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Warum und wie werden Lawinen gesprengt?

Sprengmast
Von diesem Sprengmast aus wird die Lawine im Skigebiet Gotschna/Parsenn (bei Davos) künstlich ausgelöst. Natürlich bevor die ersten Gäste da sind.
 
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Im SLF-Testgelände Vallée de la Sionne (Gemeinde Arbaz im Wallis) werden grosse Lawinen künstlich ausgelöst. Der 19 m hohe Mast (roter Pfeil) ist mit über 200 Sensoren ausgestattet, welche beispielsweise Druck, Geschwindigkeit, Dichte, Temperatur und Fliesshöhe der Lawine messen.
 
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Mit diesem Gaszündrohr – ähnlich eines Fernauslösesystems – werden Versuche zur Wirkung von Explosionen über der Schneedecke gemacht. Die Druckwelle wird über dem Schnee mit Mikrophonen und im Schnee mit Beschleunigungssensoren gemessen.
 
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Während du im Winter noch im Bett liegst oder gemütlich frühstückst, herrscht im Skigebiet bereits reger Betrieb: Pisten werden markiert, Hindernisse signalisiert und Lawinen gesprengt. Aber nicht nur die Fachleute des Pisten- und Rettungsdienstes auch Forscher am SLF sprengen Lawinen.

Lawinen sprengen – Warum?

Vielleicht hast du früh morgens auch schon mal ein lautes Knallen im Skigebiet gehört. Dann werden Lawinen künstlich ausgelöst. Das alles natürlich bevor die ersten Wintersportler da sind. Die zuständigen Pistenpatrouilleure beurteilen die Lage jeden Tag neu und sprengen die Lawinen wenn nötig künstlich, damit die Pisten für die Gäste sicher sind. Besonders nach starken Schneefällen sprengen sie Lawinen. Nach den Sprengnungen präparieren und öffnen sie die Pisten für die Wintersportler.

Lawinen bedrohen aber nicht nur Skipisten, sondern auch Verkehrswege und Häuser. Deshalb werden Lawinen manchmal auch oberhalb von Siedlungsgebieten, Strassen oder Bahnlinien gesprengt. Wichtig ist, dass regelmässig der Situation angepasst gesprengt wird, um kleinere Lawinen auslösen zu können. So wird verhindert, dass sich eine ungünstige Schneedecke aufbauen kann, aus der sich dann eine grosse Lawine entwickelt. Neben Schutzwald und Lawinenverbauungen ist die künstliche Lawinenauslösung, wie die Fachleute die Sprengungen nennen, ein wichtiges Mittel zum Schutz vor Grosslawinen.

Lawinen besser verstehen 

Auch SLF-Forscher sprengen in Testgebieten regelmässig Lawinen. Diese Lawinen werden gesprengt, um besser zu verstehen, wie sich Lawinen verhalten, wie schnell sie werden und welche Kräfte sie entwickeln. Diese Informationen helfen beispielsweise den Lawinenschutz zu verbessern oder Lawinensimulationsprogramme weiter zu entwickeln.

In einem anderen Projekt untersuchen die Forscher, was in der Schneedecke passiert, wenn gesprengt wird, und vergleichen die Wirkung verschiedener Sprengmethoden. Dabei arbeiten sie mit High­Speed­-Kameras, Mikrofonen und Sensoren, die sie in der Schneedecke platzieren, um die Druckwelle aufzunehmen. Dank diesen Untersuchen soll man besser verstehen, was es überhaupt braucht, um eine Lawine künstlich auszulösen.

Lawinen sprengen – Wie?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Lawinen künstlich auszulösen. Das Prinzip ist aber bei allen gleich. Durch den Druck der Sprengung im Anrissgebiet wird ein Bruch in der Schneedecke erzeugt, welcher sich dann von alleine ausbreitet. Anschliessend rutscht die über dem gebrochenen Schnee liegende Schneetafel ab.

Die meisten Auslösungen erfolgen mit Sprengladungen, welche von Hand in einen zu sichernden Lawinenzug oder Hang geworfen werden. Oft werden Sprengladungen aus dem Helikopter abgeworfen. In den letzten Jahren wurden fest installierte Sprenginstallationen immer beliebter und sind heutzutage weit verbreitet. Damit können Explosionen mit Sprengstoff oder Gas über der Schneedecke erzeugt werden, was eine ideale Wirkung ergibt. Diese Anlagen können aus sicherer Distanz, zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter bedient werden.

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