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Projektdauer: 2004 - 2011

IFKIS-Hydro

Informationssysteme für hydrologische Naturgefahren

Hochwasser und Murgänge verursachen in der Schweiz fast jährlich Schäden in Millionenhöhe. Prävention allein, v. a. raumplanerische und bauliche Massnahmen, genügt nicht. Um die Auswirkung von solchen Ereignissen im Ernstfall weiter zu begrenzen, braucht es Sicherheitskonzepte (Beurteilungsgrundlagen, Frühwarnung…) und Interventionspläne (Alarmierung, Sperrung, Evakuierung, Schadenwehr…). Dazu benötigen die lokalen Sicherheits- und Einsatzverantwortlichen rasch verfügbare Angaben zu Niederschlag und Abfluss aus ihrem Gebiet sowie zu Vorhersagen möglicher Entwicklungen. Basierend auf den Erfahrungen mit IFKIS*) in der Lawinenwarnung wurde deshalb IFKIS-Hydro als Frühwarn- und Informationssystem für hydrologische Gefahren entwickelt. Es hat sich seit 2004 in verschiedenen Gebieten zu einem wertvollen Hilfsmittel zur Bewältigung von hydrologischen Naturgefahren in kleinen Einzugsgebieten entwickelt.

Idee

IFKIS-Hydro ist als Informations-Plattform konzipiert, in der gebietsspezifische Informationen zu Wetter, Niederschlag, Abfluss, automatischen Warnsystemen (z. B. Murgang) und Prognosen zusammengefasst werden. Dazu kommen die Meldungen der Beobachter vor Ort, um für das betreffende Gebiet bestmögliche Angaben über das aktuelle und absehbare Hochwasser- und Murganggeschehen zu erhalten.

Beobachter

Unwetter in Goppenstein   Unwetter in Stampbach
Unwetter in Goppenstein, 15.7.2003 (Foto: André Henzen, SLF)
  Unwetter in Stampbach, 16.7.2003 (Foto: André Henzen, SLF)


Viele wertvolle Informationen lassen sich direkt im Gelände gewinnen und können rasch und mit relativ geringem Aufwand beschafft werden. Daher spielt die Beobachtertätigkeit für IFKIS-Hydro eine zentrale Rolle. Zudem sind Beobachter flexibel einsetzbar und können verschiedenste Aufgaben wahrnehmen. Während dem Ereignis können an vorgängig evaluierten Stellen Pegelstandsmarken abgelesen und Informationen zum laufenden Prozess, z. B. Trübung, Holz- und Geschiebeführung, erfasst werden. Systematische Beobachtungen (periodisch oder vor, während und nach Ereignissen) können die Verhaltensmuster eines Gerinnes klären, in Abhängigkeit von der Disposition des Einzugsgebietes und der meist wetterbedingten Auslöseursachen. Gefährliche Entwicklungen in der Zukunft werden besser abschätzbar. Die Beobachtungen werden lokal in strukturierten Fragebogen und dann zentral in einer Datenbank erfasst.

Automatische Messstationen

Liegen die Beobachtungsstandorte nahe den möglichen Schadensgebieten, lässt sich mit Beobachtungen nicht immer eine genügende Vorwarnzeit erzielen. In diesem Fall sind automatische Messda-ten aus rückgelagerten Gebieten hilfreich. Dafür kann z. B. auf die Messstationen der Lawinenwarnung zurückgegriffen werden, die grösstenteils bereits mit Niederschlagsmessern ausgerüstet sind. Das Netz der Regenmessstationen wird ständig ausgebaut und weitere Ergänzungen sind vorgesehen.

Prognosen und Modelle

Durch die Vorhersage möglicher Entwicklungen wird Zeit für Interventions-massnahmen gewonnen. Deshalb spielen Wetter- und Niederschlagsprognosen eine wichtige Rolle. In Einzugsgebieten mit einer gewissen Mindestgrösse können auch Abflussprognosemodelle einen zusätzlichen Zeitgewinn bringen.

Benutzeroberfläche von Ifkis-Hydro

Benutzeroberfläche von Ifkis-Hydro
Benutzeroberfläche von IFKIS-Hydro

InfoManager


Die übersichtliche und standortunabhängige Erfassung und Bereitstellung der Informationen ist wichtig für eine effiziente Massnahmenplanung. Dazu wurde die bewährte Web-Informations-Plattform aus IFKIS für hydrologische Daten weiterentwickelt und heisst nun IFKIS-Hydro InfoManager. Sie bietet nicht nur Zugriff auf aktuelle Daten und Prognosen, sondern auch auf vergangene Ereignisse.

Nachhaltigkeit

Erfahrungen aus Unwetterereignissen sind flüchtig. IFKIS-Hydro soll deshalb das Erfahrungswissen langfristig sichern und für künftige Anwendungen bereithalten. So entwickelt sich ein besseres Verständnis der Zusammenhänge im jeweiligen Gebiet und zukünftige Ereignisse können mit den gesicherten Erfahrungen anhand des Ereigniskatasters bewertet werden.

Einsatzgebiete

IFKIS-Hydro wird bislang in verschiedenen Regionen der Kantone Bern, Glarus, Zürich und Wallis sowie im Fürstentum Liechtenstein eingesetzt. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.

IFKIS-SIHL-Loewenstrasse
Bauarbeiten am Hauptbahnhof

IFKIS-Sihl

Durch die Bauarbeiten am Bahnhof Löwenstrasse wurde die Abflusskapazität der Sihl um ca. 40% reduziert (kritische Bauphase 2008 - April 2011), was zu einer markanten vorübergehenden Verschärfung des Hochwasserrisikos um den Hauptbahnhof führte. Aus diesem Grund wird seit September 2008 für die Stadt Zürich und das Sihltal ein operationelles Hochwasservorhersagesystem eingesetzt. Mittels täglich durchgeführten Modellierungen können so Hochwasserereignisse frühzeitig erkannt werden.

Um die Hochwasserspitzen und Volumina berechnen zu können wird das hydrologische Modell PREVAH mit dem hydraulischen Modell FLORIS gekoppelt. Die Wetterdaten werden dabei aus verschiedenen atmosphärischen Vorhersagemodellen gewonnen. So sind nützliche Vorwarnzeiten von zum Teil bis zu 5 Tagen möglich. (Weiterführende Informationen)


*) IFKIS = Interkantonales Frühwarn- und Kriseninformationssystem

Kontakt

Stichworte Hochwasser, Informationssystem, Warnsystem