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Was ist die "Schwarze Liste" für die Pflanzen-Spezialisten in der Schweiz?

Grafik Schwarze Liste
Grafik: WSL, Daten: Info Flora. Klick auf die Grafik, um sie zu vergrössern.
 
Lonicera
Henrys Geissblatt stammt aus Ostasien und wird zur Begrünung im Siedlungsbereich eingesetzt. Von dort verwildert die Art häufig in nahe gelegene Wälder.
Foto: Michael Nobis, WSL

Was haben Rosskastanien, Drüsiges Springkraut und Sommerflieder gemeinsam? Alle drei sind Neophyten, das heisst, Pflanzenarten, die aus anderen Regionen oder sogar Kontinenten stammen und erst seit nach der Entdeckung Amerikas (1492) bei uns vorkommen. Viele Neophyten wurden bewusst eingeführt und beispielsweise in Gärten oder Parkanlagen angepflanzt. Andere gelangten ungewollt zu uns.

Während in der Schweiz die Rosskastanie zu den rund 350 unproblematischen Neophyten zählt und nur selten verwildern, sind andere Arten wie das Drüsiges Springkraut und der Sommerflieder nicht harmlos. An vielen Orten verwildern sie, treten in grösseren Beständen auf und können beispielsweise einheimische Pflanzenarten zurückdrängen. Zur Zeit sind von über 3000 wild in der Schweiz vorkommenden Farn- und Blütenpflanzen rund 45 Arten invasive Neophyten.

Verschiedene Schäden

Nicht alle invasiven Neophyten verdrängen einheimische Arten. Sie können auch aus anderen Gründen problematisch werden. Zum Beispiel hat sich die Armenische Brombeere, die als Beerenobst in Gärten gepflanzt wird, in manchen Siedlungen, auf Industriearealen oder entlang von Bahnlinien ausgebreitet, so dass der Unterhalt dieser Flächen nun aufwändiger und deshalb auch teuerer ist.

Auch für die menschliche Gesundheit können Neophyten gefährlich werden: Die Ambrosia ist soweit bekannt keine Gefahr für andere Pflanzenarten, aber ihr Pollen löst starke Allergien aus, die zu schweren Heuschnupfensymptomen oder gar zu Asthma führen können. Und wer einen Riesen-Bärenklau berührt, wird zuerst einen Juckreiz spüren. Besonders im Sonnenlicht können sich dann Blasen auf der Haut bilden, die Narben hinterlassen.

Der Schmetterlings- oder Sommerflieder lockt zwar tatsächlich Schmetterlinge an, aber zahlreiche Schmetterlingsarten ernähren sich nur vom Blütennektar bestimmter einheimischer Pflanzenarten oder ihre Raupen fressen ausschliesslich an wenigen einheimischen Pflanzenarten. Und wenn diese zurückgehen, da der Sommerflieder sich ausbreitet, verschwinden auch die Schmetterlingsarten. Für die Raupen von Schmetterlingen ist der Sommerflieder als Futterpflanze nahezu bedeutungslos.

40 invasive Neophyten auf der Schwarzen Liste

Wie die Armenische Brombeere, die Ambrosia, der Riesen-Bärenklau und der Sommerflieder stehen derzeit 40 invasive Neophyten auf der Schwarzen Liste, da sie sich so stark ausgebreitet haben, dass sie in den Bereichen der Biodiversität, Gesundheit oder Ökonomie Schäden verursachen. Ihre weitere Ausbreitung muss soweit möglich verhindert werden. Ihr Name wird in die Schwarze Liste aufgenommen, damit alle, die mit diesen Pflanzen zu tun haben - z.B. Gärtnereien - sich über die Problematik dieser Arten bewusst werden.

An der WSL...
... untersuchen Forscher, in welchen Regionen Neophyten vorkommen und wie sie sich besonders im Wald ausbreiten. Da immer wieder neue Arten auftreten, muss die Schwarze Liste invasiver Neophyten ständig überarbeitet werden. An dieser Aktualisierung arbeiten auch Forscher der WSL mit.

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