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Kontext und MotivationQUERCO-Praxis: Zwischen Labor und Wald - Eichen im Umweltwandel
Forschungsprojekt Querco
Im Rahmen des Experiments „Querco“ hat die Eidg. Forschungsanstalt WSL Eichenökosysteme im Umweltwandel studiert (2006-2012). Die Reaktionen unterschiedlich resistenter einheimischer Stieleichen, Traubeneichen und Flaumeichen wurden im Hinblick auf zukünftige realistische Klimabedingungen untersucht (Trockenstress, Lufterwärmung, deren Kombination und Kontrolle). Die 26 in diesem Vorhaben integrierten, interdisziplinären Projekte nationaler und internationaler Forschungsgruppen kommen in ihre Schlussphase. Die Resultate werden 2012 in einer Sonderausgabe der Zeitschrift Plant Biology unter dem Titel ‘Woody Plant Performance in a Changing Global Environment’ publiziert; einige Artikel auch in anderen internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Desgleichen liegen von anderen WSL-Projekten Ergebnisse zu Reaktionen von Eichen auf verändertes Klima und andere Stressfaktoren vor.
Klimawandel und WaldbauDer Klimawandel stellt den Forstdienst vor grossen Herausforderungen. Es sind heute waldbauliche Entscheidungen gefordert (Waldverjüngung, Baumartenwahl, Betriebsformen u.a.), welche den Klimaszenarien* für die nächsten 160 Jahre** gerecht werden. Die Stabilität des Schweizer Waldes und die von ihm erbrachten Leistungen hängen zu einem guten Teil davon ab. Informationen zum Verhalten der drei Haupteichenarten (Quercus robur; Q. petraea und Q. pubescens) und ihrer Herkünfte unter dem Einfluss von Lufterwärmung und Trockenstress sind daher von grossem Interesse. Dies umso mehr als die Eiche im Hinblick auf veränderte Klima- und Umweltbedingungen als mögliche Alternative zur aktuell im Mittelland dominierenden Buche gesehen wird [1]. Wesentliche waldbauliche Frage in Bezug auf die Eiche betreffen die Wahl der Eichenart, die Provenienzwahl, sowie die Strukturierung und Pflege der Bestände. Der Eichenwaldbau ist aus verschiedenen Gründen von besonderem Interesse. Die Eiche fördert nicht nur die Stabilität von Mischbeständen; sie produziert auch wertvolles Holz und ist von besonderem ökologischem Interesse. Keine andere einheimische Baumart beherbergt eine so grosse Zahl von Gast-Organismen. So sind alleine 300 bis 500 Tierarten bekannt, welche auf Eiche spezialisiert, d.h. ausschliesslich oder sehr stark von dieser Baumart abhängig sind. Bund und Kantone unterstützen daher den Eichenanbau zur Biodiversitätsförderung [2]. * Bis 2100 muss [ … in der Schweiz …] mit einer Zunahme der Sommertemperaturen um 3,2 bis 4.8 °C gegenüber 1990 gerechnet werden, sofern die Treibhausgasemissionen nicht rasch eingeschränkt werden. Die mittleren Sommerniederschläge könnten um 21-28% abnehmen“. Zitat aus: Swiss Climate Change Scenarios CH2011, S. 7 [3] ** 160 Jahre entsprechen der ungefähren Umtriebszeit der Eiche im Wirtschaftswald
Wissensmanagement und KollaborationDer Umgang mit Wissen (Wissensmanagement) gehört zu den grossen Herausforderungen des 21. Jahrhundert. Nachhaltige Entwicklung ist ohne das Generieren neuen Wissens und vor allem mit seiner Weitergabe und Vermittlung nicht denkbar. (Wissens-) Gesellschaften stehen vor der schwierigen Aufgabe, die Fülle an vorhandenen Informationen zielgruppengerecht zu kommunizieren und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Der Abschluss des QUERCO-Experiments Anfangs 2012 bietet die Gelegenheit, der 6-jährigen Periode der Wissensentwicklung nun Phasen der Wissensverteilung und Wissensnutzung anzuschliessen [4]. Dieser Wissenstransfer ist unerlässlich, wenn die im Abschnitt Klimawandel und Waldbau genannte Herausforderungen gemeistert werden sollen. Aussicht auf Erfolg haben dabei vor allem ganzheitliche bzw. kollaborative Ansätze. Sprachliche und kulturelle Eigenheiten von Forschung und Praxis dürfen nicht zum Hindernis für die Entwicklung von Dialog und Zusammenarbeit werden. Die im QUERCO-Experiment bearbeiteten Fragestellungen (s. QUERCO-Experiment) entsprechen den waldbaulichen Problemen, mit denen sich der Forstdienst im Zusammenhang mit dem Klimawandel beschäftigt. Ein gemeinsames Interesse von Forschung und Praxis ist also gegeben; und damit eine ausgezeichnete Ausgangslage für die Umsetzung des vorliegenden Projektes.
Referenzen: [1] Körner Chr. 2011: Zukunft gehört den Eichen und Eschen. Medienmitteillung Schweizerischer National Fonds SNF vom 16.3.2011 [2] Projektleitung WAP-CH, BHP – Brugger & Partner, 2004: Waldprogramm Schweiz (WAP-CH). Schriftenreihe Umwelt Nr. 363. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern. 117 S. [3] CH211 (2011), Swiss Climate Change Scenarios CH2011, published by C2SM, MeteoSwiss, ETH, NCCR Climate, and OcCC, Zurich, Switzerland, 88 pp. ISBN: 978-3-033-03065-7
[4] Probst, Gilbert. ; Raub, Steffen ; Romhardt, Kai: Wissen Managen : Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. 3. Aufl. Frankfurt/Main : Gabler, 1999.
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