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Baulicher Lawinenschutz - Schutz für Siedlungen und Verkehrsachsen

Verbauungen im Anrissgebiet am Schiahorn
Die Verbauungen im Anrissgebiet am Schiahorn schützen Davos vor Lawinen.
 
Schneebrettlawine
Eine grosse Schneebrettlawine hat sich im Februar 1999 unmittelbar neben den Verbauungen Schweifinen gelöst. Die Stützwerke haben in diesem Fall die Aufgabe, den Anbruch von Lawinen zu verhindern, sehr gut erfüllt.

Viele Lawinenverbauungen waren im Februar 1999 randvoll mit Schnee. Trotzdem gab es in verbauten Gebieten keine bedeutenden Lawinenanrisse. Die Stützwerke haben ihre Wirksamkeit bewiesen und den Beanspruchungen standgehalten.

Zum baulichen Lawinenschutz werden die Verbauungen im Anrissgebiet, in der Sturzbahn und im Ablagerungsgebiet von Lawinen gezählt. Das Ziel dieser Massnahmen besteht darin, Siedlungen, Verkehrsachsen und damit Personen langfristig vor Lawinen zu schützen. Durch die in den letzten Jahrzehnten getroffenen Massnahmen waren im Februar 1999 nur noch beschränkt Evakuierungen notwendig, und viele Verkehrsachsen blieben trotz hoher Lawinengefahr passierbar.

Stützverbauungen werden im Anrissgebiet von Lawinen erstellt. Zum Einsatz kommen starre Stahl- oder flexible Drahtseilkonstruktionen und temporäre Werke aus Holz, die durch Aufforstungen ergänzt werden. Diese Konstruktionen stützen die Schneedecke, so dass Katastrophenlawinen, die Dörfer und Verkehrswege gefährden könnten, verhindert werden. Kleine Rutsche werden von den Stützwerken abgebremst und aufgefangen. Stützverbauungen bieten einen flächenhaften Schutz für die darunterliegenden Gebiete. Im Winter gleitet und kriecht die Schneedecke ständig talwärts. Im Frühjahr, wenn sie besonders mächtig und schwer ist, belastet sie jedes Werk mit bis zu 40 Tonnen. Die Lebensdauer eines permanenten Stützwerkes aus Stahl beträgt etwa 100 Jahre. Das SLF misst an mehreren Standorten in Verbauungen die Schneedruckkräfte, um die Berechnungsmodelle zu optimieren.

Stützwerke sind teuer. Die Sicherung einer Fläche von einer Hektare kostet über eine Million Schweizer Franken. Stützwerke kommen deshalb besonders zum Schutz von Siedlungen zum Einsatz. Das SLF berät die Bauherren bei der Planung von Verbauungen und der Wahl der Stützwerktypen. Neukonstruktionen werden laufend überprüft und in Feldversuchen getestet.

Lawinendämme, -mauern und -galerien

In der Sturzbahn und im Auslaufgebiet von Lawinen muss man sich darauf beschränken, vor Lawineneinwirkungen zu schützen. Mit Auffangdämmen und Bremshöckern kann eine Lawine verzögert oder sogar gestoppt werden. Ablenkdämme lenken die Schneemassen in Bereiche, wo sie keine Zerstörung anrichten können. Diese massiven Bauwerke werden in der Schweiz weniger häufig eingesetzt als der Stützverbau, da oft nicht genügend Raum zur Verfügung steht. Galerien lassen eine Lawine - ohne dass sie Schäden verursachen könnte - über eine Verkehrsachse fliessen, und verstärkte Mauern sorgen dafür, dass ein Gebäude dem Lawinendruck standhalten kann.

Für unser Team von Bauingenieuren bildet neben Forschungsprojekten die Beratungs- und Gutachtertätigkeit einen wichtigen Eckpfeiler der Arbeit. Wir unterstützen die Praxis bei der Beurteilung der Lawinengefährdung von touristischen Transportanlagen, Verkehrsachsen und Siedlungen und bei der Erarbeitung entsprechender Schutzkonzepte.

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Stichworte SLF, Schnee, Lawine, Lawinen, Forschung