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Wieso gibt es Holz an den waldlosen arktischen Küsten?

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Beim Flössen werden die Baumstämme zusammengebunden und so auf den Flüssen transportiert. Dabei lösen sich häufig einzelne Stämme und gehen verloren. (Bild: Wikipedia Commons/Tony Hisgett)
 
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An dieser waldfreien Küste von Island wurden unzählige Baumstämme als Treibholz angeschwemmt (Bild: Lena Hellmann).
 
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Die Pfeile auf der Karte zeigen die Hauptmeeresströmungen, die das Treibholz im Arktischen Ozean weitertransportieren. Von Russland über die vier grossen Flüsse (gelb, grün, blau und rot) werden die Stämme an die Küsten geschwemmt. (Grafik: Lena Hellmann). Klicke auf das Bild, um die Legende zu sehen.
 
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Eine WSL-Forscherin sägt eine Treibholzprobe aus dem Boden heraus. Das Holz ist so alt, dass es sich unter mehreren Metern Sedimentmaterial befindet. (Bild: Lena Hellmann)
Klicke die Abbildungen an, um sie zu vergrössern.

An den weitgehend unbewaldeten Küsten der Arktis liegen unzählige Baumstämme: Die Meeresströmung spült sie über Flüsse in Russland und Nordamerika ins Nordmeer. Nicht nur die Einheimischen freuen sich über dieses Treibholz, das ihnen als Baurohstoff und Feuermaterial dient, sondern auch die Jahrringforscher wollen den Stämmen ihre Geheimnisse ent­locken.

Obwohl im Nordwesten von Island keine Bäume wachsen, wird dort trotzdem eine Sägerei betrieben. Eigentlich komisch, oder? Die Sägerei arbeitet jedoch mit arktischem Treibholz – Holz, welches aus den borealen Nadelwäldern über Flüsse in den Ozean getragen wird. Für die Inuit, ein Urvolk aus Grönland, Zentral- und Nordkanada, war arktisches Treibholz lange Zeit sogar die einzige Holzquelle.

Die lange Reise

Die borealen (Lateinisch borealis für „nördlich“) Nadelwälder ziehen sich etwa entlang des 60. Breitengrads um die Nordhalbkugel, wo trotz der kalten Temperaturen Bäume wachsen. Beim Flössen – dem Transport von Baumstämmen für die Holzindustrie - und bei Sturmfluten gelangen viele Stämme in die borealen Flüsse,  welche das Holz nordwärts bis in den arktischen Ozean transportieren können.

Wenn Meereis um die Baumstämme gefriert, wird das Holz im Eis von den Meeresströmungen weiter befördert. Nach mehreren Jahren landen sie als „Arktisches Treibholz“ an den waldfreien Küsten von Island, Grönland und anderen arktischen Inseln.

Jahrringforscher als Baum-Detektive

Hier kommen die Jahrringforscher (die „Dendrochronologen“) der WSL ins Spiel: Sie sammelten auf mehreren Expeditionen entlang den Küsten Grönlands, Islands, Spitzbergens und der Färöer-Inseln rund 2‘500 Treibholz-Stammscheiben. Wieder zurück in der Schweiz untersuchten sie die Scheiben im Labor, um deren Herkunft herauszufinden. 

Zuerst bestimmten die Forscher die Art der Bäume: Sie fanden heraus, dass die meisten Bäume Waldkiefern waren. Da diese Kiefernart in Nordamerika nicht vorkommt, konnten die Wissenschaftler die Herkunft des Treibholzes auf Eurasien beschränken.

Indem sie die Jahrringe der Treibholzproben mit einer vorhandenen „Jahrring-Bibliothek“ verglichen – in der Fachsprache heisst diese Technik „cross-dating“ -, fanden sie heraus, dass das Treibholz aus den grossen Flusseinzugsgebieten Russlands stammen muss.

Jahrtausendalte Archive

Den Ursprung des Treibholzes zu erforschen ist für Ozean-Forschende deshalb interessant, weil sie dadurch die grossen Strömungen des Nordpolarmeeres und die Schwankungen der Meereisfläche in vergangenen Zeiten rekonstruieren können.

Auch für die Klimaforscher ist das Treibholz ein wichtiges Archiv: In den borealen Nadelwäldern ist das Wachstum der Bäume fast ausschliesslich von den Sommertemperaturen bestimmt. Breite Ringe bedeuten warme Wetterverhältnisse und schmale Ringe kältere Wetterverhältnisse. In diesen Gegenden lässt sich also das Sommerklima vergangener Zeiten ideal mithilfe von Jahrringen nachvollziehen. Der Vorteil von Treibholz ist, dass es zum Teil sehr alt ist; damit besteht die Möglichkeit, das Klima über mehrere tausend Jahre zu rekonstruieren.

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