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Wie wächst die Rinde nach?

Rinde-Wachstum
Querschnitt durch einen 5jährigen Kiefernstamm.
Grafik: nach Thomas Steiner / Wikipedia
 
sugarpine firescars
Zwischen 1814 und 1994 hat diese amerikanische Föhre zwölf Waldbrände überlebt! Auf diesem Querschnitt von ihrem Stamm sieht man, wie sie nach jedem Brand angefangen hat, die Verletzung zu überwallen.
Bild: H. Grissino-Mayer
 


Die Rinde schützt den Baum gegen Insekten und Feuer, isoliert ihn gegen Sonnenstrahlen, Frost und Regen und verhindert, dass er bei Trockenheit zu viel Feuchtigkeit verliert. Wie bildet sich aber die Rinde? Und: kann sie nachwachsen, wenn sie beschädigt wird?

Die Rinde unterteilt sich in zwei Schichten:

  • die äussere Rinde, auch Borke genannt, besteht aus toten Zellen.
  • die innere Rinde (=Bast) ist wie eine "Pipeline" voller kleiner senkrechter Röhrchen. Diese transportieren die Nährstoffe von den Blättern zu den Ästen, dem Stamm und den Wurzeln. Bast besteht aus lebenden Zellen. Von diesen sterben jedes Jahr einige ab, die dann Teil der äusseren Rinde werden.

Unauffälliges Super-Kambium

Der Bast wird aus einer sehr dünnen Schicht von Zellen gebildet – dem Kambium. Dieses befindet sich zwischen dem Bast und dem eigentlichen Holz.

Das Kambium ist zwar hauchdünn, leistet aber viel. Es produziert nämlich Zellen in beiden Richtungen: Nach aussen erstellt es den Bast, und nach innen das Holz.

Wenn der Baum wächst, verschieben sich die ältesten Bast-Zellen immer weiter nach aussen und werden zu Borke. Diese fällt nach und nach ab und wird im Boden zersetzt. So wird die Borke ständig ersetzt.

Heilung von Verletzungen

Wenn ein Baum durch Feuer, Steinschlag oder einen Autounfall zu Schaden kommt oder wenn ein Ast abbricht, wird nicht nur die Rinde, sondern auch das Kambium verletzt.

Der Baum versucht immer, die Verletzung zu heilen. Vorerst wird die Wunde seitlich und gegen innen mit der Ausscheidung giftiger Stoffe gegen Pilze und Bakterien geschützt. Am Rande der Verwundung teilen sich die Zellen des Kambiums und bilden einen Wulst, der von den Wundrändern her wächst, bis sich seine Ränder sich treffen. Dann können sich die Kambium-Zellen wieder normal nach innen und aussen vermehren. Diesen Vorgang nennt man Überwallung.

Wenn der Bast und das Kambium rund um den Stamm vernichtet werden, können keine Nährstoffe mehr transportiert werden. Dann stirbt der Baum. Der Förster weiss das und schneidet manchmal, wenn er in einem Wald mehr tote Bäume haben möchte, einen dünnen Ring um den Stamm einzelner Bäume ab, damit diese sterben. Er tut dies zum Beispiel in Wäldern, in denen es zu wenige tote Bäume gibt. Denn viele Tier- und Pilzarten brauchen totes Holz als Lebensraum. Manchmal macht der Förster dies auch, wenn es viel zu viele junge Bäume im Wald gibt, denn er will nur eine bestimmte Anzahl Zukunftsbäume im Wald stehen lassen.

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