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Gibt es in der Schweiz Urwald?

Tropischer Regenwald in Taman Negara, Malaysia
Tropischer Regenwald in Taman Negara, Malaysia. Bild: Vladimir Yu. Arkhipov, Arkhivov, wikimedia commons
 
Derborence
Der Urwald von Derborence liegt an einem Hang oberhalb des Sees von Derborence im Wallis. Bild: Harald Bugmann, ETH Zürich
 
Scatlè
Im Urwald von Scatlè (Graubünden) hat es viel Totholz. Bild: Markus Bolliger
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Urwälder sind natürliche Wälder, die vom Menschen unberührt sind. Die Bäume in Urwäldern sind oft sehr gross und alt. Auch in der Schweiz gibt es an zwei abgelegenen Orten noch Urwälder, aber sie sind schwer zugänglich.

Was kommt dir beim Wort «Urwald» in den Sinn? Wahrscheinlich denkst du dabei an einen tropischen Regenwald mit exotischen Pflanzen, an einen undurchdringlichen Dschungel mit giftigen Schlangen und wilden Affen – an einen Ort, der weit weg ist von hier. Doch auch bei uns in Europa gibt es Urwald, sogar in der Schweiz! Er sieht aber ganz anders aus, weil darin andere Tiere und Pflanzen leben als im tropischen Regenwald.

Urwälder in den tropischen Regenwäldern kommen vor allem im Amazonasbecken in Südamerika, im Kongobecken in Afrika und in Südostasien vor, an Orten, wo es das ganze Jahr über warm ist. Die tropischen Regenwälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen auf der Erde. Die Urwälder in den kälteren Klimazonen sind nicht so artenreich. In Europa gibt es sogar Urwälder, die aus ein paar wenigen Baumarten bestehen, zum Beispiel die Nadelbaumwälder in Skandinavien und Russland.

Doch was ist ein Urwald überhaupt? Urwälder sind unberührte Wälder. Sie sind natürlich gewachsen, ohne dass der Mensch sie je gepflegt oder Holz daraus geerntet hat. In einem Urwald laufen natürliche Prozesse ohne menschliche Störung ab: Bäume keimen, wachsen, werden alt und sterben ab. Nach einem Sturm bleiben die umgefallenen Bäume liegen, bis sie von selber vermodern und auseinanderfallen. Im Urwald gibt es keine Jäger und keine Förster. Solche Wälder sind in Europa sehr selten geworden.

Unzugänglich und wild

Den meisten Wäldern in Europa sieht man an, dass der Mensch sie einmal genutzt hat, auch dort, wo er dies schon längere Zeit nicht mehr tut. Einige Merkmale verraten den Einfluss des Menschen: alte Baumstrünke von gefällten Bäumen, nur wenige abgestorbene Bäume oder Baumarten, die von selber nicht an diesem Standort wachsen würden. Und doch gibt es auch in der Schweiz noch zwei Orte, wo unberührter Urwald wächst:

  • der Fichten-Tannenurwald von Derborence im Kanton Wallis
  • der Fichtenurwald Scatlè bei Brigels im Kanton Graubünden.

Der Urwald von Derborence ist etwa 30 Fussballfelder gross. Er liegt an einem Hang oberhalb des Sees von Derborence. Der Hang ist so steil und felsig, dass er nur schwer zugänglich ist. Die Bäume in diesem Wald sind sehr alt und gross. Seit 1959 ist dieser Wald geschützt.

In Scatlè steht einer der letzten Fichtenurwälder der Alpen. Wie in Derborence ist dieser Urwald vor langer Zeit nach einem Bergsturz entstanden. Er liegt an einem steilen Hang, das Gelände ist zerklüftet, überall liegen Felsblöcke. Dieser Wald ist nur etwa 12 Fussballfelder gross, er steht seit 1910 unter Schutz.

Obwohl beide Urwälder geschützt sind, ist Betreten erlaubt. Aber mehr nicht: Die beiden Wälder dürfen nicht genutzt werden. Das wäre auch kaum möglich, denn beide Wälder wachsen an unzugänglichen Orten. So bleiben sie auch in Zukunft so wild und undurchdringlich, wie Urwälder oft sind.

An der WSL …

… untersuchen Forscherinnen und Forscher die natürliche Entwicklung von Urwäldern. Sie vergleichen die Urwälder mit genutzten Wäldern und erhalten so Hinweise darauf, wie sich der Einfluss des Menschen auf Tiere und Pflanzen auswirkt.
Da die beiden letzten Urwälder in der Schweiz recht klein sind, reisen die Forschenden für ihre Untersuchungen auch ins Ausland, zum Beispiel in die Ukraine. Hier stehen noch heute grosse Buchenurwälder.

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