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18.01.2016

Wir machen eine Monsterlawine

Forschende auf Beobachtungsstation
Die Forschenden auf einer ihrer Beobachtungsstationen.

Foto: Martin Heggli / SLF

Radarmessungen aus dem Helikopter
Der Mann an der offenen Ladeluke hält ein Laserscan-Gerät. Damit misst er, wie viel Schnee wo im Lawinenhang liegt. Siehe auch Detailfoto und Erläuterungen.
Foto: Gottardo Pestalozzi / WSL
Lawine 2016
Gleich berührt die Lawine den Messmast, wo unter anderem die Geschwindigkeit gemessen wird. Click für Film.
Video: Julia Wessels / SLF
Wissenschaftler am Werk
Im Bunker, hinter Panzerglas-Luken, erwarten die Wissenschaftler den Niedergang, um danach die Messdaten zu kontrollieren. Click für Film.
Video: Vidéalp.

Weitere Bilder in der SLF-Fotostrecke

18. Januar 2016. Eine Gruppe von Forschern hat in einem einsamen Tal im Wallis eine riesige Lawine ausgelöst.  Der Zweck: Besser zu verstehen, wie sich Lawinen fortbewegen, um Dörfer und Strassen zu schützen.

Es ist noch Dunkel in Anzère. Ein Dutzend schwer beladener Männer und Frauen stapfen auf Tourenskis und Schneeschuhen durch die eiskalte Morgenluft. Es sind Forschende auf dem Weg zu einem grossen Lawinen-Experiment. Ihnen folgt eine  Gruppe Journalisten , die für Fernsehzuschauer und Zeitungsleserinnen genau berichten wollen, was passiert. Nach einer halben Stunde sind sie auf einem Felsvorsprung angekommen, wo sie ihre Instrumente und Kameras aufstellen. Sie beobachten den Steilhang gegenüber. Ein Helikopter fliegt durchs Tal. Der Mann an der offenen Ladeluke hält ein Laserscan-Gerät. Damit misst er, wie viel Schnee wo im Lawinenhang liegt. Unten im Tal sorgen Wachposten dafür, dass niemand das Gebiet betritt.  In einem Bunker auf der gegenüberliegenden Talseite sitzen weitere Forscher und treffen die letzten Vorbereitungen für die Messungen.

In der letzten Woche hat es fast einen Meter Neuschnee gegeben. Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF hat die zweithöchste Lawinengefahrenstufe ausgegeben. Und der Wetterbericht verspricht einen sonnigen Vormittag. Das sind ideale Voraussetzungen für einen Grosslawinenversuch.

Der Helikopter fliegt nochmals zum Bergkamm. Diesmal hat er Sprengstoff geladen, der zuoberst in einen steilen Hang platziert wird. Die Explosion soll die Lawine in Gang setzen. Gebannt schauen die Forscher nach oben. Wird es klappen? Dann ein Knall und eine Rauchwolke. Während ein paar Sekunden sieht man keine Bewegung. Wird die Lawine kommen? Doch die Schneedecke beginnt zu rutschen, man erkennt eine Abrisskante. Jetzt geht es los. Wie ein Wollknäuel, das immer grösser wird, entwickelt sich die Lawine. Sie wird immer schneller und breiter, wirbelt Schneestaub auf, erreicht die ersten Bäume. Ein eindrückliches Schauspiel. Die Lawine war etwa 200 m breit, floss 2.5 km weit und erreichte dabei bis 200 km/h.

Aus dem Helikopter wird nach dem Lawinenabgang wieder die Schneehöhe im Tal gemessen. Damit sieht man, wie viel Schnee die Lawine mitgerissen hat und wo sie wie viel davon abgelagert hat. Im Bunker kontrollieren die Forscher, ob alles richtig gemessen wurde. Sie haben auch diesmal wertvolle Daten gesammelt über Druckkräfte, Geschwindigkeit, Temperaturen und die Dicke der fliessenden Schneemassen.

Warum macht das SLF solche Lawinenversuche?

Wenn es die Schneelage und die Wetterverhältnisse erlauben, führt das SLF jeden Winter solche Experimente durch, seit fast 20 Jahren. Damit verstehen die Forschenden immer besser, wie sich Lawinen verhalten und welche Kräfte sie entwickeln. Diese Informationen helfen Gemeinden, ihren Lawinenschutz zu verbessern: Wo sollen Menschen bauen dürfen,  wo besser nicht? Wo braucht es Schutzbauten - zum Beispiel Wälle, Netze, Mauern – und wie stark müssen sie sein?

Hier erfährst du mehr

 

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