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Physikalische Modellversuche zum Fliess- und Erosionsverhalten von Murgängen

Das Grossraumlabor der WSL bietet die Möglichkeit, Murgänge im Modell zu untersuchen. Dabei können die Wissenschaftler das Fliessverhalten von verschiedenen Materialien untersuchen, den Erosionsprozess studieren oder Messinstrumente testen, bevor sie im Gelände eingesetzt werden. Zudem dient die Murgangrinne immer wieder zu Demonstrationszwecken für Besuchergruppen, um charakteristische Eigenschaften von Murgängen im Labor vorzustellen.

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Die Murgangrinne besteht aus zwei Teilen. Im oberen Abschnitt (3 m lang), zusammengesetzt aus Startbehälter und Beschleunigungsstrecke, wird die Murgangwelle erzeugt. Daran schliesst der eigentliche Messkanal von fünf Metern Länge an. Er ist knapp 80 cm breit und so aufgebaut, dass man entweder ein dreidimensionales Bachbett einbringt oder einen schmaleren Kanal von 30 cm Breite darin einbauen kann. Der schmalere Kanal eignet sich nur für zweidimensionale Versuche (flaches Bachbett mit glatten Seitenwänden). Beide Bereiche können unabhängig voneinander in Schritten von 5% zwischen 0 und 55 % geneigt werden.

Aktuell: Analyse von Murgangsgeschwindigkeiten aufgrund Kurvenüberhöhung

Ziel des Projektes ist es, das Phänomen der Kurvenüberhöhung in Experimenten nachzustellen. Von den Ergebnissen wird eine Verbesserung der Methodik zur Erhebung von Fliessparametern im Gelände erwartet. Die Resultate sollen zudem zu präziseren Eingangsparametern von dynamischen Simulationsmodellen zur Bestimmung der Reichweiten und Anprallkräften von Murgängen beitragen. mehr...

Murgänge mit groben Komponenten verursachen Schäden

Ein Murgang ist ein rascher Massenverlagerungsprozess, bei dem sich in meist gebirgigen Lagen ein Gemisch aus Feststoffen und Wasser wellenförmig talwärts bewegt. Die Art des Abflusses hängt dabei wesentlich vom Verhältnis der festen und flüssigen Phase ab, aber in eben solchem Mass auch von der Zusammensetzung der Feststoffe. Handelt es sich eher um Feinmaterial, beobachtet man ein schlammstromartiges Abflussverhalten. Dominieren grobe Komponenten, erfolgt der Abfluss eher walzen- oder raupenartig und man spricht von granularem Verhalten. Solche Murgänge verursachen immer wieder grosse Schäden mit entsprechenden finanziellen Folgen oder gar Verlusten von Menschenleben.

Projekt "Debris flow" als Beispiel für den Einsatz der Murgangrinne

Im Rahmen des vom ETH-Rat mitfinanzierten Forschungsprojekts "debris flow" untersuchten Forschende der WSL anhand physikalischer Modellversuche in der Murgangrinne das Fliess- und Erosionsverhalten von Murenschüben. Da Murgänge in der Schweiz in der Mehrzahl eine granulare Materialzusammensetzung aufweisen, beschränkten sich die Untersuchungen auf diesen Materialtyp. Grundvoraussetzung und wesentlicher Unterschied zu den meisten Laboruntersuchungen war, dass die Wissenschaftler hier eine möglichst natürliche Materialmischung verwendeten und damit annähernd natürliche Bedingungen vorlagen. Sie testeten verschiedene Konzentrationen der Feststoffe, von Reinwasserpulsen bis zur Maximalkonzentration, bei der der Murenschub im Gerinne zum Stillstand kommt (Deposition). Ausserdem stand für die Experimente ein erodier- und bewässerbares Bachbett von dreidimensionaler Struktur zur Verfügung, um möglichst ähnliche Abflussverhältnisse wie in der Natur zu erreichen.

Wissenschaftliche Methoden

Bei den Experimenten verwendeten die Forscher zwei verschiedene Materialien, wobei sie die meisten Versuche mit Material aus einem murfähigen Wildbach durchführten. Daneben veränderten sie systematisch die Anfangsbedingungen wie Neigung, Schubvolumen und Wassergehalt der Startmischung. Mit diversen Messinstrumenten erfassten die Wissenschaftler Abflussparameter und vermassen im Anschluss an die Versuche die Gerinnetopographie. Rund 170 Experimente wurden dabei durchgeführt und ausgewertet.

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Murgang in der Rinne Ablagerung eines Modellmurganges  

Ältere Arbeiten mit der Murgangrinne

D. Weber schloss seine Dissertation zu den oben beschriebenen Experimenten im Jahre 2004 ab (Abstract PDF, 208 KB). Im Anschluss wurden weitere Experimente an der Murgangrinne durchgeführt, die z.B. das Verhalten von Murgangnetzen (vgl. Projekt "Flexible Debris Flow Barriers" oder Doktorarbeit C. Wendeler, 2008) oder Eislawinen testeten. Zudem dient die Murgangrinne immer wieder zu Demonstrationszwecken für Besuchergruppen, um charakteristische Eigenschaften von Murgängen im Labor vorzustellen.

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