SLF-Austausch mit Indien



In Manali, mitten im Himalaya, steht eines der grössten Lawinenforschungsinstitute der Welt, das „Snow and Avalanche Study Establishment“ SASE. Das SLF arbeitet seit mehreren Jahrzehnten mit dem SASE zusammen. Schon zahlreiche indische Wissenschaftler haben das SLF besucht. Der dreimonatige Aufenthalt von Yves Bühler in Indien ist allerdings ein Novum: Noch nie weilte ein Schweizer Lawinenforscher so lange am SASE.

Strassen auf über 5000 m ü. M. vor Lawinen schützen

Der Himalaya liegt teilweise auf indischem Boden. Allein der Nordwesten Indiens beherbergt ca. 200’000km2 alpine und hochalpine Flächen (5x die Schweiz). Einige Gipfel ragen bis knapp 8000 m ü. M. empor. Das Gebiet ist strategisch wichtig, denn hier grenzen Indien, Pakistan und China aneinander. Um die Versorgung der Gebiete im Kashmir zu gewährleisten, baut Indien die Strasse von Manali nach Leh aus. Dieser sogenannte Manali-Leh-Highway ist bekannt und berüchtigt, da er über einige der höchsten befahrbaren Pässe der Welt führt. Das Ziel der Regierung: Die Strasse auch im Winter möglichst lange offen zu halten - bei Passhöhen von über 5000 m ü. M kein leichtes Unterfangen. Nur schon vorherzusehen, wo Lawinen anreissen können, erweist sich als schwierig. Das Gelände ist steil, verwinkelt und kaum begehbar. Helikopterflüge sind wegen der extremen Winde nur selten möglich. Auch können die Verantwortlichen hier nicht wie in der Schweiz auf zahlreiche Wetterstationen und Erfahrungen mit historischen Lawinen zurückgreifen. Ein heute wichtiger Teil der Strasse war bis vor fünf Jahren bloss ein bedeutungsloser Feldweg.

Berge

Woher kommt die Lawine und wo geht sie durch? Nicht einfach zu beantwortende Fragen.

SLF-Expertise gefragt

Hier kommen die SLF-Forscher ins Spiel: Die in Davos entwickelte Lawinen-Simulationssoftware RAMMS berechnet Anrisszone, Fliesshöhe und Auslaufdistanz möglicher Lawinen entlang der Zufahrtsstrasse zum Rohtang-Tunnel, der zwischen Manali und Leh liegt . Diese Informationen sind essentiell für Planung und Bau von Lawinengalerien und Schutzdämmen. Da die Eröffnung der Strasse kurz bevorsteht, müssen solche Sicherheitsmassnahmen möglichst rasch ergriffen werden. Durch die Zusammenarbeit profitiert Indien vom Fachwissen des SLF. Im Gegenzug dazu bietet sich für die Forscher aus der Schweiz eine erstklassige Chance, die in den Alpen entwickelten und getesteten Methoden im Himalaya unter ganz anderen klimatischen und topographischen Verhältnissen zu erproben.

Familie

Yves Bühler mit seiner Familie vor dem Abflug nach Indien.

Ein Land voller Optimismus

Entgegen dem gängigen Bild vom armen Indien verfügen die Wissenschaftler am SASE über Forschungsgelder, die es durchaus mit denen in der Schweiz aufnehmen können. Auch im täglichen Leben ausserhalb des SASE herrscht Aufbruchsstimmung. Das Selbstvertrauen der Bevölkerung wächst so rasant wie die wirtschaftliche Bedeutung des Landes. In der Region Manali ist Armut bereits heute kaum mehr sichtbar. Obwohl Indien in anderen Regionen nach wie vor immense Probleme mit Armut und Umweltverschmutzung hat, ist der Optimismus der Inder mindestens ebenso gross. In Zukunft wird wohl nicht nur in der Forschung mit „incredible India“ (offizieller Werbeslogan von Indien Tourismus) zu rechnen sein.

Innenhof

Dorfleben hinter dem Haus der Familie Bühler.

Kontakt



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