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Beschädigen Skipisten die Vegetation?

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Im Frühling und im Frühsommer schmilzt der Kunstschnee zwei bis drei Wochen später als der natürliche Schnee. (Bild: Christian Rixen/SLF)
 
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Bei dieser Skipiste sieht man, dass der Schnee im Frühling auf der Piste nicht viel später schmilzt als neben der Piste. Trotzdem genügt diese kleine Verzögerung dafür, dass der Löwenzahn deutlich später blüht. (Bild: Priska Hiller, Davos)
 
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Auf einer von Maschinen flachgewalzten Piste können sich Pflanzen nur schwer ansiedeln. (Bild: Christian Rixen/SLF)
 
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Die Alpenglöckchen nehmen ersten Sonnenstrahlen im Frühling durch die Schneedecke wahr und beginnen sogar unter dem Schnee zu wachsen und zu blühen. (Bild: Christian Rixen/SLF)
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Skifahren ist cool, aber im Sommer können Skipisten ganz schön mitgenommen aussehen. In den meisten Skigebieten geht heute kaum etwas ohne Kunstschnee, während er in den 1990er Jahren lediglich lokal zur Stabilisierung der Schneedecke in steilen Bereichen eingesetzt wurde. Macht Kunstschnee die Vegetation kaputt?

Kontroverse Diskussionen über die ökologischen Auswirkungen der Beschneiung laufen seit Jahrzehnten. Dank der Forschung ist heute bekannt, dass die Auswirkungen von Kunstschnee auf die Vegetation nicht nur negativ sind: Die zusätzliche Schneemenge kann Pflanzen und Boden vor mechanischen Verletzungen durch Pistenfahrzeuge und Skikanten, aber auch vor starken Bodenfrösten schützen.

Andererseits braucht es sehr lange, bis die grosse Menge an Schnee auf Kunstschneepisten geschmolzen ist: Beschneite Pisten sind im Mittel zwei bis drei Wochen später schneefrei als Pisten mit Naturschnee, im Extremfall sogar bis zu vier Wochen später. Dadurch können sich die Pflanzen erst stark verspätet entwickeln und den Rückstand nicht immer im Jahresverlauf aufholen, was sich auf die Vegetationszusammensetzung auswirken kann: Für Schneetälchen typische Pflanzen wie die Soldanelle, die es in wenigen Wochen schafft zu wachsen, zu blühen und zu fruchten, nehmen zu.

Kunstschnee führt dazu, dass es zur Zeit der Schneeschmelze viel mehr Wasser gibt. Es enthält zudem bis zu achtmal mehr Nährsalze und Ionen als Naturschnee, wie eine Studie von WSL-Forschenden gezeigt hat. Obwohl dieses Schmelzwasser im Allgemeinen immer noch Trinkwasserqualität hat, könnte das ebenfalls die Vegetationszusammensetzung verändern, indem es Arten fördert, die feuchte, basenreiche Bedingungen benötigen. Arten trockener, saurer und nährstoffarmer Standorte haben das Nachsehen.

Weniger Arten auf Pisten

Trotz gewisser Unterschiede zwischen Naturschnee- und Kunstschneepisten gilt ganz allgemein, dass der Artenreichtum und die Produktivität auf Pisten geringer sind als auf Flächen neben den Pisten.

Die gravierendsten aller Eingriffe sind allerdings die Pistenplanierungen in der schneefreien Zeit. Selbst in Höhen knapp unterhalb der Waldgrenze können Störungen der Bodenstruktur fast irreparabel sein und Erosion verursachen. Nach Planierungen und anderen Bodenarbeiten muss deshalb nach modernsten Begrünungsmethoden vorgegangen werden. Die Technologie hierfür hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und nutzt lokale Pflanzenarten und –samen, die an hohe Lagen angepasst sind. Solche modernen Methoden sind kurzfristig gesehen manchmal (aber nicht immer!) teurer als herkömmliche Billiglösungen, rechnen sich jedoch langfristig und sind nachhaltiger.

Aufgepasst: empfindliche Vegetation!

Das Fazit ist also, dass der Skisport oder der Einsatz von Kunstschnee aus ökologischer Sicht pauschal nicht verteufelt werden können. Denn auf zahlreichen Flächen ist die zusätzliche Belastung gering, z. B. wenn sie ohnehin landwirtschaftlich relativ stark genutzt werden.

Zurückhaltung ist hingegen angesagt bei ökologisch hochwertigen und empfindlichen Flächen wie Mooren oder Magerrasen mit gefährdeten Pflanzenarten oder bei steilen Flächen mit hohem Erosionsrisiko. Hier sollte unter Umständen auch einmal aufs Skifahren verzichtet werden – es gibt genügend andere Flächen, auf denen ohne Probleme skigefahren werden kann.

Autor: Christian Rixen, SLF

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