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Testanlage für Hangmuren in Veltheim (AG)In einem Steinbruch bei Veltheim AG testet die WSL in einer Versuchsanlage künstlich erzeugte Hangmurene und neu entwickelte Schutznetze. Während des Fliessens werden die Geschwindigkeit, Drucklasten und andere Kenngrössen der unter Freilandbedingungen ausgelösten Schlammströme exakt erfasst. Die dadurch verbesserte Kenntnis des Fliessprozesses hilft, wirksamere Schutzmassnahmen für die Praxis zu entwickeln.
Hangrutsche ereignen sich jedes Jahr nach ausgiebigen Regenfällen, nicht nur in den Alpen, sondern auch an weniger stark geneigten Berghängen des Mittellandes, der Juras und der Voralpen. Je nach Topographie des Geländes kann sich aus einem Hangrutsch eine sogenannte Hangmure ausbilden. Das typische Schadensbild nach solchen Ereignissen sind (teil-)verschüttete oder gar beschädigte Strassen, Eisenbahnlinien und auch Gebäude. Um die Zerstörungskraft solcher Schlammlawinen zu brechen, brauchte es bisher aufwändige Sicherungsmassnahmen wie Holzbauten, Schutzwände oder Stützmauern. Bisher gibt es kaum Untersuchungen, die derartige Prozesse beschreiben und helfen könnten, gezielt und somit kleinflächig wirksamere Schutzmassnahmen zu ergreifen. Schlammlawine rast mit 35 km/h in SchutznetzUm das Fliessverhalten von aus Wasser, Boden- und Gesteinsmaterial bestehenden Hangrutschen und die Interaktion derartiger Hangmuren mit flexiblen Schutznetzen besser zu verstehen, führt die Eidg. Forschungsanstalt WSL zusammen mit der Firma Geobrugg AG Feldversuche in einem Steinbruch der Jura cement bei Veltheim AG durch. Die durchschnittlich gut 30° geneigte Teststrecke ist etwa 40 m lang, kann bei Bedarf aber auf bis zu 130 m verlängert werden. Der Untergrund besteht aus Kalkstein. Über eine Auslösevorrichtung wird eine Mischung aus bis zu 3 cm grossen Steinen, Erdmaterial und Wasser mit einem Gesamtvolumen von ungefähr 60 m3 den Felshang hinuntergekippt. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 35 km/h (10 m/s) erreicht der Schlammstrom nach wenigen Sekunden am Hangfuss ein Schutznetz aus Stahlseilen. Entlang der Versuchsstrecke und an den Verankerungen des Schutznetzes messen die Wissenschafter der WSL die während des Prozesses und beim Aufprall einwirkenden Kräfte. Die Forscher der WSL erfassen entlang der Teststrecke mit Lasern die Frontgeschwindigkeit, mit neu entwickelten Sensoren den Fliess- und Anpralldruck und mit Hochgeschwindigkeitskameras filmen sie den Fliessprozess. Die Messdaten werden in neuen Computerprogramme für die Gefahrenkartierung und Gebäudebelastung verwendet. Mit diesen Daten und den Ergebnissen von zusätzlichen an der WSL durchgeführten Laborversuchen entwickeln die Wissenschafter neuartige Modelle für solche Hangmuren. Diese ermöglichen dem Industriepartner Geobrugg AG, Schutzbarrieren optimal zu entwickeln. Ziel ist letztendlich, die Schutznetze so zu dimensionieren, dass diese sowohl wirksam und zuverlässig als auch kostengünstig für den Schutz von Gebäuden, Strassen und Eisenbahnlinien eingesetzt werden können. Eine zweite, mit 50° Neigung wesentlich steilere Anlage befindet sich in St. Léonard im Wallis. Das Gesamtprojekt läuft seit Sommer 2008, dauert insgesamt drei Jahre und wird vom Bund durch die Förderagentur für Innovation (KTI) gefördert. Die Untersuchungen werden unterstützt durch Förderagentur für Innovation KTI, Bundesamt für Berufsbildung und
Technologie BBT Expertenkommission für Lawinen und
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