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Forschung nach Vivian 1990 und Lothar 1999

Windwurffläche Rorwald (OW)

Windwurf-Fläche im Rorwald (OW)
Foto: Reinhard Lässig

Pilzgruppe auf der Sturmfläche in Diessenhofen

Pilzgruppe auf der Sturmfläche in Diessenhofen
Foto: Thomas Reich

Die Winterstürme Vivian (1990) und Lothar (1999) führten in den Wäldern der Schweiz zu grossflächigen Windwürfen. Vivian traf hauptsächlich die Gebirgswälder der nördlichen Voralpen, Lothar hatte den Schadenschwerpunkt im Mittelland und in den Voralpen.

Beide Stürme haben die Forschung an der WSL jahrelang beflügelt. In fast allen Regionen der Schweiz (mit Ausnahme des Juras) untersuchten Forschende aus über 10 Fachgebieten der WSL die Entwicklungen auf den Sturmflächen. Die Forschungsresultate haben zusammen mit den Erfahrungen der Forstpraxis und dem veränderten forstwirtschaftlichen Umfeld in mancher Hinsicht zu einer neuen Einstellung geführt (siehe Entscheidungshilfe für die Praxis und Online-Literatur). Die umfangreichen Forschungsergebnisse erreichten nicht nur das Fachpublikum sondern auch die lokale Bevölkerung.

Zusammenfassung wichtiger Resultate

  • Waldverjüngung
    • Im Gebirge kann die natürliche Wiederbewaldung Jahrzehnte dauern, während dies in den Wäldern des Mittellandes eine Frage von Jahren ist.
    • Für die natürliche Wiederbewaldung sind vor allem diejenigen Jungbäume wichtig, die bereits vor oder während der ersten Jahre nach dem Sturm gekeimt haben. Sie sind auf vielen Windwurfflächen, vor allem im Mittelland und in den Voralpen, in ausreichender Zahl vorhanden. Wo es beispielsweise wegen dichten Brombeer- oder Himbeerbewuchses an Jungbäumen mangelt, müssen sie gepflanzt werden. Dies gilt besonders für Schutzwälder, die sich nur langsam erholen. Wo Lawinenanriss oder andere Naturgefahren drohen, muss so schnell wie möglich wieder ein Jungwald aus langlebigen Baumarten heranwachsen, der den erforderlichen Schutz wieder erbringen kann.
  • Naturgefahren
    • Im Gebirge sind liegende Stämme schätzungsweise während bis zu dreissig Jahren nach dem Sturm ein wirksamer Schutz gegen Lawinenanriss und Steinschlag. Dies gilt auch für Fichtenwälder, die nach Borkenkäferbefall stehen gelassen werden.
  • Pflanzen und Tiere
    • Auf einer vom Sturm betroffenen Waldfläche steigt die Artenzahl von Pflanzen und Tieren in den ersten Jahren stark an. Am meisten Arten findet man, wenn geräumte und belassene Windwurfflächen nebeneinander vorkommen.
    • Ungeschützt liegendes Buchenholz ist schon nach wenigen Monaten von Pilzen befallen und wird rasch abgebaut.
    • Wird der Waldboden bei Räumungsarbeiten befahren, dann führt dies besonders auf empfindlichen Böden und bei ungünstiger Witterung zu Verdichtung mit gestörter Wassersickerung und stark eingeschränkter Durchlüftung. Die Wurzeln junger Bäume haben Mühe, verdichtete Böden zu durchdringen. Flächiges Befahren sollte deshalb vermieden werden.
    • Das Reh profitiert von der üppigen Vegetation auf Windwurfflächen. Vor allem im Sommer zieht es die Brombeere allen anderen Nahrungspflanzen deutlich vor. In den untersuchten Gebieten nutzte das Reh die geräumten Flächen zur Nahrungsaufnahme häufiger als die belassenen Flächen.