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Ein Forscher hilft den Schneehasen

Schneehase  
Schneehase im Schweizer Nationalpark auf ca. 1900m. (Foto: Maik Rehnus)  
Maik Rehnus  
Maik Rehnus hat im Nationalpark und im Natur- und Tierpark Goldau untersucht, wie Störungen im Winter die Schneehasen beeinflussen. (Foto: Maik Rehnus)
 
Thermo-Hase  
Das dichte Fell des Schneehasen isoliert hervorragend. Auf diesem Wärmebild sieht man, wie er Wärme nur durch die Augen, die Nase und die Pfoten abgibt. (Foto: Natur- und Tierpark Goldau)
 
Respektiere deine Grenzen  
Die Schilder der Kampagne "Respektiere deine Grenzen" zeigen Schutzzonen für Wildtiere an. Dort sollten Freerider, Tourenfahrer und Schneeschuhläufer nicht durchfahren oder laufen. (Foto: M. Kaennel Dobbertin)
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Der Schneehase ist ein Überlebenskünstler im Hochgebirge: Braunes Fell zur Tarnung im Sommer, weisses im Winter, dazu einen effizienten Energiesparmodus. Snowboarder oder Skifahrer abseits der Pisten sind ein grosser Stress für ihn. Der WSL-Hasenforscher Maik Rehnus untersucht, wie das die Tiere beeinflusst, und hat dafür jetzt einen Preis bekommen.

Schneehasen verbringen ihr ganzes Leben in den Bergen oberhalb von 1300 Metern Höhe. Das Leben im Winter ist hart und sie haben fast nur Nadeln, Knospen und Rinde von Nadelhölzern zu fressen. Doch das ist für den Schneehasen kein Problem. Sie reduzieren ihren Energiebedarf im Winter und fressen zudem ganzjährig ihren eignen Kot, um aus dieser kargen Kost die meisten Nährstoffe herauszuholen. Das tönt zwar "gruusig", ist aber für Hasen ganz normal.

Maik Rehnus wollte wissen, ob die Tiere unter Störungen leiden. Dazu hat er für seine Doktorarbeit in freier Wildbahn Hasenbölleli analysiert. Der Kot enthält nämlich bestimmte Hormone, die Anzeichen für Stress sind. Und wirklich fand er am meisten Stresshormone in den Bölleli von Hasen, in deren Nähe sich viele Touristen aufhielten.

Maik hat dann auch Versuche im Natur- und Tierpark Goldau gemacht. Dort hat er Hasen in einem Gehege mit vorbeilaufenden Hunden und Flugdrachen, die wie Raubvögel aussehen, konfrontiert. Die gestressten Hasen verbrauchten ein Fünftel mehr Energie als andere, die in Ruhe gelassen wurden. Sie flüchteten öfter und konnten weniger Energie sparen.

Schneehasen brauchen im Winter Ruhe

Daraus folgert Maik, dass die Schneehasen in freier Wildbahn Ruhezonen brauchen, zu denen Menschen keinen Zutritt haben. Seine Forschungsresultate hat er den Verantwortlichen für die Informations-Plattform "Respektiere deine Grenzen" (Link) mitgeteilt, die Wintersportlern erklärt, wie sie wilde Tiere schonen können.

Bedrängt werden die Schneehasen aber nicht nur von Touristen. Ihre Konkurrenten, die grösseren Feldhasen, mögen es wärmer und dringen deshalb mit der Klimaerwärmung in den Lebensraum der Schneehasen vor. Maik erstellt derzeit eine Karte, wo die Schneehasen in der Schweiz leben und wo es überall gute Lebensräume für sie gibt. So kann er später abschätzen, wie sich ein wärmeres Klima auf die Verbreitung der Schneehasen auswirkt.

Der erste Bär seit 100 Jahren!

Für all diese Arbeiten, die Maik manchmal in seinen Ferien gemacht hat, verlieh ihm die Zoologische Gesellschaft Zürich jetzt einen Forschungspreis über 1000 Franken. Maik stammt aus Sachsen, ganz im Osten Deutschlands. Er hat in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich Forstwissenschaften und Wildtierökologie studiert. Heute arbeitet er in der Forschungseinheit Biodiversität und Naturschutzbiologie der WSL, die sich der Artenvielfalt in der Schweiz widmet.

Maik ist schon einmal ein bisschen berühmt geworden, aber wegen eines anderen Wildtiers: Er hat 2005 im Schweizer Nationalpark den seit 100 Jahren ersten in die Schweiz eingewanderten Bären fotografiert. Die Leute hatten den Bären "Lumpaz" (Lausbub auf Rätoromanisch) genannt, denn er hat einige Probleme gemacht und ein Kalb und 24 Schafe gerissen.

Hier erfährst du mehr:

 

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