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13.07.2017

Wer frisst wen in einem wärmeren Klima? Deine Mithilfe ist gefragt!

Mésange charbonnière
Ein Räuber pflanzenfressender Insekten: Die Kohlmeise ernährt sich im Frühling und Sommer fast ausschliesslich von Insekten. (Foto: Rosember, derivative work Lämpel / Wikipedia)
 
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Falls deine Schulklasse beim Projekt mitmacht, wird euch der WSL-Forscher erklären, wie ihr falsche Raupen aus Knetmasse basteln und im Baum befestigen könnt. (Foto: Bastien Castagneyrol, Inra Bordeaux)
 
Exemples de traces de becs d'oiseaux
Hier einige Beispiele von Schnabelspuren von jagenden Vögeln. (Foto: Bastien Castagneyrol, Inra Bordeaux)
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Sie sind zwar winzig und leben oft im Verborgenen, aber sie können sogar die grössten Eichen ernsthaft schädigen: Pflanzenfressende Insekten sind überall. Zum Glück für die Bäume werden diese Insekten wiederum von Raubtieren gefressen, zum Beispiel von Vögeln oder anderen Insekten. Doch die globale Erwärmung könnte dieses Gleichgewicht stören.

Die Eiche ist in Europa eine der Baumarten, welche die grösste Vielfalt an pflanzenfressenden Insekten beherbergt. Meistens fressen diese Insekten nur einen kleinen Teil der Blätter, aber auch diese scheinbar harmlosen Angriffe können die Eichen schwächen und ihr Wachstum verlangsamen, wenn sie Jahr für Jahr geschehen. Massive Ausbrüche bestimmter Schädlinge wie des Schwamm- oder Prozessionsspinners, die es in manchen Jahren gibt, können Eichen sogar töten, wenn sie mit anderen Stressfaktoren oder Krankheiten zusammenfallen.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Die Eichen sind jedoch nicht wehrlos. Sie produzieren in ihren Blättern abstossende oder giftige chemische Substanzen, dank denen ihre Blätter für Pflanzenfresser schlecht verdaulich sind. Vor allem aber haben sie Verbündete: Pflanzenfressende Insekten stehen auf dem Speisezettel anderer Tiere wie Vögel, Raubinsekten, Spinnen oder Säugetiere. Sie schützen somit die Bäume. Ökologen nennen diese Abfolge von Fressenden und Gefressenen eine trophische Kaskade.

Verschiedene Teams von Wissenschaftlern haben diese Kaskade bei mehreren Arten von Bäumen und Kräutern untersucht, und dabei ist ihnen etwas aufgefallen: Pflanzenfressende Insekten richten in wärmeren Regionen mehr Schaden an als in kalten. Warum wohl?

Die Fachleute sind sich darüber nicht einig. Einige schlagen als Erklärung vor, dass sich die Pflanzen in wärmeren Klimazonen weniger gut verteidigen. Aber oft ist das Gegenteil der Fall! Könnte es sein, dass die Räuber in kalten Regionen aktiver sind? Oder die pflanzenfressenden Insekten warmen Gegenden, weil ihre Körpertemperatur von der Umgebungswärme abhängig ist? Vermutlich enthält die Wahrheit ein bisschen von allen diesen Erklärungen.

Diese Fragen sind nicht nur für Experten wichtig. Denn das Klima der Erde verändert sich. Die gemässigten Regionen werden wärmer, und kalte Regionen werden weniger kalt. Viele Lebewesen werden damit ihre Gewohnheiten ändern, sie werden andere Regionen besiedeln und im Frühling oder Sommer früher oder im Herbst länger aktiv sein. Es ist anzunehmen, dass sich die trophische Kaskade ebenfalls ändern wird. Das könnte die Eichen schwächen – nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Europas.

Forschende brauchen deine Hilfe!

In einem Grossprojekt wollen Forschende von Portugal bis Schweden die Wechselwirkungen zwischen Eichen, pflanzenfressenden Insekten und Raubtieren in verschiedenen Klimazonen erkunden. Aber Europa ist gross, und deshalb brauchen sie Hilfe von dir und deiner Schulklasse.

Um bei diesem Forschungsprojekt mitzumachen, kann deine Lehrerin oder dein Lehrer mit dem Projektleiter für die Schweiz (siehe unten) Kontakt aufnehmen. Sobald deine Klasse angemeldet ist, ist es sehr einfach. Mit ein wenig Knetmasse und ein paar Meter Draht werdet ihr einige Raupen basteln. Im Frühling 2018 werdet ihr diese in einer Eiche (Quercus robur) in der Nähe eurer Schule ansetzen. Damit täuscht ihr die Räuber: Sie werden diese Köder angreifen, als ob sie echte Beute wären. Dabei hinterlassen sie Spuren mit ihrem Schnabel, ihren Zähnen oder Mandibeln (den Mundwerkzeugen von Insekten).

Jeweils nach zwei Wochen und nach einem Monat wird eure Schulklasse die Eiche besuchen, um die Spuren der Räuber zu zählen und zu fotografieren. Ausserdem pflückt ihr einige Blätter, die ihr an den Projektleiter in der Schweiz schickt. Er wird das Ausmass des Blattfrasses und den chemischen Inhalt der Blätter analysieren. Somit wird der Kreis geschlossen. So wird es mit deiner Hilfe und der anderer Schulklassen in den verschiedenen Ländern möglich sein, chemische Verteidigung, Insektenfrass und Angriffe durch Räuber abhängig vom Klima zu vergleichen, und das von Süd- bis nach Nordeuropa.

Bist du interessiert? Sprich deine Lehrerin oder deinen Lehrer an. Sie oder er kann Martin Gossner kontaktieren. An der WSL erforscht er Insekten und ist für dieses Projekt verantwortlich.

 

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