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Projektdauer: 2009 - 2012

Langfristige Dynamik von Wirbellosen auf Sturmflächen in Gebirgs- und Tieflagenwäldern

Folge-Erhebungen auf Sturmflächen 1 (Lothar), bzw. 2 (Vivian) Jahrzehnte nach dem Sturm

Beat Wermelinger, Martin Obrist, Marco Moretti

Kombifalle
Die Kombifalle fängt fliegende Insekten und lockt zusätzlich Blütenbesucher an.

Nach den beiden grossen Stürmen Vivian (1990) und Lothar (1999) Ende des letzten Jahrzehnts blieb vermehrt Holz auf den Sturmflächen liegen, sowohl aus Rentabilitäts- als auch aus ökologischen Gründen. In Gebirgswäldern und im Mittelland wurden auf mehreren Sturmflächen zu Forschungszwecken Teilflächen als Vergleichspaare eingerichtet. Dabei wurde jeweils auf der einen Teilfläche das Sturmholz liegen gelassen, während auf der anderen eine Stammholzernte durchgeführt wurde. Diese Sturmflächen sind sehr gut dokumentiert, da eine Vielzahl von Untersuchungen in verschiedensten Disziplinen gemacht wurden. Unter anderem wurde die Entwicklung der Insektenfauna in den ersten Jahren nach dem Sturm verfolgt und ihre Artenzusammensetzung auf belassenen und geräumten Flächen sowie im Wald miteinander verglichen. Von Beginn weg war es das Ziel, die Entwicklung der Wirbellosenfauna auf den Sturmflächen längerfristig zu verfolgen. Die bisherigen Resultate aus den Vivian-Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass sich die Zusammensetzung der Insektenfauna  10 Jahre nach dem Sturm immer noch von derjenigen der Waldfauna weg entwickelt. Es stellt sich somit die Frage, wann sich die Insektenfauna wieder derjenigen des ursprünglichen Waldes annähert (Resilienz).

Ziel

In den beiden Jahren 2009 (20 Jahre nach Vivian) und 2010 (11 Jahre nach Lothar) sind analoge Folgeerhebungen geplant wie bei den bisherigen Untersuchungen. Dabei sollen speziell die folgenden Fragen beantwortet werden:

  • Wann nähert sich die Fauna der Sturmflächen wieder der Waldfauna an (Resilienz)?
  • Wann gleichen sich die Faunen auf belassenen und geräumten Flächen einander an?
  • Bestehen Unterschiede in der Sukzessionsdynamik der Insektenfauna in Gebirgswäldern und in Wäldern des Mittellandes?
  • Trägt liegengelassenes Sturmholz auch 20 Jahre nach dem Sturm noch zur Erhöhung des xylobionten Insektendiversität bei?
  • Fördert Totholz in fortgeschrittenem Abbaugrad bedrohte Arten?

Methodik

Die Feldarbeit besteht aus dem Monitoring der Insekten mit verschiedenen Fallentypen (Fensterfallen, Gelbschalen, Kombifallen, Bodenfallen). Die Fallen werden von April bis September wöchentlich geleert, die Insektenfänge nach Gruppen sortiert und anschliessend durch in- und externe Spezialisten bestimmt. Der Zeitplan sieht folgendermassen aus:
2009: Vollerhebung auf den 3 Vivianflächen Schwanden GL, Pfäfers SG, Disentis GR
2010: Vollerhebung auf den 3 Lotharflächen Habsburg AG, Sarmenstorf AG, Messen SO
2011: Sortieren und Bestimmen der Insektenfänge
2012: Bestimmen der Insektenfänge, Auswertung der Daten, erste Publikation
2013ff: Je nach finanziellen Möglichkeiten weitere Bestimmungen und Auswertungen

Bedeutung für die Praxis und Forschung

Die Erkenntnisse der bisherigen Sturmforschung wurden bereits in wissenschaftlichen Publikationen, Merkblättern und Leitfäden umgesetzt. Waldentwicklung und Waldforschung haben aber eine zeitliche längere Dimension. Die langfristigen Erhebungen in Gebirgsfichtenwäldern und Mischwäldern der Tieflagen werden für die Naturschutzbiologie, die Waldbewirtschaftung und die biozönotische/ökologische Forschung diejenigen Datengrundlagen liefern, die einem langlebigen und (aus menschlicher Sicht) trägen System wie dem Wald gerecht werden. Dies ist deshalb wichtig, als davon ausgegangen werden muss, dass in Zukunft Häufigkeit und Intensität von Stürmen zunehmen dürfte.

Stichworte Sturm, Insekten, Sukzession, Flächenräumung, Resilienz