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29.06.2017

Gämse, Steinbock und Rothirsch wandern in die Höhe

Steinbock
Nachdem der Steinbock überjagt wurde, verschwand er in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 1911 wurde er erfolgreich wieder ausgesetzt. (Foto: Josef Senn, www.ibex.li)
 
Gämse
Gämsen leben ganzjährig in Gruppen, die "Rudel" genannt werden. (Foto: Thomas Wehrli/Amt für Jagd und Fischerei GR)
 

In den Bergen gibt es eine langsame Verschiebung in die Höhe: Mit der Klimaerwärmung besiedeln viele Tier- und Pflanzenarten höher gelegene Gebiete. Jetzt haben Forscher der WSL festgestellt, dass dies auch für die grossen Huftiere Gämse, Steinbock und Rothirsch gilt.

Die Gefleckte Schnirkelschnecke tut es, der Rote Würfel-Dickkopffalter und der Alpen-Löwenzahn ebenso: Zahlreiche Tiere und Pflanzen verschieben ihren Lebensraum immer weiter in Richtung Berggipfel. Dank dem wärmeren Klima können sie auch weiter oben überleben. Wie steht es aber um warmblütige, grosse Tiere, die nicht so direkt von der Umgebungstemperatur abhängig sind wie Pflanzen oder Insekten?

Diese Frage konnten WSL-Forscher jetzt beantworten: Zumindest in Graubünden halten sich auch Gämsen, Steinböcke und Rothirsche in immer grösseren Höhen auf. Sie konnten das dank den Jägern herausfinden. Diese müssen nämlich beim Amt für Jagd und Fischerei in Graubünden melden, wann und wo sie Rehe, Gämsen, Steinböcke und Rothirsche abgeschossen haben. Zwischen 1991 und 2013 waren das 230‘000 Abschüsse.

Warmer Herbst

Drei dieser Arten mussten die Jäger immer weiter oben aufspüren: Die Steinböcke um 135 Höhenmeter, die Gämsen um 95 Meter und die Hirsche um 80 Meter. Nur die Rehe halten sich an ihre Territorien und an den Wald und bleiben somit auf gleicher Höhe. Wo sich die Tiere aufhalten, hängt von den Umweltbedingungen während der Jagdsaison ab: Ist der Herbst warm und schneefrei, treffen die Jäger die Rothirsche, Gämsen und Steinböcke in höheren Lagen an. Ist der Herbst kalt oder schneit es früh, bleiben die Tiere weiter unten.

Über die letzten 20 Jahre gesehen sind die Temperaturen im September und Oktober in Graubünden um 1.3°C gestiegen. Das klingt nach wenig, aber es kann im Herbst den Unterschied zwischen Regen und Schnee ausmachen. Dank der Wärme ist im Gebirgswald und auf den Alpen mehr Nahrung für die Tiere vorhanden. Weil Klimaforscher damit rechnen, dass es mit der Erwärmung weitergeht, werden die Huftiere vermutlich immer weiter oben nach Nahrung suchen.

Ob das für die Tiere Vor- oder Nachteile bringt, wissen die Forscher noch nicht. Eines ist aber klar: Für die Jäger wird die Jagd künftig anstrengender werden.

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