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Synthese: Verknüpfung der Forschungsresultate

A) Synthese: Föhrenmortalität

In der Literatur sind viele verschiedene Konzepte zur Absterbedynamik von einzelnen Bäumen oder ganzen Waldbeständen zu finden. Neben vielen Unterschieden haben alle Absterbetheorien eines gemeinsam: nur in den seltensten Fällen machen sie einen einzelnen Faktor für das Absterben verantwortlich. Vielmehr nehmen sie an, dass in der Regel viele verschiedene biotische und abiotische Stressfaktoren beteiligt sind.

Im Folgenden möchten wir uns auf das Konzept von MANION (1981) stützen, welches schwächende (predisposing), auslösende (inciting) und finale (contributing) Faktoren unterscheidet. Die Kombination dieser Faktoren und die daraus resultierenden Interaktionen zwischen ihnen führen zum frühzeitigen Baumtod.

Faktoren des Föhrensterbens
Abb. - Faktoren des Föhrensterbens (mit einem * markierte Faktoren werden direkt oder indirekt
durch die Klimaveränderung beeinflusst).

In Walliser Föhrenbeständen sind als schwächende Faktoren die Baumalterung, die zunehmende Bestandeskonkurrenz, der starke Mistelbefall, die generell wirkende Trockenheit, sowie regelmässiger Insektenreifungsfrass durch z.B. den Waldgärtner zu nennen. Beim Reifungsfrass können zudem pathogene Pilze und Nematoden in die Bäume übertragen werden.

Zusammen schwächen diese Faktoren den Baum über Jahre oder Jahrzehnte und machen ihn anfällig auf kurzzeitig wirkende, auslösende Stressfaktoren wie Trockenperioden, Insektenbefall durch z.B. Kiefernprachtkäfer, Borkenkäfer, Nematoden oder aggressive Bläuepilze. Diese auslösenden Faktoren beeinträchtigen die physiologischen Prozesse des Baumes und reduzieren seine Widerstandskraft gegen weitere Insekten und pathogene Pilze.

Die Summe aller schwächenden und auslösenden Faktoren bestimmt die Widerstandskraft (Vitalität) des Baumes. Ist der Baum sehr stark geschwächt, dann reicht ein vergleichsweise schwacher finaler Stressfaktor aus, den Baum zum Absterben zu bringen. Solche finalen Faktoren sind sekundäre Schadinsekten wie z.B. Waldgärtner, Rüsselkäfer oder Holzwespen, pathogene Pilze wie z.B. Nadel- und Triebkrankheiten, Nematoden, akuter Mistelbefall oder weitere Klimafaktoren wie Frost.

Die Faktorenkombination ist je nach Waldbestand unterschiedlich und unterliegt den sich laufend verändernden Umweltbedingungen.

Fazit
Die modellhafte Betrachtung der Absterbedynamik der Föhren beruht auf einer Gliederung der vitalitätsmindernden Faktoren in schwächende, auslösende und finale Stressfaktoren. Die Summe der schwächenden und auslösenden Faktoren bestimmt die Widerstandskraft des Baumes. Je nach Widerstandskraft der Föhre kann schon ein relativ schwacher finaler Faktor zum Absterben führen. Letztlich entscheidet also die Faktorenkombination, ob und wann die Waldföhre abstirbt.
 

B) Synthese: Verjüngung

Für eine erfolgreiche Baumverjüngung müssen verschiedene, baumartenspezifische Kriterien erfüllt sein. In der folgenden Abbildung sind sechs verjüngungsrelevante Faktoren als Achsen dargestellt:

Situationsanalyse der Föhren- und Flaumeichenverjüngung
Abb. - Situationsanalyse der Föhren- und Flaumeichenverjüngun

Der Achsenschnittpunkt entspricht dem Nullpunkt der Faktorenwerte. Die grüne Fläche umspannt die optimalen Verjüngungsbedingungen, während die gelbe Fläche die aktuelle Situation im Wallis darstellt. Die kleinen blauen Pfeile geben an, in welche Richtung sich die Verjüngungssituation in nächster Zukunft entwickeln dürfte. Je grösser die Distanz zwischen den grünen und gelben Punktepaaren, als desto kritischer ist die Verjüngungssituation zu beurteilen.

Bei der Waldföhre müssen, ausser Keimlingskrankheiten und Verbiss, alle Kriterien als kritisch mit Tendenz zu Verschlechterung eingestuft werden. Bei der Flaumeiche hingegen ist die aktuelle Situation, abgesehen vom Verbiss, schon recht nahe beim Optimum mit Tendenz auf Verbesserung.

Der Wechsel in der Waldbewirtschaftung und der ablaufende Baumartenwechsel führen zu grösseren Humusauflagen und zur Verdunkelung der Bestände. Diese Entwicklung benachteiligt die lichtbedürftige Föhre als ausgeprägten Rohbodenkeimer gegenüber der Flaumeiche. Das Samenangebot der Waldföhre ist aufgrund des starken Mistelbefalles reduziert. Jenes der Flaumeiche dürfte sich aufgrund der Aufgabe der Streunutzung und der stetig wachsenden Anzahl von Samenbäumen noch verbessern. Die Verjüngung der Waldföhre ist gegenüber Trockenheit empfindlicher als jene der Flaumeiche. Weiter steigende Temperaturen und wiederholte Dürreperioden können in Zukunft aber auch die Verjüngung der Flaumeiche einschränken.

Fazit
Die aktuelle Verjüngungssituation der Waldföhre im Wallis muss als kritisch mit Tendenz zu Verschlechterung eingestuft werden. Bei der Flaumeiche hingegen ist die heutige Situation als recht gut zu bezeichnen; sie dürfte sich in Zukunft sogar noch verbessern.