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Projektdauer: 2009 - 2014

Modellieren des Borkenkäfer-Risikos

Hintergrund

Befallene Fichten am Waldrand
Befallene Fichten am Waldrand
 
Typisches Brutbild des Buchdruckers
Typisches Brutbild des Buchdruckers
 
Buchdrucker (Ips typographus)
Buchdrucker (Ips typographus)
 
Fotos: Beat Wermelinger

Der laufende Klimawandel wird auch für unsere Wälder das abiotische und biotische Umfeld verändern. Höhere Temperaturen haben nicht nur ein schnelleres Wachstum der Vegetation, sondern auch der Insekten als mögliche Schaderreger zur Folge. Der wichtigste dieser Schädlinge in fichtendominierten Wäldern Mitteleuropas und Skandinaviens ist der Buchdrucker (Ips typographus). Sein Populationswachstum ist über einen grossen Bereich linear von der Temperatur abhängig.

Die prognostizierte Verschiebung der Niederschläge ins Winterhalbjahr wird im Sommer vermehrt zu Trockenstress der Wirtsbäume führen. Dies wird auch die Empfindlichkeit (Disposition) der Fichten auf Borkenkäferbefall erhöhen. Weiter werden möglicherweise die Frequenz und Intensität schwerer Stürme ansteigen. Grossflächige Windwürfe in Fichtenwäldern lösten schon bisher Buchdrucker-Gradationen aus.

Solche Massenvermehrungen dürften in Zukunft infolge der oben erwähnten Umstände noch häufiger werden. Dies ist für die Waldwirtschaft von grosser Bedeutung, stellt die Fichte als Wirtsbaum des Buchdruckers doch in der Schweiz die wichtigste Baumart dar. Sie macht im Mittelland nach LFI III 34 % des gesamten Holzvorrats aus, in den Voralpen und Alpen (häufig Schutzwälder) ist dies über die Hälfte.

Der Buchdrucker ist wegen seiner Bedeutung ein bereits vielfältig erforschter Organismus. Die wichtigsten Parameter seiner Biologie, Ökologie und Bekämpfung sind bekannt und in der Literatur verfügbar. Gerade im Management von Borkenkäfern werden aber die prognostizierten Klimaszenarien schon heute bestehende Unklarheiten akzentuieren und neue Fragestellungen schaffen.

Ziele Projekt 1

  • Statistisches Befallsmodell. Unter der Annahme, dass die Ausbreitung von Borkenkäfern in Schweizer Wäldern nicht rein zufällig erfolgt, werden die klimatischen, standörtlichen und waldbaulichen Einflüsse sowie Bekämpfungsmassnahmen mit statistischen Modellen auf ihre Relevanz geprüft, basierend auf schweizerischen Befallsdaten der letzten Jahrzehnte. Damit sollen diejenigen wichtigen Auslöser und Steuerfaktoren einer Massenvermehrung identifiziert werden, die eine verlässliche Aussage über die zukünftige Entwicklung zulassen.
  • Dynamisches Befallsmodell. Ein dynamisches Populationsmodell wird erarbeitet und mit den statistischen Befallsmodellen verknüpft mit dem Ziel, integrale Risikoanalysemodelle zu erstellen. Damit sollen sowohl regionale, unmittelbare Risiken als auch der längerfristige Einfluss von Massenvermehrungen auf die Waldentwicklung in der Schweiz unter verschiedenen Klima- und Bewirtschaftungsszenarien beurteilt werden können. Ausserdem kann damit abgeschätzt werden, ob die bisher störungsgetriebenen (z.B. Windwürfe) Borkenkäferausbrüche infolge der Klimaerwärmung zu einer reinen Temperaturabhängigkeit übergehen können.

Dieses Projekt dauert bis Mitte 2013.

Ziele Projekt 2

Basierend auf den oben erwähnten Modellen soll das geplante Umsetzungsprojekt 1) angewandte Produkte zur kurz- bis langfristigen Risikoabschätzung des Buchdruckerbefalls in der Schweiz entwickeln und 2) mögliche Handlungsoptionen bei verschiedenen Rahmenbedingungen inkl. Klimawandel aufzeigen. Die Risikomodelle und Resultate der Module 2 und 3 des Projekts BarBeeKey sollen im vorliegenden Projekt in verschiedenen Produkten als Entscheidungsstützen für unterschiedliche Zielgruppen der Praxis aufbereitet und verfügbar gemacht werden. Zum einen soll ein Informations-Dossier für die Behörden entstehen, das generelle Erkenntnisse zum System Käfer-Fichte-Management und mittel- bis langfristige Prognosen unter Berücksichtigung des Klimawandels beinhaltet (Teil A). Zum anderen soll eine webbasierte, praxisorientierte Applikation mit relevanten Informationen für den Waldbesitzer, die Forstreviere und die Kantone entstehen (Teil B). Damit sollen die aktuelle Situation wie auch die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Käferpopulationen und des Befallsrisikos in regionaler Auflösung abgefragt werden können. Diese Informationen werden durch generelle Handlungsempfehlungen zum Käfermanagement ergänzt.

Dieses Folgeprojekt dauert bis Ende 2014.

Beteiligte

Beat Wermelinger (Projektleitung), Christoph Bigler (ETH), Beat Forster, Oliver Jakoby, Heike Lischke, Franz Meier, Andreas Rigling, Golo Stadelmann (ETH).

Kontakt

Stichworte Gradienten, Klimawandel, Borkenkäfer, Baumvitalität, Modellierung