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Früher weideten oftmals Ziegen im Wald. Die Förster sahen das gar nicht gerne. Wieso?

Hueterbueb
"Geissen- oder Weidbuchli": von Ziege und Grossvieh jahrelang abgefressene Buchen.
Foto: H. Burger, 1914 (Archiv WSL)
 
Trailer
Im Dokumentarfilm "Hüeterbueb und Heitisträhl" erzählen Menschen, wie der Wald früher benutzt wurde - unter anderen auch, um Ziegen zu weiden. Klicke das Bild an, um mehr darüber zu erfahren und den Trailer anzuschauen.

Ziegen wurden früher als "die Kühe des armen Mannes" bezeichnet, denn sie gaben Milch, waren aber günstiger und brauchten weniger Futter als Kühe. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es normal, dass Haustiere im Wald weideten. Gerade die Ziegen aber fügten diesem schwere Schäden zu.

Ziegen fressen nämlich gerne "von oben nach unten": Sie beginnen mit Blättern und Knospen an den Bäumen und wenden sich erst dann den am Boden wachsenden Kräutern zu. Ziegen schälen auch die Rinde an Stämmen und Ästen ab, zum Beispiel bei Fichten. Für den Baum ist das tödlich, weil direkt unter seiner Rinde die lebende Wachstumsschicht liegt. Ist der Baum schon grösser und die Rinde dicker, lassen ihn die Ziegen jedoch in Ruhe.

Lawinenschutz zerstört

Die Tiere können aber auch mit ihren Vorderbeinen junge Bäume umbiegen, was Fachleute "Niederreiten" nennen. Sie knabbern so bis in zwei, drei Meter Höhe die Knospen ab. Weil sie die jungen Bäume fressen, kann sich ein von Ziegen beweideter Wald langfristig nicht verjüngen. Wenn die alten Bäume morsch werden und sterben, gibt es keinen kräftigen Nachwuchs mehr.

Das war früher vor allem in Gebirgswäldern ein Problem, die bewohnte Täler vor Lawinen und Steinschlag schützen sollten. Sie konnten diese Funktion nicht mehr ausüben. Das Forstpolizeigesetz von 1902 verbot deshalb die Waldweide als "nachteilige Nutzung".

Naturschutz-Helfer

Durch das Verbot veränderten sich die Schweizer Wälder stark: Waren sie früher hell und lückig gewesen, so wurden sie nun dunkler und enthielten mehr nutzbares Holz. Weil viele andere Pflanzen aber lichte Wälder als Lebensraum brauchen, überlegen Förster heute, ob man die Waldweide in Ausnahmefällen für den Naturschutz wieder erlauben soll. Im Kanton Aargau gibt es diese Ausnahmeregelung schon (Link).

An der WSL…

… haben Forscher die Auswirkungen von Ziegen auf den Wald untersucht. Das Schweizerische Forstmuseum im Freilichtmuseum Ballenberg im Berner Oberland (Link) wollte vor einigen Jahren demonstrieren, wie der Wald früher genutzt wurde. Es liess vier Ziegen im Sommer für einige Wochen in einem Stück Wald weiden.

Die WSL-Forscher überprüften, was mit unterschiedlich grossen Bäumen und anderen Pflanzen geschah. Tatsächlich frassen die Ziegen sämtliche nachwachsenden Jungbäume ab. Die grossen Bäumen schädigten sie jedoch nicht. Der Versuch zeigt, dass Ziegen einen nachwachsenden Wald schädigen können und deshalb gut unter Kontrolle gehalten werden müssen.

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