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Rettungskompass - Entscheidungshilfe bei Lawinenrettungen

Rettungskräfte setzen sich bei Lawinenrettungen teilweise einem erheblichen Risiko aus. Daher regte die Lawinenrettungskommission der Internationalen Kommission für das Alpine Rettungswesen IKAR an, ein handliches Instrument zu entwickeln, welches Rettungspersonen bei ihrem Risikomanagement unterstützt.

Der Rettungskompass, bestehend aus Büchlein und Kompassscheibe, wurde in Zusammenarbeit mit internationalen Experten im Rettungswesen in den vergangenen eineinhalb Jahren am SLF entwickelt. Er durchlief eine Testphase und eine Vernehmlassung bei Alpinen Verbänden.

Drehscheibe als Übersichtscheck

Der Kompass, als Drehscheibe konzipiert und in der ersten Umschlagseite integriert, kann als Übersichts-Check verwendet werden. Nacheinander beurteilt der Lawinenretter die Bereiche Auftrag, Verhältnisse, Gelände und Mensch/Ressourcen. Das Handbuch unterstützt den Lawinenretter mit weiteren Hinweisen und enthält zudem wichtige Checklisten und Formulare.

Der Rettungskompass wird ähnlich wie eine Parkscheibe bedient
Abb. 1: Der Rettungskompass dient dem Risikomanagement der Lawinenretter und wird ähnlich wie eine Parkscheibe bedient. Im dreieckigen Fenster erscheinen nacheinander die Bereiche Verhältnisse (Wetter/Lawinen), Gelände, Mensch/Ressourcen.

Der Rettungskompass nimmt den Rettungskräften keinen Entscheid ab. Er will vielmehr eine Gedankenstütze bei der Entscheidungsfindung sein und kann auch in der Ausbildung eingesetzt werden. Der Lawinenretter beurteilt zuerst seinen Auftrag (siehe Abb. 1) und stellt sich bei jedem Punkt die Frage: Entspricht die gegenwärtige Situation den Aussagen im grünen (niedriges Risiko) oder roten Bereich (hohes Risiko)?

Anschliessend können wahlweise auf der Drehscheibe die Bereiche Verhältnisse (Wetter/Lawinen), Gelände sowie Mensch/Ressourcen beurteilt werden.

Gesamte drehbaren Kompassscheibe
Abb. 2: Bild der gesamten drehbaren Kompassscheibe, von der jeweils aber nur das Drittel sichtbar ist, welches jeweils für die Abschätzung des Risikos verwendet wird.

Der Rettungskompass verdankt seinen Namen der drehbaren Kompassscheibe. Sie ist der wichtigste Bestandteil des Werkzeugs. Im Büchlein befinden sich weitere Erläuterungen zu den einzelnen Themen, die für die Ausbildung von Lawinenrettern genutzt werden können.

Checklisten und Formulare für die Lawinenrettung

Der Rettungskompass enthält ausserdem unterstützende Informationen zur Lawinenrettung wie Lawinengefahrenskala, Checklisten für die Lawinenrettung, Markierung eines Lawinenfeldes, Formulare für das Protokollieren einer Lawinenrettung, Materialliste, Mannschaftsliste und Zeugenliste. An prominenter Stelle auf der letzten Umschlagseite befindet sich auch der schematische Ablauf einer Lawinenrettung.

Das Ziel der IKAR und des SLF ist, mit dem Rettungskompass einen wirkungsvollen Beitrag zur Minimierung der Risiken bei Lawinenrettungen zu leisten. Das Zielpublikum sind Rettungskräfte, und –organisationen auf internationaler Ebene, da es in vielen Ländern bisher nur wenige vergleichbare Werkzeuge gibt. Das neue Instrument soll bestehende Entscheidungshilfen nicht konkurrenzieren, sondern als Erweiterung dienen. Neben Entscheidungshilfen ist Erfahrung der beste Lehrmeister. Dazu gehören nebst den Ernsteinsätzen auch die Ausbildungs- und Fortbildungskurse in der Lawinenrettung.

Der Druck des Rettungskompasses wurde von der IKAR, dem Servizio Valanghe Italiano del Club Alpino Italiano (CAI) und der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), dem Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention, finanziell unterstützt. Kompass und Büchlein sind auf Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch und auf Englisch wahlweise mit europäischer oder nordamerikanischer Gefahrenskala verfügbar. Der Kompass kann im WSL-Shop bestellt werden.

Stichworte Entscheidungshilfe für Rettungskräfte