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Experimente zur Bruchausbreitung und LawinenauslösungDie Auslösung von SchneebrettlawinenSchneebrettlawinen (Abb. 1) sind die gefährlichsten und grössten Lawinen unter den verschiedenen Lawinentypen. Bevor sich ein Schneebrett lösen kann, muss eine eingeschneite Schwachschicht über eine grosse Fläche brechen. Der Bruch startet an einem bestimmten Punkt, z.B. unter einem Skifahrer, und pflanzt sich selbständig unterhalb des Brettes fort, bis die Lawine abgleitet. Seit langem ist bekannt, dass Schneebrettlawinen nur in Hängen, die steiler als etwa 30° sind, abgehen können. Routinierte SchneesportlerInnen jedoch wissen, dass sich Brüche auch in mässig steilem oder sogar flachem Gelände ausbreiten können. Ist ein Wumm-Geräusch im flacheren Gelände hörbar, bedeutet dies, dass durch das Gewicht des Schneesportlers eine Schwachschicht zusammengebrochen ist. Ein derartiger, im Flachen initiierter Bruch kann sich in einen benachbarten Hang ausbreiten, so dass es zu einem Lawinenabgang kommt. Man spricht in diesem Falle von einer Fernauslösung. Während die Bruchausbreitung also auch in flachem Gelände erfolgen kann, ist für das Abgleiten einer Lawine eine gewisse minimale Hangneigung erforderlich. Die Vorgänge hinter diesen Beobachtungen konnten nun vom SLF experimentell beschrieben werden.
High-Speed Kamera verschafft neue Einblicke
Die Bruchprozesse beim Lawinenabgang zu untersuchen ist allerdings nicht einfach. Einerseits sind Lawinen seltene Ereignisse und eine direkte Instrumentierung ist kaum möglich, andererseits wäre das für die Beteiligten auch zu gefährlich. Deshalb versuchen Forschende des SLF, mit Feldexperimenten die Bruchprozesse zu simulieren. Dabei isolieren sie einen langen, rechteckigen Schneeblock (Abb. 2) vom Rest der Schneedecke. Auf der Talseite des Blockes wird die Schwachschicht mit einer Schneesäge angeschnitten, bis sich der Bruch selbstständig entlang des Schneeblocks fortpflanzt. Der anfängliche Schnitt mit der Säge, welcher die Bruchausbreitung in Gang setzt, entspricht in etwa dem Initialbruch, der für eine Lawinenauslösung erforderlich ist. Mit einer digitalen High-Speed Kamera, die 300 Bilder pro Sekunde aufnimmt, dokumentierten die Forschenden die Bruchausbreitung. Durch das Anbringen von schwarzen Markierungen oberhalb der Schwachschicht kann die Verformung und Bewegung des Schnees mit Hilfe eines optischen Verfahrens, der PTV Technik (Particle tracking Velocimetry), analysiert werden. Die Position der Markierungen wird in jedem Bild verfolgt, so dass – indem man die Punkte miteinander verbindet – die Bewegungen innerhalb der Schneedecke während des Experiments sichtbar werden. Somit lässt sich auch die Reibung beim Abgleiten – nach erfolgtem Bruchprozess – bestimmen. Abbildung 3 und 4 zeigen die Ergebnisse eines dieser Experimente, bei dem sich ein Bruch in einer Schwachschicht bei 34 Grad Hangneigung fortpflanzte, so dass die Schneeschicht oberhalb der Schwachschicht, das Schneebrett, abglitt. Wie man in Abb. 3 sieht, bewegte sich das Schneebrett (gestrichelte Linie) während des Kollapses der Schwachschicht (schwarze Linie) nicht. Als jedoch die Schwachschicht nach ca. 0.3 Sekunden einmal über die gesamte Länge des Balkens gebrochen war, begann die Schicht mit zunehmender Geschwindigkeit abzugleiten. Die Reibungskraft ist in Abb. 4 dargestellt. Während die Schwachschicht kollabierte, nahm die Reibung stark ab. Nach dem Kollaps hingegen stieg sie rasch an und blieb während des Abgleitens des Schneebretts relativ konstant.
30°- Regel für Lawinenabgänge experimentell bestätigtDiese Messungen des SLF wie auch andere kürzlich publizierte Arbeiten zeigen, dass sich bei verschiedensten Typen von Schwachschichten und unabhängig von der Steilheit des Hanges die Schneedecke bei einem Initialbruch plötzlich leicht setzt. Diese Vertikalbewegung erfolgt durch das (Zusammen-) Brechen der Schwachschicht. Die Schneestruktur wird lokal zerstört, so dass aufgrund der hohen Porosität von Schnee die darüberliegenden Schichten leicht (häufig einige Millimeter) absacken. Anschliessend – falls die Steilheit gross genug ist und somit die Reibung überwunden werden kann – gleiten die Schichten ab: die Lawine bricht los. In ihren Versuchen konnten die Forschenden den Hangneigungswinkel bestimmen, ab dem Lawinen abgleiten können. Alle Messungen ergaben eine kritische Neigung von rund 30° und bestätigen nun erstmals experimentell die klassische Faustregel, dass es unterhalb von 30° kaum Lawinen gibt. Kontakt |