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Projektdauer: 2011 - 2014

ANiK: Alpine Naturgefahren im Klimawandel. Deutungsmuster und Handlungspraktiken vom 18. bis zum 21. Jahrhundert

Hintergrund

Alpine Naturgefahren im Klimawandel

Das Forschungsprojekt ANiK „Alpine Naturgefahren im Klimawandel“ untersucht wie sich der Umgang mit Naturgefahren im Alpenraum im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte bis heute verändert hat. Von Interesse ist dabei, wie Natur und Naturgefahren gedeutet wurden bzw. werden und welche Strategien und Handlungspraktiken entwickelt wurden.

Wurden Naturgefahren noch bis ins 18. Jahrhundert als Strafe Gottes gedeutet, so setze sich im Laufe des späten 18. und 19. Jahrhundert eine wissenschaftlich-technische Deutung durch. Es etablierte sich ein staatlicher Apparat, der vor allem ingenieurtechnische Baumassnahmen umsetzte, um die Auswirkungen von Naturgefahren zu begrenzen und gefährdetes Gebiet nutzbar zu machen.

Seit den 1970er Jahren beobachten wir erneut Veränderungen im Umgang mit Naturgefahren. Zum einen wurde das integrale Risikomanagement als Konzept entwickelt, mit dem nicht mehr die Sicherheit Hauptziel des Gefahrenschutzes ist, sondern die Minimierung von Risiken durch Einbezug aller relevanten Akteure. Zum anderen wurde der Klimawandel als eine der treibenden Kräfte wahrgenommen, die den Umgang mit Naturgefahren verändert.

Ziel des Projektes ist es, diese Veränderungsprozesse in verschiedenen Zeiträumen und auf Ebene der Ideengeschichte, der Politikentwicklung, der Handlungspraxis, der Zivilgesellschaft und der Bevölkerung zu untersuchen. Dafür wurde ein interdisziplinäres Projektteam zusammengestellt, in dem die Philosophie, Geschichtswissenschaften, Soziologie, Politologie, Ethnologie und die Umweltwissenschaften vertreten sind.

Projektpartner sind die Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universität Berlin, der Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der Technischen Universität München, das Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin und das Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen.

Teilprojekt der WSL: Politiken und Handlungspraxis des Naturgefahrenmanagements in Zeiten des Klimawandels

In diesem Teilprojekt erforscht die WSL politische und organisationale Veränderungen im Management von alpinen Naturgefahren.

In einem ersten Schritt wird eine Politikfeldanalyse durchgeführt, in der untersucht wird, wie der Umgang mit Naturgefahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechtlich geregelt ist, welche Akteure involviert sind und mit welche Ressourcen sie ausgestattet sind. Von Interesse ist ebenfalls, inwiefern in den politischen Strategien und rechtlichen Regelungen auf den Klimawandel Bezug genommen wird.

In einem zweiten Schritt wird im Rahmen einer Interviewstudie mit Vertreter/innen von Organisationen des Naturgefahrenmanagements untersucht, wie in der Vergangenheit mit vielseitigen Herausforderungen umgegangen wurde (z. B. Gesetzesänderungen, zunehmendes Schadensrisiko, Extremereignisse). Ziel ist es, besser zu verstehen, wie diese Veränderungsprozesse ablaufen und wie sie sich innerhalb der Organisationen des Naturgefahrenmanagements auswirken. Die Studie beruht auf der Annahme, dass aus der Analyse der vergangenen Veränderungsprozesse, Erkenntnisse dafür gewonnen werden können, wie sich das Naturgefahrenmanagement auf neue Herausforderung im Rahmen des Klimawandels vorbereiten kann.

In einem dritten Schritt wird ein Expertenworkshop mit Teilnehmer/innen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zum adaptiven Naturgefahrenmanagement durchgeführt, bei dem die Ergebnisse der Interviewstudie überprüft und diskutiert werden und den Teilnehmer/innen die Möglichkeit gegeben wird, sich grenz- und sektorenübergreifend auszutauschen. Zum Workshopbericht

Das Teilprojekt wird in den Regionen Graubünden (Schweiz), Paznaun (Österreich) und Oberallgäu (Deutschland) durchgeführt.

Leitfragen

  • Wie wird der Umgang mit Naturgefahren in den Ländern/Regionen rechtlich geregelt?
  • Welche Organisationen sind in das Naturgefahrenmanagement involviert, welche Aufgaben haben sie und welche Ressourcen stehen ihnen zur Verfügung?
  • Inwiefern wird in den politischen Strategien und rechtlichen Regelungen, die das Naturgefahrenmanagement steuern auf den Klimawandel Bezug genommen?
  • Wie sind Organisationen des Naturgefahrenmanagements in der Vergangenheit mit neuen Herausforderungen umgegangen? Wie hat sich das auf die Handlungspraxis ausgewirkt?
  • Welche neuen Herausforderungen bestehen für das Naturgefahrenmanagement? Welche ergeben sich im Kontext des Klimawandels?

Publikationen

Pukall, K., Kruse S. (2014) Entwicklungslinien für das Management alpiner Naturgefahren im Klimawandel. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 165 (2014) 2: 37–42. [PDF]

Abschlusskonferenz

Die Abschlusskonferenz fand am 12.-13.03.2014 im Messezentrum Salzburg statt. Nähere Informationen

Projektteam

Das Teilprojekt wird in der Gruppe Regionalökonomie und -entwicklung der Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der WSL zusammen mit dem Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der Technischen Universität München bearbeitet.

  • Sylvia Kruse, Julia Wesely (2012/13), Irmi Seidl (WSL)
  • Klaus Wagner (TU München)

Finanzierung

Das Projekt wird im Förderschwerpunkt „Soziale Dimensionen von Klimaschutz und Klimawandel“ im Programm „Sozial-ökologische Forschung“ des Deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

Kontakt

Stichworte Alpine Naturgefahren, adaptives Naturgefahrenmanagement, Klimaanpassung, Resilienz, Lernen in Organisationen, Politikfeldanalyse

 

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