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Beschreibung und Fotografien der wichtigsten Nutzungsformen

Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 1 – Verarbeiten von Ästen. Aus: Brockmann-Jerosch 1929, Schweizer Volksleben, I, Abb. 58

Holz war bis weit ins 20. Jahrhundert ein zentraler Bau-, Brenn- und Werkstoff (Abb. 1). Im Wald wurden jedoch nicht nur Bäume gefällt. Der Wald war vielmehr auch Weideland, ein Ort, wo Tiere Futter und Menschen Nahrung fanden, wo Streue zusammengerecht wurde und man Wirk- und Werkstoffe gewann.

Die folgende Auflistung gibt einen Überblick – eine ausführliche Beschreibung findet sich in: Martin Stuber; Matthias Bürgi 2011: Hüeterbueb und Heitisträhl. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz 1800-2000. Bristol-Schriftenreihe, Bd. 30. Haupt, Bern.

Wo nicht anders angegeben, wurden die Bilder freundlicherweise vom Archiv des Schweizerischen Institutes für Volkskunde, Basel zur Verfügung gestellt.

Die Bilder können durch Anklicken vergrössert werden.

Futter

Waldweide: Die Beweidung der Wälder war bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der ganzen Schweiz die Regel. Vielerorts beruhte der wirtschaftliche Wert der Wälder sogar mehr auf der Weide als auf der Holznutzung. Dies galt ganz besonders für die Schweinemast im Wald (Acherum), lange Zeit praktisch die ausschliessliche Fütterungsform der Schweine. Noch länger hielt sich die Waldweide der Ziegen und Schafe. Im Mittelland trieben die Armen und Landlosen ihr Kleinvieh bis Ende 19. Jahrhundert in die Wälder. Im Alpengebiet und im Jura waren Schaf- und Ziegenweide im Wald sogar bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet. (Abb. 2, 3 und 4).

Waldheu und Laub: Neben der Weide diente der Wald noch in zwei anderen Formen als Futterquelle. Einerseits nutzte man in lichten, lockeren Waldbeständen das Waldheu (Abb. 5). Zum anderen wurden in der traditionellen Schneitelwirtschaft Äste und Blätter gewonnen und zur Verfütterung in die Ställe transportiert (Abb. 6 und 7).

Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 2 – Schafhirt auf Wytweide, Waadländer Jura   Abb. 3 – Ziegenherde, Engadin (GR) ...
Aus: Brockmann-Jerosch 1929, Schweizer Volksleben, I, Abb. 158
  Abb. 4 – ... mit entsprechenden Folgen für die Wälder: „Geissen- oder Weidbuchli“; von Ziege und Grossvieh jahrelang abgefressene Buchen, Sonvico (TI) 1914. Foto H. Burger, Bildarchiv WSL)
Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 5 – Fliessende Grenzen zwischen Wald- und Wildheu, Sonogno (TI).   Abb. 6 – Frau trägt Futterlaub, mit zwei Ziegen, Sta Maria (GR) 1946   Abb. 7 – Tragen von Futterlaub in Mosogno im Onsernonetal

Unterlage

Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 8 – Gewinnung von Buchenlaub, Flums (SG). Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel
 
Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 9 – Laubertag, Betlis (SG). Aus: Brockmann-Jerosch, 1929, Schweizer Volksleben, I, Abb. 43

Laub- und Nadelstreue: Blätter und Nadeln wurden in grossem Umfang als Einstreumaterial für die Tiere in den Ställen gesammelt (Abb. 8). Für das Berggebiet stellte Kasthofer 1828 in seinem Lehrbuch 'Der Lehrer im Walde' stellvertretend für die gesamte Bergbevölkerung die rhetorische Frage: "... wo sollen wir Streue hernehmen zum Lager für unser Vieh, zum Bauen unserer Matten und Weiden, wenn wir nicht die Baumblätter in den Wäldern zusammenrechen könnten? Wir Leute im Gebirge, wo der Winter so lange dauert, können ja fast kein Korn bauen, wir gewinnen also kein Stroh zur Stallstreue, sondern kaum genug für unser eignes Lager." Wie verbreitet die Streunutzung war, sehen wir darin, dass Kasthofer im Berner Oberland keinen einzigen zugänglichen Buchenwald kannte, "der nicht vor seinem obersten Anfange bis an sein unterstes Ende ganz rein von Buchenlaub gewischt worden wäre." Die Streunutzung war auch im 20. Jahrhundert noch anzutreffen. Erst die Eisenbahn erleichterte die Einfuhr von Stroh und ermöglichte weitgehend, auf das Sammeln von Waldstreu zu verzichten.

Bettlaub: Neben der Verwendung der Waldstreu als Einstreumaterial auf die Viehläger, gab es einen weiteren wichtigen Verwendungszweck: Vor allem ärmere Leute schliefen noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein auf Bettlaub (Abb. 9).

Wirkstoff

Asche: Mit Aschenlauge wurde die Wäsche gewaschen (Abb. 10).

Gerberrinde: Die Rinde von Eichen und Fichten nutzte man für die Ledergerbung (Abb. 11 und 12).

Harz: Harz war aufgrund seiner klebrigen, dichten Konsistenz, seiner Brennbarkeit und seinem intensiven Duft seit langer Zeit ein begehrtes Naturprodukt (Abb. 13). Die wichtigsten Baumarten, von denen Harz gewonnen wurde, waren Föhren, Lärchen, Fichten und Arven. In einigen Gewerben diente Harz als wichtiger Rohstoff, so für Küfer beim Abdichten der Fässer, für Gerber als Teergalle für die Behandlung der Häute oder für Schuhmacher zum Vorbereiten des flachsigen Zwirns. Zuhause fanden harzige Kienspäne als Lichtspender Verwendung. Zudem brauchte man Harz zum Anfeuern, zum Versiegeln, vermischt mit Schweinefett als Schuhcreme, zur Behandlung von Wunden an Obstbäumen oder aufgrund seiner antiseptischen Wirkung auch in der Volksmedizin. Zahlreiche Salben, Pflaster und Umschläge basierten auf Harz. Aufgesprungene Hände und Klauenverletzungen des Viehs behandelte man mit Harzöl, das aus Föhrenwurzelstöcken gesotten wurde. Bei Haussschlachtungen erleichterte die Beigabe von Harz im Brühwasser das Enfernen der Borsten (Huusmetzgete bei Trub (BE), 1946).

Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 10 – Verunreinigungen auf dem Aschetuch werden mit dem Gon abgeschöpft (Hinterrhein)    Abb. 11 – Rinde für Gerbereien, Amden (SG)    Abb. 12 – Rüsten der Baumrinde, bei Eggiwil (Oberemmental) 1944    Abb. 13 – Harzer auf Wytweide, Malleray (BE) 1901. Aus: Schweiz. Z. Forstwes. (1912)

Brennstoff

Tannzapfen: Tannzapfen wurden als Anfeuerhilfe gesammelt (Abb. 14).

Werkstoff

Schindeln: In vielen Gegenden deckte man die Dächer traditionellerweise mit Holzschindeln (Abb. 15 und 16).

Zäune: Zu den grossen Holzverbrauchern zählten auch die traditionellen Holzzäune, die oft in äusserst kunstfertiger Weise erstellt wurden (Abb. 17).

Werkholz: Viele Geräte und Werkzeuge des täglichen Gebrauchs wurden aus Holz hergestellt, so neben vielem anderen Tragkörbe (Abb. 18).

Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 18 – Tragkörbe, „Hutten“, werden im Nebenberuf hergestellt, Appenzell. Aus: Brockmann-Jerosch 1929, Schweizer Volksleben, I, Abb. 60
Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000
Abb. 14 – Transport der gesammelten Tannzapfen, Pfynwald bei Leuk (VS)   Abb. 15 – Dachdecker, Ebersecken (LU) 1958
Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000   Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800-2000

Abb 17 – Erstellen eines Schweiffelzauns, Teufenthal bei Thun (BE)

Abb. 16 – Herstellen von Schindeln, Trachselwald (Oberemmental) 1947    
Weiterführende Informationen

Das Projekt Traditionele Formen der Waldnutzung wurde 2005 gestartet und gelangt am 27. Mai 2011 mit einer Buch- und Film-Vernissage auf dem Gelände des Freilichtmuseums Ballenberg  zum Abschluss. Die Finanzierung des Projektes erfolgte hauptsächlich durch die Bristol-Stiftung.