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Einfluss von Gruppendynamik auf Entscheidungen im Lawinengelände

Faktor Mensch in der Lawinenkunde


Die traditionelle Lawinenkunde beleuchtet vor allem die Beschaffenheit der Schneedecke, das Gelände und die Wettereinflüsse auf die Lawinengefahr. Da aber die allermeisten Lawinen bei Unfällen durch die betroffenen Personen selber ausgelöst werden, spielt der Mensch eine entscheidende Rolle in der komplexen Beurteilung der Lawinengefahr. Dies hat zum ersten Mal Werner Munter mit seiner 3x3 Beurteilungsmethode deutlich zum Ausdruck gebracht, als er den Faktor Mensch in dieses Beurteilungs-Schema einfügte. Bei den vereinfachten Hilfsmitteln wie der grafischen Reduktionsmethode ist dann aber der Faktor Mensch wieder in den Hintergrund getreten. Lawinengefahrenstufe und Hangneigung rückten ins Zentrum der Beurteilung. Einen weiteren Schritt leitete der Lawinenforscher Ian McCammon ein, indem er die wichtigsten Fallen, die beim Anwenden von Faustregeln auftreten können, beschrieb. Seine Forschung ist auch in die Lawinenlehrbücher eingeflossen.

Links:
http://www.snowpit.com/articles/traps%20reprint.pdf
http://www.slf.ch/dienstleistungen/buecher/lawinenkunde/index_DE
http://download.whiterisk.org/WRStore/lang_d/home/home.jsp

Gruppen, Gruppendynamik und Sozialpsychologie


Die meisten Leute bewegen sich in einer Gruppe auf Skitouren, Schneeschuhtouren oder zum Variantenskifahren. Jede Person in der Gruppe hat eine gewisse Rolle inne, sei dies als Gruppenführer, Experte, einfaches Gruppenmitglied oder Bergführer und stehen anderseits auch in unterschiedlichen Beziehungen zueinander, sei dies als Paar, Kollegen, Freunde, die sich gut kennen oder Leute, die sich weniger gut kennen. Die einzelnen Gruppenmitglieder spielen in unterschiedlicher Art und Weise zusammen, beeinflussen einander gegenseitig, sei dies bewusst oder unbewusst und ergeben schliesslich ein neues Gesamtgefüge der Gruppe. Für die Beurteilung der Lawinengefahr ist es nun wesentlich, wie die Gruppe entscheidet – und dies ist oft anders, als sich die einzelnen Gruppenmitglieder oder Gruppenmitglieder in einer anderen Kombination entscheiden würden. Diesen gruppendynamischen Effekten auf die Spur zu kommen, ist Ziel des Projektes. Dabei werden Theorien und Konzepte aus der Sozialpsychologie berücksichtigt, z.B. Konformität, Führungsstile, soziale Anerkennung oder die Effizienz von verschiedenen Entscheidungsprozessen.

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Grosse Gruppen neigen mehr zu gruppendynamischen Effekten und sind schwieriger zu managen im Lawinengelände (Foto: SLF/ B. Zweifel, 30.1.2011).

Gruppeninterviews im Feld


Um mehr über Gruppen, deren Zusammensetzung und gruppendynamische Effekte herauszufinden werden im Rahmen einer Dissertation Gruppen direkt an Touren- und Varianten-Endorten befragt. Dabei werden in Interviews Fragen zur Planung, Motivation, Führungs- und Entscheidungsstil, Gruppenstruktur und zur Risikobereitschaft gestellt. Diese Daten werden mit qualitativen Methoden analysiert – ein ungewohntes Wissenschaftsfeld in der naturwissenschaftlich dominierten Lawinenforschung. Hier sollen Methoden aus den Management- und Sozialwissenschaften in die Arbeit einfliessen.

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Forschungsplatz SLF VW-Bus: Wetterschutz, Kaffee und Guetsli bringen einen geeigneten Rahmen, um Gruppen direkt nach der Skitour zu befragen (Fotos: N. Bischof, 20.1.2013).

Gruppencheck als Ziel


Was kann der Tourenfahrer von dieser Forschung profitieren? Ein Ziel dieser Forschung ist die Entwicklung eines einfachen Gruppenchecks, der einem Gruppenführer zum Beispiel in der Planung helfen kann, seine Gruppe in Bezug auf risikoreiche, gruppendynamische Effekte zu checken. Des Weiteren sollen Strategien aufgezeigt werden, wie gruppendynamischen Effekten vorgebeugt werden kann, z.B. in der Planungsphase, wo die Gruppe entsteht.


Kontakt: B. Zweifel