Das Cenangium – Triebschwinden
R. Engesser, U. Wasem
Bedeutung
Der Pilz Cenangium ferruginosum gehört zu den Ascomyceten. Er
wächst saprophytisch auf der Rinde von verschiedenen Föhrenarten
(Pinus sp.). Häufige Wirtspflanzen in der Schweiz sind Arve, Bergföhre,
Waldföhre und Schwarzföhre. Abgestorbene Zweige und Äste
werden bevorzugt besiedelt. An Pinus-Arten, welche durch Trockenheit,
Frost oder Insektenschäden geschwächt wurden, kann der Pilz auch
parasitisch auftreten (beispielsweise 1992 im Oberengadin an Arven, wahrscheinlich
infolge Trockenstress). |
| Eine durch Trockenheit geschwächte Arve wurde ein Opfer des Cenangium-Triebschwindens.
Nachdem der Pilz die Rinde abgetötet hat, verfärben sich die
Nadeln der betroffenen Zweige und Äste braunrot. |
Auf der Rinde erscheinen die schwarzgrauen, ca. 1-3 mm grossen Fruchtkörper
in Gruppen. Bezeichnend für die Gattung Cenangium ist die ledrige
Beschaffen- heit der Fruchtkörper sowie die unbehaarte, körnig-
mehlige Struktur der Fruchtkörperaussenwand. |
| Bei genügend Feuchtigkeit sind die Fruchtkörper schüsselförmig
geöffnet. Die fahlgelbe Fruchtschicht wird sichtbar. Beim Schnitt
durch unreife, geschlossene Fruchtkörper (kleines Bild) erscheint die
Fruchtschicht leuchtend hellgelb. |
Schnitt durch einen reifen Fruchtkörper.Die Fruchtschicht
besteht aus Asci, in welchen sich jeweils 8 Ascosporen entwickeln,
und aus Paraphysen. |
Die Asci sind zylindrischkeulig, jodnegativ und messen
80-105 x 10-13 µm. Dazwischen stehen die fadenförmigen, an
der Spitze leicht angeschwollenen, sterilen Stützelemente (Paraphysen).
Die Ascosporen sind einzellig, hyalin, glatt, elliptisch und messen 10-13x5-8
µm. |
Biologie
Die Fruchtkörperbildung erfolgt während der ganzen Vegetationsperiode.
Der Pilz überwintert als Mycel im Gewebe oder mit Fruchtkörpern
im Substrat. Bei Trockenheit sind die Fruchtkörper geschlossen, in
Regenperioden (rLf. > 95%) öffnen sie sich und entlassen die reifen
Ascosporen. Sporenausstoss von Frühjahr bis Herbst mit Maximum von
April-Mai (Angaben höhenabhängig!). Sporenkeimung von 3-30°C
mit Maximum bei 25°C. Mycelwachstum bei 2-25°C (Optimum bei 15-25°C). |
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