Link zu WSL Hauptseite Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
 

Warum forscht die Schweiz in den Polarregionen?

ETH-Bibliothek_de_Quervain_1912_Dia_297-0071_280px.jpg
Im Juli 1912 durchquerte der Schweizer Polarforscher Alfred de Quervain Grönland mit einer kleinen Forscher-Gruppe. Auf diesem Bild misst er die Windgeschwindigkeit mit einem Taschen-Anemometer. (Bild: Bildarchiv der ETH-Bibliothek)
 
Griessvideo_Saskia
Klicke auf das Bild, um zu erfahren, wie eine Wissenschaftlerin die Alpengletscher erforscht.
 
Thermohaline_circulation_280px.jpg
Die roten und blauen Pfeilen stellen das sogennante globale Förderband dar. So nennt man die Zirkulation des Meerwassers, die sich über vier der fünf Ozeane (Atlantik, Pazifik, Indischer und Antarktischer Ozean) erstreckt. Ihre Antreiber sind Dichteunterschiede des Wassers sowie die Passat- und Westwinde. (Bild: Wikipedia Commons
 
akademik_treshnikow2_280px.jpg
Im Winter 2016/2017 umrundet das russische Forschungsschiff "Akademik Treshnikov" innert 3 Monaten die Antarktis.
Klick die Bilder an, um sie zu vergrössern.

Die Schweiz ist ein Binnenland – weit weg von den Polarregionen. Trotzdem sind Schweizer WissenschafterInnen sehr engagiert in der Polarforschung. Aber wieso reicht die Schweizer Bergwelt nicht aus, um alle Fragen der Gletscher-, Schnee- und Klimaforscher zu beantworten?

Schweizer Gletscherforscher interessierten sich schon früh für die Eisschilde der Antarktis und Grönlands. Mit deren Existenz sahen sie die Theorie bestätigt, dass die Schweiz während den Eiszeiten grösstenteils vergletschert war. Denn viele Gegner der Theorie bezweifelten bis dahin, dass so grosse Gletscher überhaupt existieren.

Im Jahr 1912 durchquerte der Schweizer Polarforscher Alfred de Quervain als erster die "Grüne Insel" (Dänisch für Grönland) von West nach Ost; deshalb gibt es heute eine Region in Ostgrönland, die "Schweizerland" heisst.

Die Polarregionen befinden sich nördlich (Arktis) oder südlich (Antarktis) der Polarkreise – also dort wo es im Sommer immer hell ist, im Winter immer dunkel. Diese Regionen reagieren sehr empfindlich auf den Klimawandel; deshalb gelten sie als eine Art „Frühwarn-System“ für Klima- und Umweltveränderungen. Klimaforscher haben herausgefunden, dass die Temperaturen an den Polkappen zwei- bis viermal schneller ansteigen als in der übrigen Welt.

Die Alpen: Der dritte Pol

Parallelen zwischen der Schweiz und den Polarregionen finden sich durchaus. Die Landschaft in der Schweiz wurde massgeblich von Gletschern geprägt: Seen wie der Zürichsee sind während der letzten Eiszeit entstanden, Gletscher formten Täler wie das Rhonetal und in den Alpenregionen prägen sie das Landschaftsbild bis heute. Aber wie die Eismassen an den Polen sind auch die Alpengletscher stark vom Klimawandel betroffen: Forschende vermuten, dass sie bis am Ende dieses Jahrhunderts komplett abschmelzen werden.

Die Pole beeinflussen das globale Klima

Für die Klimaforscher ist es wichtig, die Prozesse in den Polarregionen zu verstehen. Denn die ozeanischen Strömungen, welche das Klima regulieren, hängen vom Meerwasseraustausch zwischen den Polar- und den Tropenregionen ab: Eiskalte polare Meeresströmungen wandern in der Tiefe der Ozeane zum Äquator, während gleichzeitig warme Luft- und Wasserströmungen an der Oberfläche vom Äquator in Richtung der Pole fliessen. Ändern sich die Bedingungen an den Polen, kann dies die gesamte Meerwasserzirkulation und damit das weltweite Klima beeinflussen.

Swiss Polar Institute

Im April 2016 gründete die WSL zusammen mit vier weiteren Schweizer Institutionen das "Swiss Polar Institute". Das Ziel ist es, die Erforschung der Pole mit verschiedenen internationalen Projekten zu fördern. Das erste Projekt ist bereits aussergewöhnlich: Auf einem russischen Forschungsschiff umrunden 55 Forschende in drei Monaten die Antarktis. Während Dezember 2016 bis März 2017 arbeiten sie an verschiedenen Projekten rund um die Polarforschung. 

Hier erfährst du mehr

Verwandte Fragen:

 

Spacer