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Gibt es immer mehr Lawinenopfer?

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Abb. 1: Die blauen Balken zeigen die jährliche Anzahl Lawinenopfer in der Schweiz von den Wintern 1936/37 bis 2015/16. Die schwarze Linie zeigt den fortlaufenden Mittelwert über 15 Jahre. Seit 1936/37 starben in den Schweizer fast 2000 Personen in mehr als 1000 Lawinen.
 
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Abb. 2: Die roten Balken zeigen die jährliche Anzahl Lawinenopfer in der Schweiz von 1936/37 bis 2015/16 im gesicherten Gelände. Die schwarze Linie zeigt den fortlaufenden Mittelwert über 15 Jahre.
 
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Abb. 3: Jeder Lawinenunfall kann schlimme Konsequenzen haben. Die Rettung von Verschütteten ist ein Wettlauf gegen die Zeit! (Foto: Kantonspolizei GR)

 
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Abb. 4: Der Schneesport abseits der Pisten boomt. ABER: Verlasse die Piste nur, wenn du Erfahrung und Kenntnisse in der Beurteilung der Lawinensituation hast und die Notfallausrüstung dabei hast.
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Im Vergleich mit anderen Naturgefahren (z. B. Steinschlag, Hochwasser oder Stürme) fordern Lawinen die meisten Todesopfer. Doch nimmt diese Zahl zu, weil immer mehr Schneebegeisterte abseits Piste fahren?

Um Fragen wie diese zu beantworten, werten SLF-Forscher tödliche Lawinenunfälle aus, die das Institut seit 1936 erfasst. In den letzten 80 Jahren sind in der Schweiz jährlich im Durchschnitt 25 Menschen in Lawinen gestorben.

Weniger Lawinenopfer, trotz mehr Schneesportler abseits der Piste

Ein Blick auf Abbildung 1 zeigt: Nein, die Zahl der Lawinenopfer ist nicht angestiegen, im Gegenteil. Der Grafik können wir aber noch mehr Informationen entnehmen. Du siehst. dass sich die Anzahl Lawinenopfer von Jahr zu Jahr unterscheidet. So verloren im Lawinenwinter 1950/1951 99 Menschen ihr Leben, während es in den beiden vorhergehenden Jahren fast keine Opfer gab. Lawinenwinter wie 1963 oder 1999, aber auch ein Unglück mit besonders vielen Opfern (beispielsweise die Lawinenkatastrophe 1970 in Reckingen, wo 30 Menschen starben) beeinflussen die Statistik stark.

Markant weniger Lawinenopfer im gesicherten Gebiet

Wenn die SLF-Forschenden die Daten zu den Lawinenopfern auswerten, unterscheiden sie zwischen Opfern im gesicherten und ungesicherten Gebiet. Zu gesicherten Gebieten gehören nicht nur Skipisten, sondern auch Strassen, Bahnlinien und Siedlungen. Wie Abbildung 2 zeigt, nahm die Anzahl der Opfer im gesicherten Gelände deutlich ab. Grosse Investitionen in Lawinenverbauungen, bessere Gefahrenkarten, Sperrungen von gefährdeten Infrastrukturen, Evakuationen von Personen aus gefährdeten Gebieten oder künstliche Lawinensprengung durch die verantwortlichen Lawinendienste haben dazu beigetragen, dass heute in gesicherten Gebieten weniger Menschen sterben als früher.

Weniger Lawinenopfer auch im ungesicherten Gebiet

Ein anderes Bild zeigt sich, wenn wir die Anzahl Lawinenopfer im freien, nicht vor Lawinen gesicherten Gelände anschauen. Bei diesen Unfällen handelt es sich fast immer um Personen, die in ihrer Freizeit auf Ski-, Snowboard-, Schneeschuh-Touren oder Variantenfahrten unterwegs waren. In der grossen Mehrheit der Fälle lösten die Opfer "ihre" Lawinen selber aus.

Im freien Gelände sank die Zahl der Opfer nach einer Spitze in den 1980er-Jahren und ist seitdem relativ konstant – trotz mehr Schneesportlern abseits der Piste. Die verstärkte Präventionsarbeit (z. B. Lawinenkurse, Vorträge, whiterisk.ch), eine bessere Information über die Lawinensituation oder die immer öfter mitgeführte Lawinennotfallausrüstung (LVS, Sonde, Schaufel) dürften zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

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