklung Lagranges Modell für die Beschreibung von Schneeverfrachtung und Sublimierung

Wir entwickeln ein Lagranges Modell um den Übergang von Saltation zur Suspension zu beschreiben. Damit können wir feinskalige Muster durch Erosion und Deposotion rekonstruieren. Diese Methode basiert auf einer Langevin Gleichung, welche teilweise berechnete Turbulenz berücksichtigt. Eine Neuigkeit ist die Verknüpfung der Gleichungen von Wärme- und Massenflüssen mit der Gleichung des Transports. Dies ermöglicht eine Berechnung der Sublimation von Schneeverfrachtung. Dank dieser Methode kann die heutige Schätzung der Sublimation von Schneeverfrachtung, die stark von der Teilchendichte abhängig ist, verbessert werden. Mit einem meteorologischen Modell (ARPS) und LES (large eddy simulation) Modelle wird der Einfluss der mittlere Strömung und Turbulenz auf die räumliche Schneeverteilung erforscht.

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