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Häufige Fragen - Antworten
- Lothar hat in der Schweiz doppelt so viel Holz geworfen wie der Stum "Vivian" vom Februar 1990. Was sind die Ursachen für das riesige Ausmass der Schäden?
Hauptursachen
dürften die ausserordentliche Windstärke und die Böenspitzen sein. Der Sturm
hat auf der Alpennordseite Bäume aller Baumarten und Altersklassen geworfen,
allerdings in lokal oder regional deutlich unterschiedlichem Ausmass. Diese
Unterschiede hängen einerseits mit der Höhe der Bäume und den vorhandenen
Baumarten zusammen, anderseits auch damit, dass die Böen in Bahnen mit
unterschiedlicher Stärke über die Schweiz brausten. Im Vergleich zu Stürmen vor
hundert Jahren sind die Schäden heute grösser, weil seither in der Schweiz
nicht nur die Waldfläche, sondern ganz besonders auch der Holzvorrat stark
zugenommen hat.
- Haben Luftverschmutzung und Bodenversauerung die Waldbäume geschwächt, so dass sie dem Sturm nicht genügend Widerstand leisten konnten, z. B. weil das Wurzelwerk kleiner geworden ist?
Windgeschwindigkeiten und
Böigkeit bei "Lothar" waren aussergewöhnlich hoch. Das lässt sich an
den vielen gebrochenen Stämmen ablesen. In Bezug auf entwurzelte Bäume ist die
Frage äusserst vielschichtig.
Das Wurzelwerk eines Baumes
ist das Ergebnis des Wurzelwachstums (Richtung und Geschwindigkeit), der
Bodeneigenschaften und des Witterungsablaufes. Alle diese drei Faktorenkomplexe
sind zeitlichen und örtlichen Veränderungen (Variabilitäten) unterworfen.
Baumarten bilden arttypische und individuell verschiedene Wurzelsysteme aus.
Diese sind auch altersabhängig und werden zudem stark von Eigenschaften der
Böden bestimmt bzw. abgewandelt. Eine Beeinflussung des Wurzelwerkes durch
Luftverschmutzung ist nicht auszuschliessen, doch liegen bislang keine
schlüssigen Nachweise vor. Hingegen wurde nachgewiesen, dass die Sturmschäden
auf sauren Böden grösser waren als auf basischen. Zwar wird der Säuregrad des
Bodens hauptsächlich vom Grundgestein bestimmt; es ist aber davon auszugehen,
dass die Bodenversauerung infolge Luftverschmutzung zu den Sturmschäden einen
gewissen Beitrag leistet.
- An vielen Orten sind Schutzwälder geschädigt oder zerstört worden. Besteht dort jetzt eine erhöhte Gefahr von Lawinen, Steinschlag oder Murgängen? Was muss man tun?
Problematisch ist belassenes
Windwurfholz in Bachgerinnen; dort besteht die Gefahr von Verklausungen und
Murgängen. In sehr steilen und schneereichen Gebirgslagen, wo das liegende Holz
schon fast von alleine in Bewegung gerät, ist die Gefahr von Lawinen aus
ungeräumten Flächen lokal gegeben. Wenn Menschenleben oder erhebliche Sachwerte
bedroht sind, muss an solchen Orten geräumt, verbaut (Lawinenverbau) und
gepflanzt werden. Derartige Flächen können mittels der
"Entscheidungshilfe" konkret bestimmt werden.
Sonst ist der Schutz vor
Lawinenanrissen in den beschädigten oder zerstörten Schutzwäldern in der Regel
gewährleistet, und zwar noch während mindestens zehn Jahren. Die gebrochenen
Bäume und die Wurzelteller wirken wie eine Verbauung; die Schutzfähigkeit ist
im Vergleich zum intakten Wald deshalb kaum vermindert. Sie geht erst im Laufe
der Jahre und Jahrzehnte zurück, wenn das Holz sich senkt und sich langsam
zersetzt. Nach 30 bis 50 Jahren muss der aufkommende Jungwald den Schutz
übernehmen. Dies ist insbesondere in höheren Lagen fraglich, weil dort die
Bäumchen sehr langsam wachsen. Gegen Steinschlag ist der Schutz auf nicht
geräumten Sturmflächen in den ersten Jahrzehnten sogar besser als im intakten
Wald.
- BAFU (2008): Entscheidungshilfe bei Sturmschäden im Wald. Vollzugshilfe
für die Wahl der Schadens-behandlung im Einzelbestand.
Sturmschaden-Handbuch 2008, Teil 3. Umwelt-Vollzug Nr. 0801. Bundesamt
für Umwelt, Bern. 132 S.
- Sollen die Waldbesitzer das Sturmholz räumen oder im Wald belassen?
Es gibt zu dieser Frage keine generelle
Antwort. Jede Windwurffläche muss einzeln und differenziert beurteilt werden.
Als Grundlage für den Entscheid dient die "Entscheidungshilfe" des BAFU.
Hauptkriterien für den Entscheid, ob man Sturmholz belassen oder räumen soll,
sind
- Schutz vor gefährlichen Naturereignissen
- Verhütung von Folgeschäden(z. B. durch Buchdrucker)
- Bewirtschaftung
- Naturschutz
- Gesellschaft
- Kosten/Gewinn
Dabei nehmen die beiden Kriterien
"Schutz vor gefährlichen Naturereignissen" und "Verhütung von
Waldschäden" eine Sonderstellung ein. Für diese Kriterien sieht das
Waldgesetz die Möglichkeit vor, eine Massnahme zu verfügen, beispielsweise das
Belassen oder das Räumen von Sturmholz. Der Waldeigentümer kann für diese
angeordneten Massnahmen vom Kanton eine Abgeltung erhalten (sofern es sich
nicht einfach nur um das Belassen von Windwurfholz handelt). Überall dort, wo sich keine Massnahmen im öffentlichen Interesse aufdrängen,
sieht das Waldgesetz keine Möglichkeit für öffentliche Beiträge vor (evtl.
Beiträge via Katastrophen-Artikel). In diesen Fällen ist der Bewirtschafter
frei im Entscheid, das Sturmholz zu belassen oder zu räumen. Dabei hilft ihm
die Entscheidungshilfe, sein Handeln fachlich abzustützen. Der ökonomische
Aspekt dürfte dabei sein Handeln wesentlich prägen: Ist das Holz gewinnbringend
abzusetzen, wird es geräumt, wäre die Räumung defizitär, unterbleibt sie.
- BAFU (2008): Entscheidungshilfe bei Sturmschäden im Wald. Vollzugshilfe
für die Wahl der Schadens-behandlung im Einzelbestand.
Sturmschaden-Handbuch 2008, Teil 3. Umwelt-Vollzug Nr. 0801. Bundesamt
für Umwelt, Bern. 132 S.
- Wie nach Vivian kam es auch nach Lothar zu einer Massenvermehrung des Buchdruckers und damit zu grossen Folgeschäden? Was kann man tun, um die Massenvermehrung zu verhindern oder zumindest das Schadenausmass zu begrenzen?
Drei Faktoren bestimmen den
Verlauf der Entwicklung von Borkenkäfern: Ausgangspopulation, Brutmaterial,
Witterung. Eine Massenvermehrung der Käfer wird erschwert auf Böden mit hohem
Wasserspeichervermögen. Zudem erschweren stufige Waldbestände und die Mischung
mit anderen Baumarten eine grossflächige Ausbreitung des Käferbefalls.
Die riesigen Mengen an geworfenem Fichtenholz führten nach den Stürmen
"Vivian" und "Lothar" wie erwartet zu Massenvermehrungen des
Buchdruckers. Betroffen waren insbesondere fichtenreiche Bestände. Die Käfer
vermehrten sich zuerst im liegenden Holz und gingen ein bis zwei Jahre später
auf stehende Fichten über. Zwischen 2000 und 2007 wurde annähernd gleich viel
stehendes Fichtenholz durch den Buchdrucker befallen, wie der Sturm
"Lothar" geworfen hatte. Dazu beigetragen haben vor allem Gebiete, in
denen das Sturm- und Käferholz nicht rechtzeitig aufgerüstet wurde, aber auch
der Hitzesommer 2003.
Empfohlene Massnahmen zur
Verminderung von Folgebefall nach Sturmschäden: Können attraktive oder bereits
durch Borkenkäfer besiedelte Nadelholz-Stämme rechtzeitig, noch vor Ausflug der
Käfer, entrindet oder aus dem Wald entfernt werden, so kann eine
Massenvermehrung eingedämmt, aber vielfach nicht verhindert werden. In sehr
grossen Schadengebieten ist eine termingerechte und vollständige Räumung meist
gar nicht möglich. Man wird Prioritäten setzen müssen. Grundsätzlich kann man
sich auf die Entscheidungshilfe bei Sturmschäden im Wald des BAFU stützen (Angst
2008). Die Borkenkäfergefahr ist lokal zu
beurteilen, Massnahmen sind aber regional zu treffen (zusammenhängende
Waldbestände, Täler). Entscheidet man sich für eine Räumung, sind folgende
Grundsätze zu beachten:
- Das Fichtenholz aller Sturmflächen muss rechtzeitig
(vor dem Ausflug der ersten Käfergeneration) und vollständig geräumt
werden.
- Ist dies nicht möglich, sollen zuerst Streuwürfe und
kleine Sturmflächen aufgearbeitet werden.
- Tritt bereits Stehendbefall auf, muss dieser prioritär
behandelt werden, insbesondere frisch entstehende Käfernester. Alte
Käfernester erlöschen oft bald unter der Einwirkung von natürlichen
Borkenkäferfeinden.
Die folgenden Publikationen beschreiben die Kriterien für eine
Prioritätensetzung:
- Besteht nach Sturmereignissen auch für den
krummzähnigen Weisstannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens) ein Risiko
für eine Massenvermehrung?
Aus der Literatur ist bekannt, dass
es vor allem auf nicht optimalen Tannenstandorten (südlichste Jurakette,
Föhntäler, flachgründige (Schotter-)Standorte im Mittelland und in der Ajoie)
immer wieder zum Massenbefall von stehenden Tannen durch den Krummzähnigen
Weisstannenborkenkäfer gekommen ist. Auch nach den Stürmen "Vivian" und
"Lothar" kam es zu Stehendbefall an Weisstannen, das Ausmass war aber
deutlich kleiner als bei Buchdruckerbefall an Fichten. Der Krummzähnige
Weisstannenborkenkäfer reagiert offenbar stärker auf Hitze- und Trockenperioden
als auf Sturmereignisse. Um einem Folgebefall
entgegenzuwirken, ist das vorbeugende Räumen von Brutmaterial eine geeignete
Massnahme. Die Entscheidungshilfe des BAFU kann auch auf die Weisstanne
übertragen werden.
Wenn bei der Käferbekämpfung
zwischen Tanne und Fichte Prioritäten gesetzt werden müssen, sind fichtenreiche
Schadengebiete zuerst zu räumen. Es ist möglich, dass in angrenzenden
Mischbeständen sowohl der Buchdrucker wie auch der Krummzähnige
Weisstannenborkenkäfer zum Stehendbefall übergehen, mit je zwei Baum- und
Käferarten sinkt jedoch dieses Risiko.
- Sollen in den Sturmschadengebieten Borkenkäferfallen gestellt werden?
Solange attraktives Holz die
Fallen konkurrenziert, ist der Einsatz von Lockstoff-Fallen zum Borkenkäferbekämpfung
nicht sinnvoll. Ein Einsatz zu Monitoring-Zwecken ist zwar möglich (nur für
Flugbeginn und Schwärmverlauf), doch auch hier empfehlen wir Zurückhaltung. Ist
das Sturmholz hingegen ausgetrocknet oder geräumt, können Fallen als
Bestandteil einer integrierten Bekämpfung in geräumten Käfernestern helfen, das
Risiko des Folgebefalls zu senken. Bei allzu hohem Befallsdruck mit weit verbreitetem
Stehendbefall wird dies aber nicht funktionieren.
- FORSTER, B., 1999: Borkenkäferfallen - wie weiter? Erfahrungen aus 15 Jahren Lockstoffeinsatz. Wald Holz 80, 5: 8-10.
- FORSTER, B.; WERMELINGER, B.; MEIER, F., 2000: Sturmschäden und Borkenkäfer. Die Situation nach "Lothar". Wald Holz 81, 2: 40-42
- Muss in geschädigten bzw. zerstörten Wäldern gepflanzt werden?
Pflanzung
kann im Gebirge dort nötig sein, wo der Schutzwald möglichst rasch wieder
aufkommen muss, vor allem in steilen und hohen Lagen und in Kombination mit temporärem
Lawinenverbau. Sonst kann man weitgehend auf Naturverjüngung bauen, die
meistens gut funktioniert. In tiefen Lagen stellt sich die natürliche
Verjüngung rascher ein als in hohen Lagen. Auch auf ausgedehnten
Totalschadenflächen kann die natürliche Wiederbewaldung lange dauern, sofern
nicht genügend Samenbäume in der Fläche überdauert haben, keine Verjüngung aus
den früheren Beständen vorhanden ist und auch wenn Brombeeren oder Adlerfarn
die Fläche rasch bedecken. Letztlich hängt die Frage der Pflanzung von den
Standortsbedingungen und der Zielsetzung ab. Die "Entscheidungshilfe bei
Sturmschäden im Wald" des BAFU bietet viele Argumente für den Entscheid
zwischen natürlicher Verjüngung und Pflanzung auf konkreten Windwurfflächen.
- BAFU (2008): Entscheidungshilfe bei Sturmschäden im Wald. Vollzugshilfe
für die Wahl der Schadens-behandlung im Einzelbestand.
Sturmschaden-Handbuch 2008, Teil 3. Umwelt-Vollzug Nr. 0801. Bundesamt
für Umwelt, Bern. 132 S.
- Lothar hat sowohl im Gebirge wie auch im Mittelland Wälder zerstört. Müssen diese Windwurfflächen unterschiedlich behandelt werden?
Grundsätzlich müssen Wälder und
Windwürfe höherer Lagen anders behandelt werden als solche im Mittelland. Im
Mittelland gedeiht eine grosse Zahl von Baumarten, darunter viele
Laubbaumarten, die sich i.d.R. problemlos natürlich verjüngen. Mit zunehmender
Meereshöhe ist das Baumartenspektrum eingeschränkt. In Hochlagen dominiert oft
von Natur aus die Fichte, die zur Verjüngung in einigen Waldgesellschaften auf Moderholz
angewiesen ist. Dort fördert es die Verjüngung langfristig, wenn ein Teil der
absterbenden und der bei Windwurf gebrochenen oder geworfenen Bäume liegen
bleibt.
Im Gebirge verlaufen die
Wiederbewaldung und das Wachstum viel langsamer als in Tieflagen. Zudem ist die
Waldbewirtschaftung im Gebirge viel aufwändiger und kostspieliger. Pflanzungen
und Pflege erfordern umso grössere Aufwände, je extremer die Umweltbedingungen
sind (Blockschutt etc.), und Misserfolge sind häufig.
In vielen Gebieten gibt es Probleme mit dem Wildverbiss an bevorzugten
Baumarten, doch wirkt sich dieser von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich aus.
Nach grossen Windwurfereignissen wächst das Äsungsangebot vorübergehend; eine
adäquate Jagd kann den Äsungsdruck verringern.
Im Gebirge hat der direkte Schutz
vor Naturgefahren auf manchen Flächen Priorität. Deshalb ist die
Wiederbewaldung im Gebirge oft im öffentlichen Interesse. In Wäldern mit
besonderer Schutzfunktion übt liegendes Holz im Zuge der Zersetzung
(Vermoderung) immer weniger Schutzwirkung aus, hingegen nimmt im Laufe der
Jahrzehnte die Schutzwirkung der aufwachsenden Baumgeneration zu. Zu beachten
ist der Tiefpunkt der Schutzwirkung: Falls zu befürchten ist, dass die
Wiederbewaldung zu langsam verläuft, muss die Schutzwirkung mit Pflanzungen
und/oder Verbauungen sichergestellt werden.
Im Gebirge ist die Fichte die häufigste und wichtigste
Baumart für alle Waldfunktionen, deshalb können die Gefährdung der Restbestände
durch den Buchdrucker viel höher (evtl. flächiger Totalbefall) und die
Auswirkungen von Folgeschäden viel gravierender sein als im Mittelland.
- Was bedeuten diese Waldschäden für die Natur?
Bei einem Sturm brechen viele
Waldbestände zusammen. Die meisten geworfenen oder gebrochenen Bäume sind tot,
der Unterwuchs zerschlagen. Einzelnen Lebewesen und Arten geht der Lebensraum
verloren, andere können jedoch profitieren.
Der Wald ist durch Windwurf in
seiner Existenz nicht gefährdet. Seit Lothar hat sich denn auch auf den meisten
Blössen Jungwuchs eingestellt. Sobald die aufwachsenden Holzgewächse in
seitlichen Schluss treten, ergibt sich im Unterwuchs bereits wieder ein
"Waldklima".
Auf belassenen und geräumten
Windwurfflächen entwickelt sich die Verjüngung unterschiedlich: nach einer
Räumung stellt sich eine Situation ein, die wir von den Kahlschlägen her
kennen. Lichtbedürftige Sträucher und kurzlebige Pionierbaumarten wie Weiden,
Birken und Vogelbeeren besiedeln die Windwürfe am schnellsten. Die Schlagflora
zeichnet sich durch Kräuter, Gräser und Hochstauden aus. In vielen
Fichtenreinbeständen des Mittellandes entstehen nach Freilegung
undurchdringliche Brombeergestrüppe. Sowohl Kahlschlagvegetation als auch
Brombeergestrüpp bieten dem Wild Einstände und Äsung. Auf Kahlflächen kennt man
z.B. viele typische Licht und Wärme liebende Laufkäferarten.
Ungeräumte Flächen haben sich in
den wenigen Fällen, in denen dies untersucht werden konnte, anders entwickelt.
Diese Flächen ähneln z.B. in ihrer Baumartenzusammensetzung dem Wald vor dem Sturm.
Viele Pilz- und Insektenarten profitieren vom liegenden Holz, in dem sie
Brutstätte und Nahrung finden. Sie beeinflussen die Qualität des Moderholzes,
so dass eine Abfolge von Lebensgemeinschaften vom frischen Holz bis zum
vollständigen Übergang in den Humuskörper des Bodens festgestellt werden kann.
Das Moderholz hat in Berg- und Gebirgswäldern auch bzgl. der natürlichen
Verjüngung vor allem der Fichte eine wichtige Aufgabe.
Windwürfe sind Teil des
Waldzyklus – sie bedeuten Verjüngung, Erneuerung, Regeneration. Durch Windwurf
steigt die Vielfalt an Strukturen, Pflanzen- und Tierarten vorübergehend an.
- Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Sturm "Lothar" und der Erwärmung des Klimas? Sind Stürme häufiger geworden?
Es wird angenommen, dass der Treibhauseffekt zu einem
erhöhten Energieeintrag in die globalen atmosphärischen Luftmassen führt.
Dadurch könnten Stürme an Intensität zunehmen. Langjährige Windmessreihen von
Zürich haben gezeigt, dass die Stürme der letzten Jahrzehnte höhere Böenspitzen
erreichten als zuvor. Mit Blick auf dieses Resultat ist davon auszugehen, dass
die Stärke der Winterstürme künftig im Mindesten nicht abnehmen wird.
- Wie soll aufgerüstetes Sturmholz gelagert werden? Ist eine längerfristige, Wert erhaltende Holzlagerung unter Kunststofffolie möglich (als Alternative zur Nasslagerung)?
A) Nasslagerung
Mit dieser bewährten Methode kann
unter ungünstigen Bedingungen ein stark Wert mindernder Holzabbau durch den
Hallimasch-Pilz erfolgen. Um das Risiko eines derartigen Holzabbaus zu
minimieren, sind folgende Empfehlungen zu befolgen:
- Geworfene Stämme möglichst unverzüglich auf das Nasslager
bringen
- Nur gesundes Holz (insbesondere ohne Hallimaschbefall) und
wertvolle Sortimente einlagern (Splintfäule wirkt sich bei geringen Durchmessern
relativ stärker aus)
- Holz entrinden (Hallimasch-Mycel entwickelt sich unter der
Rinde)
- Lagerplatz höher als 1000 m.ü.M. wählen (bei tieferen
Temperaturen geringeres Pilzwachstum)
Ausführlichere Angaben sind zu finden unter:
B) Holzlagerung unter Kunststofffolie
Dazu gibt es zwei Methoden:
- Vollständig luftdicht
verpacktes Holzlager in Rinde, inkl. Bodenfolie und mit verschweissten Nähten:
Hier wird der Sauerstoff durch Mikroorganismen rasch abgebaut. Insekten und
Fäulepilze haben keine Überlebenschance. Eine Wert erhaltende Lagerung ist für
Fichte bis 4, für Buche bis 1 Jahr möglich. Im Optimalfall (ohne Störungen) ist
der Qualitätsverlust des Holzes nur gering.
- Abdecken von
Nadelholz-Poltern mit Silofolie (ohne Bodenfolie): Das Holz bleibt feucht und
ist vor Insektenbefall geschützt. Eine Lagerung ist bis zu drei Jahren möglich.
Ab dem 2. Jahr treten einzelne Farbfehler und später Rotstreifigkeit auf. Das
Verfahren wird in den Kantonen Schaffhausen und Aargau für entrindetes Holz
seit einigen Jahren erfolgreich angewandt.
Was bei der Folienlagerung noch
fehlt, sind Erfahrungen aus Grossanwendungen, zum Beispiel nach Katastrophen.
Erste Praxiserfahrungen zeigen, dass eingepackte Holzpolter im Wald nicht
überall geeignet sind (optische Beeinträchtigung, Vandalismus, Zerstörung durch
Holztransporte, herunterfallende Äste, Sturm, Wasserlachen- und Eisbildung mit
nachfolgendem Einreissen der Folie). Hingegen eignet sich die Methode auf einem
zentralen Lagerplatz ausserhalb des Waldes ohne Publikumsverkehr, wo eine
regelmässige Kontrolle möglich ist. Der grösste Nachteil ist, dass das Ein- und
Auspacken der Stämme aufwändig ist und nicht beliebig Holz zu- und weggeführt
werden kann. Die Polter müssen "portionengerecht" (100-250 m3
pro Paket) bereitgestellt werden, dies braucht viel Platz. Gemäss Empfehlung
der EMPA ist ein beregnetes Nasslager der Folienlagerung im Normalfall
vorzuziehen (siehe nähere Angaben der EMPA).
- BAFU (2008): Entscheidungshilfe bei Sturmschäden im Wald. Vollzugshilfe
für die Wahl der Schadens-behandlung im Einzelbestand.
Sturmschaden-Handbuch 2008, Teil 3. Umwelt-Vollzug Nr. 0801. Bundesamt
für Umwelt, Bern. 132 S.
- FVA BADEN-WÜRTTEMBERG. Sauerstoffabschluss. Eine Alternative zur Nasslagerung? Teil I und
II. FVA Baden-Württemberg. Kopie 2 S.
- SCHWEIZERISCHE ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR FORSTSCHUTZ 2000.
Merkblätter Rundholzlagerung. Alternativen zur chemischen Behandlung von
Rundholzlagern im Wald gegen Holzschädlinge. Kopie 14 S.
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