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Dynamik von Totholz und xylobionten Insekten in WaldreservatenThibault Lachat, Peter Brang, Beat Wermelinger, Rita Bütler Hintergrund
Die überragende Rolle von abgestorbenen Bäumen für die Artenvielfalt ist in der Wissenschaft längst bekannt. Deshalb ist Totholz in ganz Europa offiziell als Indikator für die Artenvielfalt im Wald anerkannt und ist folglich ein Kriterium für die nachhaltige Waldbewirtschaftung geworden. Auch in der Schweiz zielt die Waldpolitik auf die Förderung von Totholz. Daher verfügt das Bundesamt für Umwelt seit 2005 über ein nationales Alt- und Totholzkonzept. Über Jahrhunderte diente der Rohstoff Holz als wichtiger Energieträger und Baustoff. Die Wälder wurden intensiv genutzt und Totholz wurde kaum im Wald belassen. Während in einem Urwald 20-280 m3 Totholz pro Hektare vorhanden sind, beträgt das Volumen in Schweizer Wäldern im Durchschnitt nur 11 m3/ha. Daher sind viele Arten selten geworden. In Deutschland beispielsweise sind 60% der xylobionten Käfer gefährdet oder ausgestorben. Seit kurzem stehen den Bemühungen zur Förderung von Totholz neue, gewichtige Interessen entgegen. Mit der Verknappung von Erdöl und der Problematik des CO2-Ausstosses gewinnt Holz als CO2-neutraler Energielieferant wieder rasant an Bedeutung. Holz, das bis vor kurzem kaum gewinnbringend genutzt werden konnte und daher als Totholz im Wald blieb, ist wieder als Rohstoff begehrt. Die Nachfuhr an Totholz wird knapp. Dies könnte viele spezialisierte Tierarten stark gefährden. Ziele
MethodikDie WSL ist seit 2007, in Kooperation mit der ETH und dem BAFU, für die Erhebung und Auswertung einzigartiger Langzeitdaten aus 37 Schweizer Naturwaldreservaten verantwortlich. Diese Langzeitdaten decken alle wichtigen Waldtypen in der Schweiz und fast alle Regionen ab. Sie sind daher hervorragend für unsere Fragestellungen geeignet und erlauben es, Antworten auf die oben erwähnten Fragen für die ganze Schweiz und darüber hinaus zu erarbeiten. Seit 30 bis 50 Jahren wurde in den Reservaten in 200 Waldbeständen von 0,2 bis 3,3 Hektaren Grösse die Waldentwicklung verfolgt. Von jedem toten Baum ist bekannt, wann er abgestorben ist - und das entstandene Totholz ist noch vorhanden, falls es nicht bereits vollständig zersetzt ist. Das bedeutet, dass die Baumleichen wieder aufgesucht, vermessen und holzanatomisch untersucht werden können. Es wird somit möglich, Chronosequenzen von Bäumen in allen Zersetzungsstadien (von frisch tot bis stark zersetzt) zu bilden, die als Ausgangspunkt für die Herstellung von Modellen der Totholzdynamik dienen. Ein Teil dieser Reservate, nämlich diejenigen mit den best geeigneten Daten und toten Bäumen, werden als Versuchsflächen dienen. Die 37 Naturwaldreservate wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus der Bewirtschaftung genommen. Es gibt also einen Gradienten von "jüngeren" bis zu "älteren" Reservaten. Somit ist es möglich, eine Chronosequenz der Nutzungsaufgabe bzw. Totholzbildung zu bilden. Auf diese Weise kann zu einem einzigen Zeitpunkt (heute) die Reaktion der Insektenfauna auf die Bewirtschaftungsaufgabe studiert werden. Die xylobionte Insektenfauna (Käfer) wird mit verschiedenen Fangmethoden wie Fensterfallen und visuellem Handfang erhoben. Ausserdem werden weitere Parameter erhoben bzw. in die Analyse einbezogen wie klimatische Bedingungen, Lichtverhältnisse, Bestandeszusammensetzung, Baumpilz-angebot, Bodenvegetation u.v.a. Erwartete ErgebnisseGenerell werden aus diesem Projekt Kenntnisse zu drei Gebieten gewonnen:
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