Diagnosehilfe bei Blattverfärbungen an Rosskastanien
|
Verfärbt sich das Blattwerk der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) bereits im Sommer braun, so können verschiedene Einflüsse dafür verantwortlich sein. Streusalzschäden sowie Trockenheit, aber auch der Blattbräune-Pilz Guignardia aesculi erzeugen aus der Ferne betrachtet ein nahezu identisches Krankheitsbild wie ein Befall durch die Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella. Dieser Kleinschmetterling ist erst kürzlich aus dem Osten zugewandert und breitet sich zur Zeit in Mitteleuropa aus. Am gleichen Baum können gleichzeitig die Miniermotte, der Blattbräune-Pilz und Salzschadensymptome vorhanden und in unterschiedlichem Ausmass für die Blattverfärbungen verantwortlich sein.
Cameraria-Befall Die Blattoberseite verfärbt sich stark, wogegen die Blattunterseite weit weniger ausgedehnt verfärbt ist. Die Blatthaut oberseits lässt sich leicht ablösen. Darunter findet sich die Raupe des Kleinschmetterlings oder zumindest deren Kotkrümel. Zur Zeit des Falterfluges können auf der Rinde am Stamm die ca. 3 mm langen Falter in Massen gefunden werden.
|
![]() |
||||
|
|
|
|
|||
|
Stark miniertes Teilblatt |
Raupe der Miniermotte
|
Erscheinungsbild der Falter auf Stammrinde |
|||
![]() |
Blattbräune-Pilz Blattkrankheit, welche vom Pilz Guignardia aesculi verursacht wird. Die eckigen Blattflecken haben auf der Ober- wie auf der Unterseite des Blattes dieselbe Ausdehnung. Auf den Blattflecken sind mit der Lupe die schwarzen Pilzfruchtkörperchen (Sporenbehälter) zu finden. Lang andauernde Regenperioden im Frühsommer begünstigen die schnelle Entwicklung der Krankheit.
|
||||
![]() |
Salzschaden/Trockenheit Bei hohen Salzkonzentrationen im Boden oder auch bei starker Trockenheit beschränken sich die braunen Blattregionen auf den Rand; es bilden sich Randnekrosen. |
![]() |
|||
|
Folgen Die Bedeutung von frühzeitigen Blattverfärbungen mit vorzeitigem Blattfall wird meist überbewertet. Ein einmaliges Ereignis wird von den Bäumen problemlos verkraftet. Auch wiederholter Befall mehrere Jahre hintereinander hat selten ernsthafte Folgen. Dagegen wird der Zierwert und die Funktion der Bäume als Schattenspender merklich reduziert.
Massnahmen Bei Miniermottenbefall kann zur Zeit als einzige Massnahme das Zusammenkehren und Beseitigen des Fallaubes empfohlen werden, wodurch besonders die im Boden überwinternde Generation reduziert wird. Diese Massnahme hemmt gleichzeitig auch die Ausbreitung des Blattbräune-Pilzes Guignardia aesculi, welcher auch im Fallaub überwintert. Bei Salzschäden sollte auf die Verwendung von Auftausalzen im Winter im Bereich der Baumwurzeln möglichst verzichtet werden.
|
|||||
|
|||||
© 1998-2001 WSL - Roland Engesser - last update: 6.7.2001