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13.10.2015

Höchstgelegener Baum oberhalb von Zermatt entdeckt

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Dieser senkrecht zum Boden stehende Rekordhalter misst 11 cm, doch da er ein wenig gekrümmt ist, würden seine Triebe aneinander gelegt 17 cm erreichen. Die Länge der Triebe schwankt je nach Jahr zwischen 1,0 und 2,5 cm Länge. Diese junge Arve dürfte daher 10 Jahre alt sein. (Klicke auf das Foto, um es zu vergrössern)
 
Mattertal
Im Hintergrund: Matterhorn, Dent Blanche, Ober Gabelhorn und Zinalrothorn. In über 2‘700 m Höhe wachsen weitere Arven auf der Sonnenseite der Felswand, links unter der Terrasse in der Bildmitte. (Klicke auf das Foto, um es zu vergrössern)
 
Fundort
In diese Höhen gelangen die Samen der Arve, die man auch "Pignolen" nennt, dank des Tannenhähers. Dieser Vogel lagert die Kerne an vor Schnee und Regen geschützten Orten und vergisst gelegentlich einige seiner Verstecke. Auch an so steilen Orten sind die jungen Arven nicht vor dem Appetit von Gämsen sicher, die deren Wachstum hemmen, indem sie ihre Triebe abgrasen.  (Klicke auf das Foto, um es zu vergrössern)
Fotos: Urs-Beat Brändli, WSL

Urs-Beat Brändli ist hartnäckig, aber er hat jemanden gefunden, an dem er sich messen kann. Nach mehreren Erkundungstagen im Gebirge hat er den Baum entdeckt, der der höchstgelegene in der Schweiz sein könnte: eine winzige, aber fest in ihren Wurzeln stehende Arve – in 2‘765 m Höhe.

Ein im Jahre 1909 veröffentlichtes Buch über die Arve hat Urs-Beat Brändli, den wissenschaftlichen Leiter des LFI (Landesforstinventar), auf die Spur dieses Rekordhalters gebracht. Der Autor erwähnte darin eine Arve in 2‘585 m Höhe bei Plattje, oberhalb von Saas Fee. Urs-Beat Brändli fand den fraglichen Baum natürlich nicht, aber die Analyse von Luftaufnahmen brachte ihn auf eine andere Spur im benachbarten Tal, Richtung Zermatt.

An eine Felswand geklammerte Arven

Nach einigen Tagen der Suche entdeckte er hier am Nordhang des Gornergrats einige kleine Arven in 2‘745 m Höhe an einer schwer zugänglichen Felswand. Das grösste Exemplar ist 2,2 m hoch und hat einen Stammdurchmesser von etwa 6 cm in Höhe von 1,30 m. Schliesslich entdeckte Urs-Beat Brändli unweit von dieser Stelle ein winziges Exemplar von 11 cm in einer Felsspalte am Unterrothorn in 2‘765 m Höhe.

Klein, aber nicht erst seit gestern dort

Doch wie sollte man das Alter des kleinen Wichts bestimmen, nachdem man ihn gefunden hatte? Ihn in Scheiben zu schneiden stand ausser Frage! Der Forscher zählte also nicht seine Jahresringe, sondern seine Jahrestriebe. Die ältesten unter ihnen waren kaum sichtbar, aber er konnte auf diese Weise schätzen, dass diese Arve etwa zehn Jahre alt ist.

Wer findet den neuen Rekordhalter?

Seit der Mitteilung dieser Entdeckung wurden dem LFI neue Rekorde gemeldet, die demnächst überprüft werden. Auch Du oder die Erwachsenen aus Deinem Umfeld können einen Beitrag zur Entdeckung des neuen Rekordhalters in der Schweiz leisten. Wenn Ihr einen Baum von mindestens 10 cm Höhe auf einer Wanderung im Hochgebirge findet, macht ein Foto von ihm und notiert Euch seinen Standort. Wenn Ihr wieder zu Hause seid, füllt Ihr das Online-Formular des LFI aus, um den Forschern zu ermöglichen, Euren Fund zu überprüfen. Viel Glück auf der Jagd!

Die Arve, die Königin der Berge

Die Arve (oder Arbe), die man auch Zirbelkiefer oder Zirbe nennt, ist der Baum, den man in Europa in den grössten Höhen findet. Sie ist bestens an das raue Klima der Berge angepasst und trotzt Wind und Wetter.

Sie wächst oft in Gruppen von mehreren Stämmen, gelegentlich weil sich der Stamm eines jungen Baumes geteilt hat oder weil mehrere von einem Tannenhäher versteckte Samen gleichzeitig gekeimt haben. Die genetische Analyse ist die einzige Möglichkeit, mit Gewissheit herauszufinden, wie es sich tatsächlich verhält.

Hier erfährst du mehr:

 

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