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Waldentwicklung nach Windwurf im Ural
Christian W. Hoffmann (WSL), Stanislaw Motschalow (UFU Jekaterinburg)
Seit 1993 untersucht die WSL
zusammen mit Forschenden der Uralischen Forsttechnischen Universität in
Jekaterinburg die Entwicklung von zwei Windwurfflächen im Ural. Die Untersuchungen
sind Teil des Kooperationsprogramms mit den Ländern des ehemaligen Ostblocks,
das der Schweizerische Nationalfonds im Auftrag des EDA durchführt. Die
Untersuchungen im Ural finden, wie nach Vivian und Lothar in der Schweiz, auf geräumten und belassenen
Windwurfflächen statt, die sich teilweise natürlich verjüngen,
teilweise aber auch bepflanzt wurden. Die Wiederbewaldung der untersuchten borealen
Wälder beginnt sehr dynamisch. Die Waldverjüngung ist überaus
zahl- und artenreich, durch grobschlächtig durchgeführte Verfahren
der Holznutzung wurde sie jedoch weitgehend zerstört. Seit den Windwürfen
haben sich auf den geräumten Teilflächen junge Bäume
angesamt, vorwiegend Zitterpappeln, Birken, Vogelbeeren und Weiden. Mit mehrjähriger
Verzögerung nimmt die Zahl der Fichten, Tannen und Kiefern langsam zu.
Entsprechend den bisherigen Ergebnissen dürfte es im Ural in Zukunft nach
einem Windwurf sinnvoll sein, schonende Holzernteverfahren einzusetzen und in
den natürlichen Wiederbewaldungsprozess zu Beginn möglichst wenig
einzugreifen. Kommt der Jungwald ins Dickungsstadium, bietet sich an, die Entwicklung
der Baumartenanteile genau zu beobachten und gegebenenfalls zugunsten der Nadelbaumarten
einzugreifen, damit schneller ein Mischwald entsteht. Die Forschungsergebnisse
aus den naturnahen Wäldern des Urals sind auch für Fachleute in
der Schweiz von Interesse. Denn grossflächige Naturwälder gibt es
bei uns praktisch keine mehr. Genauere Kenntnisse der natürlichen Entwicklungsprozesse
und Biodiversität sind aber eine Voraussetzung, um hierzulande naturnähere
Waldbaustrategien zu entwickeln. |